Starbucks’ Schweizer Steuertrick
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Dieser Beitrag wurde mit einer eigens für die Republik entwickelten synthetischen Stimme vertont. Mehr dazu hier.
Transkript anzeigen
00:00:05: Der Café ist teuer, soll aber ethisch produziert sein.
00:00:09: Von den Milliarden Gewinnen des US-Unternehmens Starbucks landet bei den Kaffeebauern jedoch fast nichts.
00:00:16: Starbucks Schweizer Steuertrick Ein Beitrag von Karin Wenger vorgelesen von einer synthetischen Stimme.
00:00:25: Was mir am Café gefällt?
00:00:27: fragt Raime Gonzalez.
00:00:29: Alles!
00:00:30: der Café is unser Leben.
00:00:31: Wir pflanzen ihn, pflegen ihn, ernten ihn und dann verkaufen wir ihn.
00:00:37: Der vierundsechzigjährige mit dem grauen Kraushaar und den Zahnlücken führt uns in Gummistiefeln über die Finca-Elpalmar, in Caldas.
00:00:45: Das im kolumbianischen Kaffeedreieck liegt.
00:00:48: Auf zwei Hektaren hügeligem Land wachsen hier Kaffeebüsche.
00:00:52: Gonzáles berührt sie sanft als streichle er eine Katze.
00:00:56: Entdeckt er eine angefressene Kirsche zupft er sie ab.
00:01:00: Kaffekirschwora sagt er «die schlimmsten Schädlinge».
00:01:04: Er spricht von teuren Pestiziden und der Erntezeit zwischen Oktober- und Dezember, wenn Dutzende Taglöhner täglich elf Stunden arbeiten damit die Bären nicht verfaulen.
00:01:16: Gonzales ist nicht der Besitzer der Finca sondern ihr Verwalter.
00:01:20: Für umgerechnet einundneinzig Franken pro Woche ohne Versicherung, ohne Pension arbeitet er hier mit Frau und Sohn.
00:01:28: Sein Lohn entspricht knapp dem kolumbianischen Mindestlohn.
00:01:32: Er sei damit zufrieden sagt er.
00:01:34: Auf allen anderen Café-Finkers, auf denen er bislang gearbeitet habe, habe er weniger verdient.
00:01:40: An wen wird der Kaffee verkauft?
00:01:42: – an die Kooperative von Manizales, sagt Gonzáles.
00:01:46: Doch an wen der Kaffe von dort weiterverkauft wird weiß er nicht.
00:01:49: Kennt er Starbucks?
00:01:51: Noch nie gehört!
00:01:53: Es beginnt mit einem Wahl Die Geschichte der größten Kaffehauskette der Welt beginnt.
00:02:03: Der gleichnamige Roman inspiriert drei Männer, die in Seattle einen Geschäft für hochwertige Kaffeebohnen eröffnen.
00:02:11: Sie nennen es Starbucks nach dem ersten Steuermann in Hermann Melvils Abenteuergeschichte.
00:02:17: Im Roman ist Starbucks die Stimme der Vernunft – ein Mann, dem die Verantwortung für seine Mannschaft wichtiger ist als der Profit aus dem Wahlfang.
00:02:26: Vielleicht waren das auch die Werte, die die Gründe anstrebten.
00:02:29: Vielleicht wählten sie den Namen und die Sirene im Logo auch einfach wegen ihrer Maritimennote, als Hinweis darauf das Café seit jeher ein globales Handelsprodukt ist.
00:02:39: Angebaut in tropischen Regionen, verschifft über weite Meere, konsumiert in urbanen Zentren.
00:02:46: Doch diese Recherche zeigt heute bestimmt nicht mehr der besonnene Steuermann Starbuck den Kurs sondern sein Kapitän Ahab.
00:02:53: Der war getrieben von Größenwahn- und Eroberungsdurst versprach viel und hielt wenig.
00:02:59: Starbucks ist längst kein kleines Geschäft für Kaffeebohnen mehr, sondern betreibt Zehntausende von Filialen in mehr als Achtzig Ländern und hat erhebliche Marktmacht im Rohkaffeehandel.
00:03:10: Mit seinen Hazelnattlatte, Peppermint Mocker oder Nitro Cold Brew setzt das US-amerikanische Unternehmen globale Kaffeetrends.
00:03:18: Gleichzeitig ist der Kaffees bei Starbucks teuer – auch in der Schweiz!
00:03:22: Ein Café-Creme kostet rund fünf Franken zwanzig und liegt damit deutlich über dem Schweizer Durchschnittspreis von vier Franken fünfundsechzig.
00:03:31: Spezialitätencafés wie beispielsweise ein Caramel macchiato kosten fast zehn Franken.
00:03:37: Starbucks positioniert seinen Kaffee als Premiumprodukt – und das nicht allein wegen des Geschmacks, sondern auch weil er unter besonders fairen Bedingungen produziert werde.
00:03:48: Auf seiner Website schreibt das Unternehmen Wir verpflichten uns zu hundert Prozent ethisch beschaffen Kaffee einzukaufen.
00:03:55: Im Zentrum dieses Versprechens steht das firmen eigene Beschaffungsprogramm Coffee and Farmer Equity Practices, kurz Café Practices.
00:04:05: Starbucks beschreibt dass zwei tausend vier ins Leben gerufene Programm als den Eckpfeiler unseres Ansatzes zur ethischen Kaffebeschaffung.
00:04:13: Die Café practices sollen sich positiv auf Menschen Produkte und die Umwelt auswirken.
00:04:19: Starbucks verspricht Transparenz entlang der gesamten Lieferkette.
00:04:23: Man wisse, von welchen Kaffeefarmen sie einkauften wie die Produzentinnen hießen und wer welchen Preis für den Kaffee erhalten habe.
00:04:31: Von den zulieferenden Kaffeebauern fordert das Unternehmen dass Sie Ihren angestellten faire und sichere Arbeitsbedingungen gewährleisten Und Vorgaben zu löhnen, Arbeitszeiten- und Gesundheitsschutz einhalten.
00:04:43: Dank dem ethischen Beschaffungsprogramm sei auch die Qualität des Cafés gewährleistet.
00:04:48: Starbucks verwende ausschließlich hochwertigen Arabika-Café und bezahle dafür Aufpreise, sodass die Produzentinnen mehr verdienten als den üblichen Marktpreis.
00:04:57: Zudem habe man in zehn kaffeeproduzierenden Ländern – darunter Kolumbien – sogenannte Farmersupportcenters eingerichtet, in denen man Kaffeeproduzenten Schule berate und technisch begleite mit dem Ziel Qualität Erträge und Widerstandsfähigkeit gegenüber Klima-Risiken zu verbessern, und nachhaltige Anbaumethoden zu fördern.
00:05:19: Das ist Starbucksversprechen – eine zu hundert Prozent ethische Kaffeekette!
00:05:24: Wer ist da nicht bereit etwas mehr für seinen Kaffee zu bezahlen?
00:05:28: Doch löst das Unternehmen dieses Versprechen auch ein?
00:05:33: Tumulte bei der Tochterfirma Garniert mit falscher Nachhaltigkeit, doppelter Steuervermeidungsfrapuccino und Steuergerechtigkeit.
00:05:42: jetzt steht auf Plakaten die eine Gruppe Frauen- und Männer im März, vor der Starbucks-Filiale im Zentrum von Lausanne in die Höhe hält.
00:05:52: Nicht weit entfernt davon liegt der Sitz der Starbucks Coffee Trading Company einer Tochterfirma von Starbucks.
00:05:58: Über diese zentrale Handelsdrehscheibe kauft das Unternehmen seinen Ruhcafé ein und verkauft ihn mit einem Aufschlag an Starbucks-Röstereien und andere Starbucks-Gesellschaften in der ganzen Welt weiter.
00:06:10: Es handelt sich um einen reinen Transithandel, der Kaffee wird nie in die Schweiz transportiert sondern nur über die Schweiz gehandelt wo auch die Gewinne verbucht werden.
00:06:20: Das hat nichts mit ethischer Kaffebeschaffung zu tun sagt Jason Ward Chef-Analyst des Center for International Corporate Tax Accountability and Research, CICTA, eines internationalen Forschungszentrums für Unternehmenssteuern.
00:06:35: Sondern mit Profitmaximierung mithilfe eines Steuertricks.
00:06:40: Starbucks Schweizer Modell – Fähre Handel oder globale Steuervermeidung heißt die Studie, die CICDA im März twenty-fünfundzwanzig veröffentlicht hat und die der Anlass für den Protest in Lausanne ist.
00:06:52: Darin hat die Organisation untersucht, wie Starbucks seine weltweiten Gewinne steuert und dabei seine Tochterfirma in der Schweiz nutzt.
00:07:00: Das funktioniert so – Die Starbucks Coffee Trading Company kauft den Rocafe relativ günstig in einem Produktionsland ein, indem die Steuern meist höher sind.
00:07:10: Dann schlägt sie eine Marge auf den Kaffee, bevor sie diesen intern an die konzerneigenen Röstereien in der ganzen Welt weiterverkauft.
00:07:18: weil der Handel auf dem Papier in Lausanne stattfindet, bleibt auch der Gewinn in der Schweiz.
00:07:23: Und da die Steuern in der Schweiz niedrig sind, bleibt Starbucks ein größerer Gewinn.
00:07:28: Laut CICTA hat Starbucks dank diesem Steuerkonstrukt in den letzten zehn Jahren mindestens US-Dollar an Gewinnen in die Schweiz verlagert.
00:07:39: Die Organisation wirft Starbucks vor durch dieses Handelskonstruktur den Kaffee produzierenden Ländern erhebliche Steuereinnahmen zu entziehen.
00:07:49: Der Gewinn entsteht dort, wo es dem Konzern dient.
00:07:53: Die Schweiz ist ein zentraler Knotenpunkt in einem System, in dem Gewinne multinationaler Konzerne systematisch dorthin verschoben werden, wo sie möglichst niedrig besteuert werden, sagt Dominic Gross, Experte für internationale Steuerpolitik beim Entwicklungspolitischen Kompetenzzentrum Alliance Sudt.
00:08:12: Groß stand im März, auch im Zentrum von Lausanne, um gegen die Methoden von Starbucks und die Steuerpolitik der Schweiz zu demonstrieren.
00:08:23: Er sagt, die Schweiz gehört zu den wichtigsten Tiefsteuergebieten für multinationale Konzerne weltweit – In der Wart liege der effektive Gewinnsteuersatz für Unternehmen zurzeit bei insgesamt vierzehn Komma sieben Prozent, während der globale Durchschnitt aktuell zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent sei.
00:08:44: Die OECD – ein Zusammenschluss von Industriestaaten der globalen Steuerstandards erarbeitet hat in den vergangenen fünfzehn Jahren zahlreiche Reformen in der internationalen Steuerpolitik angestoßen.
00:08:57: Dennoch habe sich die Schweiz eine herausragende Stellung im globalen Wettbewerb bewahrt, sagt Groß.
00:09:03: Mit sehr tiefen Gewinnsteuersätzen schafft sie Anreize für Konzerne ihre Gewinne, die Sie anderswo erzielen in die Schweiz zu verschieben um Steuern zu sparen.
00:09:13: Geschäfte innerhalb eines Konzerns etwa der Verkauf von Kaffee zwischen zwei Tochterfirmen wie im Fall von Starbucks sollten zwar gemäß dem Dritt-Vergleichsprinzip bewertet werden heißt als würden unabhängige Unternehmen miteinander handeln.
00:09:27: Der Wirtschaftsdachverband Economy Suisse schreibt auf Anfrage denn auch, das internationale System der Verrechnungspreise hat sich bewährt.
00:09:36: Es baut auf einer jahrzehntelangen Praxis auf und ist regelbasiert.
00:09:41: Doch bei vielen solchen Transaktionen gibt es gar keinen echten Marktpreis mehr weil sie Konzern intern stattfinden und kein unabhängiger Vergleich existiert.
00:09:51: Ein zu hoher Anteil des Welthandels läuft in vielen Bereichen innerhalb von Konzernen ab.
00:09:56: Diese können im internen Handel die Preise de facto selbst bestimmen, sagt Groß.
00:10:02: Ein zentraler Hebel bei diesem Steuertrick seien immaterielle Werte wie Markenrechte oder Know-how.
00:10:08: Konzerne lagern diese oft in Tochtergesellschaften in Ländern mit tiefen Steuern aus.
00:10:13: Andere Teile des Unternehmens müssen dann für die Nutzung dieser Marke oder dieses Wissensgebühren bezahlen, etwa Lizenzgebühren- oder interne Abgaben.
00:10:22: So kann eine Starbucks-Gesellschaft in einem Hochsteuerland einen Teil ihrer Einnahmen an eine Konzerntochter zahlen, die etwa die Marke hält.
00:10:30: Diese Zahlungen gelten als Kosten und senken den Gewinn vor Ort – während er in Ländern mit tieferen Steuern steigt!
00:10:38: Die Konsequenz?
00:10:39: Der Gewinn entsteht nicht dort, wo der Kaffee angebaut oder verkauft wird sondern dort, Wo der Konzern seine Rechte ansiedelt.
00:10:46: Das sei höchst problematisch findet groß.
00:10:50: Solche Strukturen vermeiden Steuerzahlungen in den Ländern, In denen die wirtschaftliche Aktivität tatsächlich stattfindet.
00:10:57: Diese Einnahmen fehlen dann für Infrastrukturprojekte Für öffentliche Dienstleistungen Agrarpolitik und soziale Sicherungssysteme Schlechterklärbare Marge.
00:11:09: Bereits zwölf kritisierte der britische Ausschuss für öffentliche Finanzen die Starbucks-Steuerkonstruktionen scharf.
00:11:18: Das Unternehmen verschiebe Gewinne systematisch ins Ausland und entziehe sich so weitgehend der Besteuerung in wichtigen Absatzmärkten.
00:11:26: Starbucks ist dabei keine Ausnahme!
00:11:28: Die Praxis, Gewinnen in Tiefsteuergebiete zu verschieben sei unabhängig vom Sektor verbreitet", sagt Chef-Analyst Ward.
00:11:36: Auf dem Papier ist das legal, solange sich die Preise irgendwie begründen lassen.
00:11:40: Doch genau da liegt das Problem!
00:11:43: Zwei Tausendzehn lag die Marge –die die Starbucks-Tochter in Lausanne aufschlug– bei drei Prozent.
00:11:49: Bereits ein Jahr später war sie auf achtzehn Prozent gestiegen.
00:11:53: Eine Marge von drei Prozent sei branchenüblich.
00:11:56: Achtzehn prozent treibe das Modell auf die Spitze", sagt Ward.
00:12:00: Starbucks schafft so jährlich weit über hundert Millionen Dollar an Gewinnen, die konzernintern verschoben werden.
00:12:06: Das ist soweit entfernt von ethisch – wie man es sich vorstellen kann!
00:12:12: Die Europäische Kommission kommt zu einem ähnlichen Schluss.
00:12:15: Sie leitete im Jahr ein Beihilfeverfahren ein und stellte im Jahr fest, dass ein Aufschlag von achtzehn Prozent ohne eine nennenswerte zusätzliche Wertschöpfung überhöht und nicht glaubwürdig sei.
00:12:28: Starbucks erklärt die hohen Margen seiner Schweizer Trading-Tochter gegenüber der Europäischen Kommission damit, dass sie so preisrisiken Manage und die Lieferkette sichere.
00:12:38: Zudem verweist er Konzern auf Investitionen und höhere Kosten im Zusammenhang mit seinem Nachhaltigkeitslabel Café Practices sowie auf Ausgaben für intellektuelles Eigentum und seine Farmer Support Centers.
00:12:51: Der Bericht der Europäischen Kommission stützt diese Argumentation jedoch nicht.
00:12:56: Die Kosten für Café Practices und die Pharmacupport-Centers hätten zwischen Jahrzehnte und Jahrzehn lediglich Null, fünf bis ein Prozent der Einkaufskosten ausgemacht und lieferten damit keine ausreichende Erklärung für den deutlichen Anstieg der Margen.
00:13:13: Das Modell besteht gemäß dem Forschungszentrum Zigtar bis heute.
00:13:17: In einer neuen Studie vom Januar, im Jahr ist die Organisation zum Schluss, dass die Pharmacupport-Centers nach wie vor nur geringe Kosten verursachen durften.
00:13:28: Laut einer Schätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Finanzdaten liegen die weltweiten Betriebskosten bei rund fünf Millionen Dollar pro Jahr – also bei weniger als eine Million Dollar pro Land.
00:13:39: Starbucks selbst legt dazu keine vollständigen Zahlen offen.
00:13:43: Das entspreche nur einem Bruchteil der Gewinne, so CICTA, die Starbucks über den Kaffeetransit-Handel in der Schweiz verbuche.
00:13:51: Zudem wiesen die Pharmacupport-Centers keine relevanten immateriellen Vermögenswerte auf und zahlten kaum Steuern in den Produktionsländern – kein Vertrag, keine Versicherung, keine Rente!
00:14:05: Was also passiert tatsächlich in diesen Zentren?
00:14:08: Und was ist dran an Starbucks?
00:14:10: Versprechen von Transparenz, fairen Arbeitsbedingungen.
00:14:15: Die Antworten könnten in Kolumbien liegen, einem der weltweit wichtigsten Produzenten von Arabika Café.
00:14:21: Für das Land ist Café ein zentrales Exportgut – mehr als eine halbe Million Familienleben davon, meist Kleinbauern mit wenigen Hektaren Land.
00:14:30: Manche von ihnen beliefern auch Starbucks.
00:14:33: Kann das Unternehmen Kontakte zu Produzentinnen herstellen und einen Besuch im Pharmacupport-Center in Manitzales ermöglichen?
00:14:41: Die kleine Stadt liegt eingenisste zwischen Hügeln auf zwei Tausend hundertfünfzig Metern über Meer und ist damit ideal gelegen für den Anbau von Arabika-Kaffee.
00:14:50: Die Antwort ist knapp, Starbucks könne in der gewünschten Zeit leider keine Besuche auf Kaffeefarmen oder im Pharmacupportcenter ermöglichen.
00:14:59: Wie ordnet der Experte die Situation in Kolumbien ein?
00:15:03: Von allen Agrarsektoren in Kolumbien haben die Kaffee-Arbeiter die schlechtesten Arbeitsbedingungen, sagt Giancarlos Delgado Huertas.
00:15:12: Sie sind noch prekärer als die auf den Palmöl oder Bananenplantagen.
00:15:17: Der Kolumbianer aus Medellin kennt sich mit Arbeitsrechten und informeller Beschäftigung im Kaffeesektor aus.
00:15:23: Er arbeitet für die Nichtregierungsorganisation Woches Poreltrabajo, Eine Studie der internationalen Arbeitsorganisation bestätigt, was er sagt.
00:15:36: Rund achtzig Prozent der Kaffeeproduktion in Kolumbien finden in der informellen Wirtschaft statt.
00:15:43: Das bedeutet die große Mehrheit der Beschäftigten auf Kaffeeplantagen hat keinen Arbeitsvertrag keine Krankenversicherung und keine Rente.
00:15:52: auch auf Kaffefinkers, die im Café Practices Programm von Starbucks integriert sind und Starbucks Beliefern verdienen Arbeiter weniger als den Mindestlohn, sagt Elgardo.
00:16:02: Er hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit der brasilianischen Journalismus-Plattform Reporter Brasil zu den Arbeitsbedingungen auf den zertifizierten Kaffeeplantagen von Kolumbien recherchiert.
00:16:12: Ihr Bericht vom Juni, zwei Tausend fünfundzwanzig zeigt prekäre Unterkünfte, fehlende Arbeitsverträge, Arbeitstage von bis zu elf Stunden und informell beschäftigte Erntearbeiter – oft Migrantinnen oder Wanderarbeiter ohne Rechte und Sicherheiten sind auf Café Finkars die Norm!
00:16:31: Auf mehreren der Finkers, die die Rechercheure besuchten, war das Nachhaltigkeitssiegel von Starbucks angebracht.
00:16:38: Café Practices verkauft die Idee von Nachhaltigkeit – aber wir haben in ihren zertifizierten Farmen dieselben prekären Bedingungen gefunden", sagt Elgardo.
00:16:47: Starbucks betonte gegenüber den Autoren, die Betroffenen Finkars seien zum Zeitpunkt der Recherchen nicht mehr Teil des Programms gewesen oder ihre Verifizierung sei ausgelaufen.
00:16:57: Der Bericht wirft auch grundsätzliche Fragen zur Wirksamkeit solcher Zertifizierungssysteme auf, besonders in einem Land wie Kolumbien – wo Korruption weitverbreitet ist und viele Kontrollen lachs sind.
00:17:10: Während der Kaffee als Premiumprodukt weltweit vermarktet wird, bleiben Saisonarbeiterinnen ohne sozialer Absicherung oft die unsichtbarsten Akteure der Lieferkette", sagt Delgado.
00:17:21: Doch auch manchen Besitzern von Kaffeeplanthagen scheint es nicht viel besser zu gehen!
00:17:27: Wenn es um Starbucks geht, wird's still.
00:17:31: Ohne die Kredite der Kooperative hätte ich längst aufgeben müssen", sagt Javier Cardona Orozco – ein Kaffeebauer mit buschigem Schnauz und schüchternem Blick.
00:17:42: An diesem Morgen bringt er Säcke voller Kaffeebohnen zur Kaffebauernkooperative in Caldas.
00:17:47: Männer wuchten schwere Jutesäcke von den Lastwagen und schleppen sie in die Halle.
00:17:52: Dann warten Sie bis eine Angestellte die Qualität prüft und den Preis festlegt.
00:17:56: Je besser die Bohnen, desto höher der Erlös.
00:18:00: In der Kooperative wird der Kaffee sortiert und für den Export vorbereitet.
00:18:05: Ein Teil geht über Zwischenhändlerinnen an Starbucks.
00:18:08: Ob sein Kaffe dazugehört weiß Orozco nicht – auch er kennt Starbucks nicht wie Bauer Jaime González, der den Kaffees in der gleichen Kooperotive abliefert.
00:18:19: Jedes Jahr hofft Orozko dass ihn Nicht-Schädlinge oder fallende Preise ruinieren.
00:18:24: Eigentlich wäre er Impensionsalter, doch er muss seine zwei Hektaren weiter bewirtschaften.
00:18:30: Überleben kann die Familie nur deshalb weil alle noch außerhalb des Hofs arbeiten.
00:18:35: So gehe es den meisten hier sagt Orosco.
00:18:38: Umso wichtiger ist die Kooperative Die ihm Kredite für Dünger und Saatgut gibt Und eine Garantie dass sie seinen Kaffee abnimmt.
00:18:46: Unsere drei tausend Siebenhundert Mitglieder können ihre Bohnen jederzeit bringen.
00:18:51: Wir kaufen sie und bezahlen bar.
00:18:53: Das ist unsere wichtigste Dienstleistung", sagt Johanna Wehles, die Direktorin der Kooperative.
00:18:59: Sie führt an Silos vorbei, greift in Säcke, zeigt gute und schlechtere Bohnen und erklärt – wir sind das Verbindungsglied zwischen Bauern, Exporteuren und Marken wie Starbucks!
00:19:11: Wie also erreichen die Prämien, die Starbucks laut eigenen Angaben zahlt?
00:19:14: Die Kaffeebäuerinnen, wenn sie nicht einmal wissen, an wen ihre Bohnen gehen….
00:19:19: Und wie hoch sind diese
00:19:20: Prämie?".
00:19:22: Weles schweigt einen Moment lang und sagt dann, zu Starbucks kann und will ich nichts sagen.
00:19:28: Und was sagt die Nationale Föderation der kolumbianischen Kaffeeproduzenten?
00:19:33: Sie arbeitet seit Jahren mit Starbucks zusammen unter anderem im Rahmen von Nachhaltigkeitsprogrammen.
00:19:39: sie vertritt rund eine halbe Million Kaffeefamilien und garantiert Referenzpreise.
00:19:44: über all das spricht ihre Pressesprecherin gern auf Starbucks angesprochen wird sie aber wortkark.
00:19:51: Erst verspricht sie, die richtige Ansprechperson zu finden.
00:19:54: Dann bricht sie den Austausch ab!
00:19:56: Warum wird es still sobald es konkret um Starbucks geht?
00:20:01: Weil niemand das Geschäft mit dem großen Kaffeehändler gefährden will, sagt Arbeitsrechtler Delgado.
00:20:07: Er sieht die Verantwortung für die Missstände im Kaffeesektor sowohl bei internationalen Akteuren wie auch beim kolumbianischen Staat und bei der nationalen Föderation der kolumbienischen Kaffeeproduzenten einer quasi staatlichen Organisation.
00:20:21: Sie alle versäumten es, Arbeitsverhältnisse zu formalisieren und einen gerechteren Preis für die Kaffeebäuerinnen durchzusetzen.
00:20:29: Statt einzugreifen und zwischen Bauern und Konzernen zu vermitteln, schauten sie weg – weil dies bequemer sei, sagt Elgardo.
00:20:36: Bei Preisfragen seien sie zu
00:20:38: passiv.".
00:20:39: Heute bestimmen nicht die Produzentinnen oder die Regierungen von Kaffee produzierenden Ländern den Kaffeepreis.
00:20:45: Er entsteht an der Börse in New York und wird von globalen Handelsstrukturen und Konzernen wie Starbucks beeinflusst.
00:20:53: Zu wenig zum Leben!
00:20:54: Zweihundertfünfundfünfzigtausendzweihundertfünftig-Kolumbianische Pesos, umgerechnet drei und fünfzig Schweizer Franken bekommen die Kaffeebauern Ende Januar.
00:21:06: zwei tausendzechsundzwanzig pro Ladung a zwölf Komma fünf Kilogramm Café.
00:21:11: Der Preis steht auf einer Tafel im Eingangsbereich der Kaffeebauernkooperative.
00:21:16: Philippe Rivas geht durch die Lagerhalle und beobachtet wie seine Säcke übergeben werden.
00:21:21: Der sixundsechzig-Jährige besitzt eine fünfundzwanzig Hektaren große Kaffeefinker und damit deutlich mehr Land als die meisten hier, und sitzt im Beratungsgremium der Kooperative.
00:21:31: Sein Geld verdiene er aber nicht mit Kaffeesagt er sondern mit seiner Tankstelle – vielleicht spricht er deshalb offener als andere?
00:21:39: Alle großen Markenzahlen Nachhaltigkeitsprämien sagt Kaffebauer Rivas.
00:21:44: Nebst Starbucks hätten auch Nespresso oder Lavazza solche Programme!
00:21:49: Wie hoch die Prämien genau sind, die Starbucks bezahlt bleibt unklar.
00:21:52: Starbucks beantwortet die Fragen dazu nicht und auch die nationale Föderation der kolumbianischen Kaffeeproduzenten macht dazu keine Angaben.
00:22:01: Die Prämie sind vergleichbar – der Unterschied ist, die einen sprechen darüber, die anderen weniger.
00:22:06: Man nennt das gute oder schlechte PR sagt Rivas.
00:22:10: Die Prämien pro Kilogramm Kaffee legen bei ungefähr ein bis zwei Prozent des Weltmarktpreises, sagen sowohl Rivas als auch Arbeitsrechtler Delgado.
00:22:20: Das sind Allmosen und steht in keinem Verhältnis zur Wertschöpfung entlang der Lieferkette – so Delgado!
00:22:28: Laut Rivas und Delgado werden die Prämie zudem nicht direkt an die Bäuerinnen ausbezahlt sondern an die Kooperativen und die nationale Föderation, Finanziert würden daraus beispielsweise Kredite oder Beratungsangebote.
00:22:45: Profitieren würden davon nur Mitglieder der Kooperativen, etwa durch Unterstützung im Todesfall oder Zugang zu Förderprogrammen.
00:22:54: Die Angestellten auf den Finkers hingegen gingen leer aus.
00:22:58: Arbeitsrechtler Delgado fragt Wie kann es sein dass Kaffeebeuerinnen kaum von ihrem Kaffe leben können während eine Tasse Starbucks-Kaffe teuer verkauft wird und sich Starbucks dabei noch einen ethischen Anstrich gibt?
00:23:12: Die Schweiz als Discounter.
00:23:15: Heute wird ein erheblicher Teil des Handels mit Kaffee, Kakao Öl, Metallen, Kohle oder Getreide von Firmen gesteuert die ihren Sitz in der Schweiz haben auch wenn Produktion Verarbeitung und Transport anderswo stattfinden.
00:23:29: Der Rohstoffhandel trägt entsprechend stark zur Wirtschaftsleistung bei und macht rund vier bis fünf Prozent des Bruttoinlandprodukts der Schweiz aus.
00:23:38: Einen besonders großen Anteil daran hat der sogenannte Transithandel, das Kerngeschäft vieler Händler.
00:23:44: Dabei werden Rohstoffe im Ausland gekauft und weiterverkauft ohne dass sie je in die Schweiz gelangen.
00:23:50: Die Unternehmen verschieben dabei wie im Falle von Starbucks und seiner Tochterfirma ihre Gewinne in die Schweiz weil hier die Steuern niedrig und damit die Gewinnen höher sind.
00:24:00: doch auch der Schweizer Fiskus profitiert davon.
00:24:04: Die Schweiz ist der Lidl im internationalen Steuerwettbewerb sagt Dominic Gross von Allianz Sud.
00:24:10: Die Preise sind tief, aber weil die billig waren sehr viele Kunden in den Laden lockt, sind die Gewinne umso höher.
00:24:17: Zu diesem Schluss kommen auch Forscherinnen der University of California Berkeley und der Universität Kopenhagen, die berechnen welche Länder wie stark von verschobenen Gewinnen profitieren.
00:24:28: Laut dem Projekt Missing Profits, das in den Jahren des Jahrhunderts im Jahr- und Laufend-Aktualisiert wurde, werden weltweit jährlich rund vierzig Prozent der Gewinne multinationaler Konzerne in Steueroasen verschoben.
00:24:42: Die Schweiz gehört zu den größten Profiteurinnen.
00:24:45: Rund neununddreißig Prozent der Schweizer Unternehmenssteuereinnahmen entfallen demnach auf Gewinnen die von multinationalen Konzernen in die Schweiz verlagert werden.
00:24:54: Insgesamt werden so jährlich rund hundertzwölf Milliarden US-Dollar an Gewinnen aus Hochsteuerländern in die Schweiz verschoben, was dem Staat zusätzliche Steuereinnahmen von rund acht Komma neun Milliarden US Dollar bringe.
00:25:07: Bei Unternehmenssteuereinnahmen, die auf zweiundzwanzig Komma sieben Milliarden US dollar geschätzt werden.
00:25:14: Steuexperte Groß sagt dazu?
00:25:16: Die Schweiz exportiert nicht primär Rohstoffe sondern Steuerprivilegien!
00:25:22: Die Schweiz und internationale Handelsfirmen profitieren, während Produktionsländer und Produzentinnen verlieren.
00:25:32: Organisation wie die globale Allianz für Steuergerechtigkeit fordern deshalb Reformen – Gewinne sollen dort versteuert werden, wo sie erarbeitet werden, nicht dort, wo die Steuern am tiefsten sind.
00:25:44: Auch die UNO arbeitet seit Jahrzehnten auf ein inklusiveres Steuersystem hin, das besonders auch Entwicklungsländern mehr Einfluss und bessere Besteuerungsrechte ermöglichen soll.
00:25:55: Der Bundesrat sieht dafür allerdings wenig Bedarf.
00:25:58: In seiner Antwort auf eine Interpellation von SP-Nationalrat Fabian Molina verweist er darauf, dass die Schweiz bereits stark in internationale Arbeiten zur Bekämpfung schädlicher Gewinnverschiebungen eingebunden sei und bestehende Initiativen das Problem ausreichend adressierten.
00:26:15: Anders als bei den bisherigen Reformen, die von der OECD dominiert wurden sitzen bei den Verhandlungen für eine internationale Steuerkonvention der UNO alle Länder des globalen Südens am Tisch.
00:26:27: Dominik Groß der im Februar, für Alliance-South an der letzten Verhandlungsrunde zur UNO Steuerkonvention in New York dabei war, beschreibt die Verhandlungen als historischen Versuch, die Machtverhältnisse zu verschieben.
00:26:41: Weg von einem System das Besteuerungsrechte vor allem Hauptsitzstaaten zuschreibt hinzuregeln, die stärker an realer wirtschaftlicher Aktivität anknüpfen.
00:26:51: Im Zentrum steht ein möglicher Systemwechsel.
00:26:54: Statt Gewinne künstlich zwischen Konzerngesellschaften aufzuteilen, würden sie global zusammengezählt und nach Faktoren wie Umsatz, Beschäftigten oder Vermögenswerten auf Länder verteilt.
00:27:06: Technisch sei das machbar", sagt Gross.
00:27:09: Politisch aber sei es schwierig weil Staaten die vom heutigen System profitierten dieses weiterhin verteidigten.
00:27:17: Die Schweiz positioniert sich in diesen Verhandlungen entsprechend.
00:27:20: Sie verhandelt aktiv, verteidigt jedoch den Status quo sagt Groß.
00:27:25: Überraschend ist das nicht!
00:27:27: Wie der Fall Starbucks zeigt, profitiert die Schweiz vom heutigen System.
00:27:31: Dass Starbucks seine zentrale Handelseinheit gerade hier angesiedelt hat, findet Gross besonders anstößig.
00:27:38: Wer mit ethischem Kaffee wirbt aber Steuerstrukturen dazu nutzt, die Einnahmen aus Produktionsländern abzuziehen, zerstört die Glaubwürdigkeit seines eigenen Nachhaltigkeitsversprechens.
00:27:49: Jason Ward, Mitautor der Studien des Forschungszentrums Zickter, kritisiert?
00:27:55: Die Konsumenten bezahlen einen Aufpreis weil sie glauben ethisch Beschafften Kaffee zu kaufen.
00:28:00: Doch was ist daran ethisch wenn Starbucks hohe Gewinne in der Schweiz verbucht von denen weder die Bauern noch die Produzentenländer profitieren?
00:28:09: Würde das Unternehmen seine eigenen Versprechen einlösen und faire, nachhaltige Preise zahlen, könnte es für Millionen Menschen im globalen Süden einen echten Unterschied machen, glaubt Ward.
00:28:20: Starbucks schreibt auf Anfrage, Die Tochterfirma in der Schweiz spiele eine zentrale Rolle bei der Beschaffung von Kaffee und betreibe zehn Pharma-Support Centers, um nachhaltige Anbaumethoden zu fördern.
00:28:45: Niemand da!
00:28:48: Am Stadtrand von Manizales – wo sich laut Internetadresse das Pharma Support Center befindet, in dem Bauern ausgebildet werden sollen – steht ein Hochhaus mit Spiegelfassade.
00:28:59: Gemäß einem Schild ist hier der nationale Industrieverband von Kolumbien untergebracht.
00:29:04: Wo ist das Phama Support Center?
00:29:07: Alle Mitarbeiter sind heute abwesend und morgen auch, sagt ein Sicherheitsmann der den Eingang versperrt.
00:29:13: Weitere Fragen zum Zentrum und zu den Bauern beantwortet er nicht.
00:29:17: Hier endet die Suche nach Antworten.
00:29:20: Später am Flughafen von Bogotá steht auf einer Tafel vor einem Starbucks-Kaffee Go Deep in Flavor!
00:29:27: Auf der Finger von Kaffeebauer Xavier Gonzales gab es keine Frappuccinos nur Tinto – schwarzen Kaffees gesüßt mit Zucker.
00:29:35: Und eine klare Antwort auf die Frage, was den Bauern helfen würde?
00:29:38: Wir brauchen keine Programme.
00:29:40: Wir brauchen einen höheren stabilen Preis – nur so können wir vom Kaffee leben!
00:29:46: Doch dieser Preis scheint heute genauso fern wie jener fette weiße Wahl mit dem alles begann….