«Seit der Frauen-EM wissen alle Clubs: Mit so einer Scheisse kommt keiner mehr davon»

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Transkript anzeigen

00:00:05: Ich bin durch die Garderoben der Schweiz gezogen und habe gefragt, wie geht es dem Fußball der Frauen ein Jahr nach der EM?

00:00:13: Seit der Frauen-EM wissen alle Clubs mit so einer Scheiße kommt keiner mehr davon.

00:00:19: Ein Beitrag von Angelika Hadecker vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

00:00:26: Der englische Begriff Locker Room Talk bezeichnet das Gerede in einer Sportgarderobe.

00:00:31: Gespräche unter sich.

00:00:33: Weil viele Leute dabei an Männergarderoben denken, meint locker room talk häufig derbes sexistisches oder vulgäres Geschwätz.

00:00:41: Anders hier!

00:00:43: Denn auch diese Interviews sind lockerroom talks.

00:00:46: Sie eignen sich ein Gesprächsformat an das Männer für Männer erfunden haben.

00:00:51: Warum?

00:00:53: Weil die Sportgarderobe allen gehören soll Auch den Frauen und ihrem Fußball.

00:00:58: Ich bin in den vergangenen Wochen durch Garderoben der Schweiz gezogen.

00:01:02: Ich habe eine sportliche Leiter in der Super League getroffen und eine verschwitzte Spitzenspielerin auf der Gardrobenbank interviewt.

00:01:09: Sie sprechen ohne ihren Namen zu nennen, dafür umso offener.

00:01:13: Den Anfang macht ein Funktionär aus dem Breitensport den ich in einer Wintertourer-Gardrobe spreche.

00:01:19: Er kämpft seit Jahren dafür das Mädchen in der Region Zürich ihren Platz im Fußballclub bekommen.

00:01:25: Während der Frauenem hörte ich von allen Seiten es sei schwierig im Fußballklub neben den Buben auch die Mädchen unterzubringen Nur schon die Garderoben fehlten.

00:01:34: Seither frage ich mich, kann das sein in der Schweiz dem Land der perfekten Infrastruktur?

00:01:40: Egal zu welchem FC.

00:01:41: ich komme überall.

00:01:43: bringen sie diese Ausrede

00:01:45: Also sind die Garderoben nicht wirklich das Problem.

00:01:48: Ich erzähle allen die Sie vorschieben was ich mit Garderoben erlebt habe.

00:01:53: Nämlich

00:01:54: Vor zehn Jahren schlug ich meinem Club vor ein Mädchenteam zu lancieren.

00:01:59: Da riefen alle vergiss dass.

00:02:01: wir haben gar nicht die Plätze und die Garderoben erst.

00:02:04: Wir waren tatsächlich knapp an Infrastruktur, und ich dachte selber – so gäbig ist das nicht!

00:02:10: Aber ich wurde hellhörig als eins der zwei Dörfer in dem unser FC spielt eine neue Dreifachturnhalle plante.

00:02:17: Dort kämen sechs neue Garderobe also fragte ich die Verantwortlichen früh ob wir sie für ein Mädchenteam nutzen

00:02:23: dürften.".

00:02:25: Vorausschauend

00:02:27: Ja….

00:02:27: Ich schrieb einen Schnuppertraining aus Aber als wir für das erste Heimturnier angemeldet waren, fand der Spieleiter unseres FC.

00:02:36: Es sei unpraktisch, dass Mädchenspiel im Dorf mit der Dreifachthornhalle durchzuführen – denn der Turnier-Kiosk liege bei den Plätzen im anderen Dorf!

00:02:44: Der Spielleiter schlug mir vor, das Mädchentspiel auf jenem Platz durchzufühlen, auf dem anfangs angeblich die Garderoben gefehlt hatten.

00:02:51: Er werde das Turnier verlängern, sagte er, erst die Buben spielen lassen am Ende die Mädchen.

00:02:57: So fänden alle Platz auch in den

00:02:59: Garderouben.".

00:03:00: Da dachte ich, na toll.

00:03:02: Zwei Jahre hatte ich gewartet und jetzt ging das plötzlich?

00:03:06: Sie haben die neuen Garderoben nie benutzt?

00:03:09: Nein!

00:03:10: Darum sage ich allen FC-Präsidenten, die ich zum Mädchenfußball berate.

00:03:14: Wir finden eine Lösung.

00:03:16: Manchmal wollen sie keine finden

00:03:19: Und doch!

00:03:20: Vielen Lokalklubs fehlt Infrastruktur weil so viele Kinder Fußball spielen.

00:03:25: Ich kenne einen FC.

00:03:27: Dort ziehen sich die Kinder im Zivilschutzbunker unter dem Altersheim um.

00:03:31: Gescheitevereine nutzen den Mädchenfußball als Argument in der Gemeindeversammlung oder an der Urne.

00:03:37: Brauchen sie Geld für zusätzliche Plätze oder Gardroben?

00:03:39: sagen Sie, liebe Leute wir haben jetzt mehr Mädchen die Schutten!

00:03:43: Wir müssen investieren und das stimmt denn wo der Mädchenfussball boomt verschärft er das Problem.

00:03:50: Spüren Sie dann einen Boom?

00:03:52: Leider nicht wirklich... Die Kurve der lizenzierten Mädchen ging vor allem während der Pandemie hoch.

00:03:58: Die Vorfreude auf die EM brachte noch einen Anstieg.

00:04:02: Heute sage ich als Zahlenmensch, die Erwartung des Schweizerischen Fußballverbandes deckt sich überhaupt nicht mit dem was läuft.

00:04:09: Offiziell soll sich bis zu zwei tausend siebenundzwanzig die Zahl der fußballspielenden Mädchen verdoppeln von vierzigtausend auf achtzigtausand.

00:04:18: Das ist unmöglich!

00:04:20: Die Kurve stagniert derzeit.

00:04:22: Also spielen nach der EM nicht mehr Mädchenfußball als davor zumindest nicht in Zürich?

00:04:27: Nein

00:04:28: Wie erklären Sie sich das?

00:04:54: Natürlich ärgert es mich, wenn ich noch immer aus Clubs höre.

00:04:57: Sie müssen Turniere absagen, weil sich zu wenige anmelden.

00:05:02: Sie müssen Mädchenteams aus der Meisterschaft zurückziehen, weil doch wieder zu viele Spielerinnen aufhören.

00:05:07: Selbst ein FC Horgan mit seiner riesigen Frauenabteilung organisiert noch immer Schnuppertrainings.

00:05:11: Kein Verein kann sich zurücklehnen und denken – die Mädchen kommen jetzt von selbst!

00:05:16: Bedeutet das zugleich?

00:05:17: In Zürich kann jedes Mädchen Fußball spielen…das

00:05:20: will?!

00:05:21: Auf dem Land fahren sie manchmal weit dafür...In den Städten gibt es Wartelisten.

00:05:27: Was ist das Vermächtnis der EM?

00:05:30: Eine Einsicht.

00:05:31: In England sagte man, man brauche zehn Jahre für den Erfolg.

00:05:35: Diese zehn Jahre brauchen wir auch.

00:05:38: Hat die EM in den Köpfen der FC-Präsidenten etwas verändert?

00:05:42: Es gibt positive Ausnahmen Früher männerlastige Vereine, die nun echt versuchen Mädchenteams zu bilden Aber im Durchschnitt nein.

00:05:52: Ich kenne einen FC, wo die Verantwortliche für Frauenfußball gerade verzweifelt den Battle hingeschmissen hat weil der Präsident die Unterstützung verweigert.

00:06:01: Manche Vereine führen heute Frauenteams, weil es sich gehört ohne dass die obersten Verantwortlichen wirklich dahinter stehen.

00:06:09: so funktioniert das nicht.

00:06:11: Die Präsidenten orientieren sich also weiterhin an den Buben

00:06:15: Die siehst du am Spielfeldrand wenn die erste Mannschaft spielt gerne mit Stumpen und Bier sicher nicht wenn die erste Frauenmannschaft spielt.

00:06:24: Oder klicken Sie sich durch die Vereinswebseiten und schauen sie sich die Ämter an!

00:06:29: Was glauben Sie, welche Vorstandsarbeit machen die Frauen?

00:06:33: Ich tippe Aktuaren oder Kassieren

00:06:37: Und Spielleiterinnen gibt es fast keine.

00:06:40: Warum nicht?

00:06:41: Männer trauen sich viel mehr zu.

00:06:44: Wir boten während der EM in der Fanzone ein Schiedsrichterspiel an.

00:06:48: Man musste den VCR entscheiden Fällen ich weiß noch wem ich Preise raus gab.

00:06:53: Die Frauen waren die besseren VR-Ers.

00:06:55: Eindeutig!

00:06:57: Ich sagte jeweils, hey du wärst eine gute Schiedsrichterin.

00:07:00: Da drucksten die meisten herum.

00:07:02: ach ich weiß nicht.

00:07:04: Ein Ziel der EM war, die Zahl der Trainerinnen, Funktionärinnen und Schiedssrichterinnen zu verdoppeln.

00:07:11: Halten sie auch das für unerreichbar?

00:07:14: Das ist eher erreichbar als die Zahl des Spielerinnen zu verdoppeln.

00:07:18: Wir bieten neue Coachingkurse nur für Frauen an – Nicht gemischt, das zahlt sich aus.

00:07:23: Und schon in den Trainerkursen für juniorinnen Teams sagen wir, ein Frauenteam-Trainieren ist anders als ein Männerteam.

00:07:30: Inwiefern?

00:07:32: Schon die Kreuzbänder!

00:07:34: Kreuzbandrisse sind bei Frauen fünfmal häufiger als bei Männern.

00:07:38: In Deutschland musste die oberste Liga wegen der Kreuz bender einmal fast die Meisterschaft unterbrechen – wer einen Frauenteem trainiert muss das berücksichtigen.

00:07:46: Ist das eine Errungenschaft der EM?

00:07:49: Dass selbst der Breitensport darüber spricht, wie sich Kreuzbandrisse bei Frauen vorbeugen lassen?

00:07:56: Absolut.

00:07:57: Wenn sie König wären – was würden Sie dekretieren zugunsten des Frauenfußballs?

00:08:02: Ich würde so etwas verfügen, wie jeder FC mit Männern in der ersten Liga braucht mindestens ein Frauenteam in der vierten Liga oder eine gewisse Anzahl Spielerinnen im Verein.

00:08:14: Eine Quote?

00:08:16: Ich weiß viele sind dagegen aber ich komme vom Badminton.

00:08:20: Dort brauchst du für eine Inter-Club-Mannschaft drei Männer und zwei Frauen, sonst darfst Du nicht antreten.

00:08:26: Das zwang uns bei Frauen für Badminton zu werben!

00:08:36: Ehrlich gesagt... ...bei Schlechtwetter stand ich schon allein auf dem Platz.

00:08:40: Niemand kam.

00:08:41: Mit Bubenmannschaften ist mir das nie passiert.

00:08:44: Das Problem sind, glaube ich die Eltern.

00:08:47: Sie melden ihre Mädchen eher ab – das ist schade… denn der Match findet bei jedem Wetter statt.

00:08:53: Was können Sie mir nur im geschützten Raum dieser Garderobe verraten?

00:08:57: Mich beschäftigt, wie schlecht der Ruf des Fußballs geworden ist – das schadet auch den Frauenfußball!

00:09:10: Wer von dem WM-Eintrittspreisen von zum Teil zehntausenden Franken hört bekommt das Gefühl, dieser Sport hat unendlich Geld.

00:09:19: und ehrlich gesagt Mich stört es auch, wenn bei den Männern ein Trainer der dritten Liga – der zweimal die Woche am Spielfeld ransteht – fünfzehntausend Franken im Jahr verdient.

00:09:30: Wie bitte?

00:09:31: Das gibt's?

00:09:33: Sehen Sie!

00:09:34: Das empört die Leute

00:09:36: Am Tag darauf.

00:09:38: Ich treffe die sportliche Leiter in eines Super League Clubs.

00:09:42: Hinter ihr liegen vollgepackte Tage und Wochen.

00:09:44: Die Saison ist zu Ende.

00:09:46: Nun muss sie das Kader für das nächste Jahr planen.

00:09:50: Es gebe im Breiten Sport Trainer der Dritten Liga, die fünfzehntausend Franken im Jahr verdienen.

00:09:57: Wie viel können Sie Ihren Spielerinnen der Super League bezahlen?

00:10:02: Einige Spielerinnen erhalten bloß Spesen.

00:10:04: Sonst zahlen wir zwischen fünfhundert und tausendreihundertfünfzig Franken im Monat.

00:10:09: Also verdienen die gut bezahlten Spielerinnen ihres Spitzenteams gleich viel wie ein Trainer der dritten Männerliga.

00:10:16: Ich habe aufgehört mich darüber zu nerven – ich kann es nicht ändern!

00:10:21: Seit einigen Jahren stellen wir schon ab fünfhundert Franken Lohnverträge aus, dann zahlt der Verein in die Sozialversicherungen ein.

00:10:29: Ein Fortschritt!

00:10:31: Gewisse Vereine geben Spielerinnen auch andere Leistungen dazu – zum Beispiel ein Auto.

00:10:36: Trotzdem….

00:10:37: Ihre bestbezahlten Spielerinnen verdienen fast nichts.

00:10:41: Hat die EM überhaupt etwas verbessert in Sachen Geld?

00:10:44: Nicht wirklich in unserem Verein.

00:10:47: Die Führung gab uns über die Jahre immer etwas mehr Geld, jeweils eine mittlere fünfstellige Summe.

00:10:52: Nur unser Kader zählt zwischen Zweiundzwanzig und sechsundzwantig Spielerinnen.

00:10:57: Dazu kommt eine vollamtliche Trainerin – da ist ein Lohn von Viertausend bis Achttausends Frankenlohn üblich!

00:11:04: Dann die Assistenz, Staff für die Spielanalyse, für die sportliche Leitung, die medizinische Betreuung, eine Goalie- und eine Athletiktrainerin...

00:11:14: ...die alle etwas kosten….

00:11:16: Also fragen wir uns, in wen investieren wir das zusätzliche Geld?

00:11:21: Wollte unser Verein das Gesamteam auf das nächste Niveau heben müsste er uns von einem Jahr aufs nächste fünfmal so viel Geld geben.

00:11:29: Ist das bezeichnend für den Stand des Frauenfußballs in der Schweiz?

00:11:34: Man unternimmt zwar etwas aber ohne echten Mut.

00:11:38: Die Verantwortlichen finden mutig was sie machen denn Sie investieren.

00:11:41: ja Würden sie mit unserem Präsidenten reden, zählte er ihnen wahrscheinlich stolz auf.

00:11:46: Wir machen dies und das und

00:11:47: dass.".

00:11:49: Aber es liegt für ihn außerhalb des Vorstellbaren, dass man die Ressourcen durch zwei teilen würde?

00:11:55: Das Verrückte ist – Es gibt inzwischen Vorbilder!

00:11:59: In Deutschland haben sich die Führungsriegen von Union Berlin oder dem Hamburger SV klar zum Frauenfußball bekannt.

00:12:06: Vor vier oder fünf Jahren hätte ich gesagt «Es ist schwierig, sich einen gleichberechtigten Club vorzustellen».

00:12:12: Inzwischen sage ich, ihr wollt es euch nicht vorstellen.

00:12:16: Gilt das für alle Vereine in der Schweiz?

00:12:18: Oder gibt es einen Club mit mutiger Führung?

00:12:22: Am ehesten IB.

00:12:24: Wie kam das?

00:12:26: Bei den Young Boys sitzt mit Ernst Graf ein langjähriger Unterstützer des Frauenfußballs im Verwaltungsrat Und schon vor fünf Jahren schuf der damalige CEO Vanja Greul die Position General Manager für die Frauenabteilung, eine Stelle, die den Fraunfußball vorantreibt und bewirbt – auch bei Sponsoren.

00:12:45: Das bedeutet….

00:12:46: Der Fraunfussball braucht Unterstützer in den obersten Etagen!

00:12:50: Ein offizielles Ziel der EM war mehr Frauen in Entscheidungspositionen zu bringen.

00:12:55: Was ist daraus geworden?

00:12:57: Nichts.

00:12:59: Gar

00:12:59: nichts?!

00:13:00: Die Vereine besetzen noch immer kaum Positionen in Verwaltungsräten oder Geschäftsleitungen mit Leuten aus dem Frauenfußball.

00:13:07: Hätten Sie mehr erwartet von der EM?

00:13:10: Vor allem von den Entscheidungsträgern, Innen muss ich nicht sagen im Club?

00:13:15: Ich spüre täglich wie viel Schnauf gewisse Dinge noch immer brauchen Wie wir um Vieles bitten müssen!

00:13:21: Ich hatte gehofft das werde einfacher nach der EM

00:13:25: Zum Beispiel?

00:13:27: Alle haben an der EM gesehen was Frauenfuußball kann.

00:13:30: Trotzdem muss ich im Verein bis heute erklären, dass wir für das Training sportlich professionelle Bedingungen brauchen.

00:13:37: Einen anständigen Platz – angemessene Infrastruktur.

00:13:41: Sind Garderoben ein Problem?

00:13:43: Eine Garderobe soll einer Spitzenmannschaft ein Zuhause sein!

00:13:46: Eine Spielerin soll ihr Shampoo deponieren können vielleicht einen Chefchen haben.

00:13:51: Das fehlt noch immer manchen Superleague-Teams auch uns.

00:13:54: Es gibt im Club eine gewisse Prägung, eine implizite Rangordnung.

00:13:58: Die Verantwortlichen meinen das nicht einmal zwingend böse.

00:14:01: Trotzdem bin ich froh, höre ich nicht alles was die Entscheidungsträger unter sich besprechen.

00:14:06: Ich spüre ihre Irritation wenn sie realisieren – die Frauen meinen ihre Forderungen ernst.

00:14:11: Wo hat die EM Ihre Arbeit erleichtert?

00:14:15: Ich muss den Leuten nicht länger erklären was Frauenfußball ist weil alle sich ein Bild gemacht haben und wissen dieser Sport kann sehr attraktiv sein.

00:14:23: Der Schweizerische Fußballverband setzte sich zum Ziel.

00:14:26: Die EM soll die Zahl der Zuschauerinnen der Women's Super League verdoppeln, ist das realistisch?

00:14:33: Ja!

00:14:34: Das ist für mich die wichtigste Folge der EM.

00:14:38: Die Liga hatte über die ganze Saison deutlich mehr Publikum.

00:14:41: Plötzlich können mehr als dreitausend Leute zu einem Match kommen und ohne riesigen Werbeaufwand.

00:14:47: natürlich musst du was tun damit die Leute kommen aber jetzt nicht

00:14:52: Tickets verschenken.

00:14:54: doch Das gab es auch.

00:14:56: Und klar, ein volles Männerstadion sieht anders aus.

00:14:59: Oft ist bei Frauen spielen in den Hauptstadien nur eine Tribüne offen – aber die Entwicklung ist signifikant!

00:15:06: Wir hatten im Schnitt zweihundert, dreihundert, vierhundert Zuschauerinnen mehr, der Schnitt in der Liga liegt noch höher.

00:15:12: Es lohnt sich öfter, im großen Stadion zu spielen wo es zum Beispiel ein professionelles Catering gibt.

00:15:19: Zehn Tage später in einer Damen-Gaderobe, die tatsächlich auch so angeschrieben Ich spreche mit einer Spielerin der Super League.

00:15:29: Ich höre, die EM habe die Zahl der Zuschauerinnen in den Stadien erhöht.

00:15:34: Wie sonst hat das Turnier ihr Leben als Fußballerin in der Schweizer Liga verändert?

00:15:40: Die Leute wissen jetzt, dass es uns gibt!

00:15:43: Mein Patenmädchen wächst in einem Kaff außerhalb von Zürich auf und als ich letztes Jahr bei ihr war, kam ich mit Nachbarn ins Gespräch.

00:15:51: Ein Mann fand es cool, dass SRF seit der EM auch Spiele der Frauenliga überträgt.

00:15:57: Ich dachte, ohne ihn laut zu korrigieren.

00:16:00: Nun ja SRF überträgt diese Spiele schon seit fünf oder sechs Jahren.

00:16:05: Erst die EM hat den Fußball der Frauen auf den Radar gebracht?

00:16:10: Ja!

00:16:11: Man hat die Leute während der EM mit Frauenfußball überschüttet.

00:16:14: Manche hat genervt wie viel berichtet wurde.

00:16:17: Die sagten sich würden sich die Leute wirklich für Frauenfuußball interessieren müsste man das Thema nicht so aufblasen.

00:16:24: aber im Nachhinein war das genau richtig.

00:16:27: Heute wissen auch Leute im hintersten Winkel der Schweiz.

00:16:30: Da war diese EM, die Schweiz stand im Viertelfinal.

00:16:33: Qualifizieren wir uns nächsten Sommer für die WM?

00:16:36: Schalten Sie vielleicht wieder ein!

00:16:38: Der Schweizerische Fußballverband hatte als sportliches Ziel der Heim-EM ausgegeben Die Schweiz soll sich von hier an regelmäßig für internationale Endrunden qualifiziren.

00:16:50: Ist das realistisch?

00:16:52: Wir haben uns überholen lassen von Ländern wie Italien oder den Niederlanden Die vor einigen Jahren noch schlechter spielten als wir.

00:17:00: Aber unser großer Vorteil ist, die meisten anderen Länder machen noch langsamer vorwärts wie wir.

00:17:06: Ha ha!

00:17:07: Ernsthaft?

00:17:08: Damit ist das Ziel des Fußballverbands realistisch.

00:17:11: Wir haben uns in einer guten Position festgesetzt – wir gehören nicht zu den Top fünf Ländern Europas aber zu den besten zwölf.

00:17:19: In der Regel sollten wir uns für Turniere qualifizieren.

00:17:23: Aber wir werden uns wohl auch mal wiederfinden in der wir die Qualifikation verpassen.

00:17:29: Warum haben uns Länder wie Italien oder die Niederlande überholt?

00:17:33: Wer muss was verändern, damit wir wieder gleichziehen?

00:17:37: Viele Leute im Frauenfußball wünschen sich dass die Clubs mehr in die Frauen investieren.

00:17:42: Das Problem daran ist niemand schwimmt im Geld.

00:17:45: Die Clubs machen Defizite und brauchen reiche Leute, die Geld einschießen.

00:17:50: Als Investor bekommst du dein Geld im Männerfußbal vielleicht irgendwann zurück Im Frauenfuußball.

00:17:56: Das Geld ist mit Sicherheit weg.

00:17:58: Der Frauenfußball bräuchte einen Christian Konstantin.

00:18:02: Das ist der Präsident des FC Sion, ein verrückter Mann, der Millionen mit dem FC Sions verliert!

00:18:08: Er bezeichnete sich einmal als derjenige Deb, der am längsten Präsident eines Profi-Vereins ist.

00:18:15: Leider unwahrscheinlich dass der Frauenfuußball so jemanden findet...

00:18:19: Da wir nun beim Geld sind, kennen Sie Spielerinnen in der Schweizer Liga die vom Fußball leben können?

00:18:25: Ja klar Der höchste Lohn in der Schweiz liegt derzeit geschätzt bei zehntausend Franken im Monat.

00:18:31: Aber das Gefälle ist groß, auf eine die Zehntausend kriegt kommen um die neunzig Spielerinnen, die fast nichts oder nichts verdienen.

00:18:38: Also lebt die Mehrheit von einem anderen Job

00:18:42: Und viele Spielerinnen besuchen eine Sportschule oder studieren.

00:18:46: Unsere Liga ist sehr jung!

00:18:48: Der Typus Fußballerin, die achtzig-oder hundert Prozent in einen Beruf arbeitet und ohne Lohn noch Superleaks spielt stirbt aus.

00:18:56: Also Spielerinnen wie Sie?

00:18:58: Sie arbeiten hundert Prozent neben der Fußballkarriere.

00:19:03: Ja, ich kenne sehr viele Leute die nach dem Studium anfangen zu arbeiten und innerhalb von zwei Jahren geben sie den Fußball auf weil sie merken es ist verdammt anstrengend.

00:19:13: Viermal die Woche trainieren und am Wochenende ist Spiel!

00:19:17: Die jüngeren Spielerinnen sagen sich Ich kann auch in der ersten Liga kicken.

00:19:21: dort habe ich weniger Aufwand.

00:19:26: Das wird zum Problem für die Clubs, denn die großen Talente verlieren sie sowieso.

00:19:31: Die gehen früh ins Ausland!

00:19:33: Also muss der Club versuchen ein Team aufzubauen aus Leuten, die er entweder bezahlen kann oder die leidenschaftlich genug sind, achtzig Prozent zu krampfen und dazu noch Spitzenfußball zu spielen

00:19:45: Wenn das Geld auch nach der EM noch fehlt?

00:19:47: hat das Turnier ihre Arbeit als Spielerin überhaupt verändert?

00:19:52: Ja man kann sich heute kaum mehr verstecken.

00:19:55: Woran denken Sie?

00:19:57: Vor acht Jahren wurde in den Medien publik.

00:20:00: Die Frauenabteilung des FC Basel musste an einer Jubiläumsfeier der Männer Wein ausschenken, die Medien fanden das nicht okay und zu Recht.

00:20:10: aber ich spielte damals ins Zürich.

00:20:12: In meinem Team dachten alle mussten wir auch schon machen.

00:20:16: Es war normal dass Clubs ihre Frauenteams zum Servieren aufbieten?

00:20:20: Jetzt hat die EM einen riesigen Scheinwerfer auf den Frauenfußball gerichtet.

00:20:25: Seither wissen alle Clubs Mit so einer Scheiße kommt keiner mehr davon.

00:20:29: Aber hat die EM wirklich etwas verändert im Denken der Männer, im Verein?

00:20:34: Blicken die Männer anders auf Frauen oder gehört es sich einfach nicht mehr sie zum Servieren aufzubieten?

00:20:41: Die Männerabteilung hat heute ein anderes Verständnis von uns.

00:20:45: Wir haben eine schlechte Saison gespielt und erstmals spürte ich da sind Leute im Club unzufrieden mit uns.

00:20:52: Man fragte sich an der Spitze warum läuft das so schlecht bei den Frauen?

00:20:56: Ihr Team ist Ihrem Verein nicht mehr egal?

00:21:00: Früher wusste niemand, wann wir spielen.

00:21:02: Jetzt stört es die Leute wenn wir verlieren.

00:21:04: Das ist blöderweise ziemlich cool.

00:21:07: In welchen Köpfen hat die EM am wenigsten verändert?

00:21:11: In den Köpfe der Spielerinnen Wenn sie auf dem Platz stehen.

00:21:14: Ich spielte vergangene Saison Fußball und vor zwei Jahren auch Jeden Montag Dienstag Mittwoch Freitag im Training Und am Samstag war Spiel.

00:21:24: ich habe die EM geliebt.

00:21:26: Ich frage mich, ob ich je wieder so etwas Tolles erleben werde.

00:21:30: Aber habe ich auf dem Platz jed daran gedacht?

00:21:33: Nein!

00:21:34: Klar es gibt inzwischen junge Spielerinnen die wollen ins Ausland mit Fußball ihren Unterhalt verdienen.

00:21:40: für sie ist Fußball ein Berufsweg geworden aber die meisten von uns spielen weil sie Fußball lieben.

00:21:46: vor und nach der EM.

00:21:48: Wann dachten Sie zuletzt?

00:21:50: wäre ich einen Mann der Fußball spielt?

00:21:52: stünde ich jetzt nicht vor diesem Problem?

00:21:55: Ha, das denke ich ziemlich oft.

00:21:59: Ein großes Problem ist die ärztliche und physiotherapeutische Betreuung.

00:22:04: Wir haben nur sehr limitierte Zeitfenster um etwas behandeln oder kontrollieren zu lassen.

00:22:10: Wenn wir also ein Problem haben dass sich nicht in einer Viertelstunde lösen lässt wortwörtlich müssen wir eine Verordnung über einen Arzt organisieren oder selbst dafür aufkommen.

00:22:20: Und im Winter als nur die Kunstrasen offen waren mussten wir jedes zweite Training auf einem halben Fußballplatz absolvieren.

00:22:28: Echt jetzt?

00:22:29: Die Männer haben ihren eigenen Trainingsrasen, den bespielen sie allein und weil Sie mit Fußball genug verdienen trainieren sie dort um zehn Uhr morgens.

00:22:39: Wir Frauen kommen erst abends Vorher sind die Spielerinnen an der Uni oder bei der Arbeit.

00:22:44: also teilen wir uns die Plätze mit allen anderen.

00:22:47: Mit vierzehn- oder sechzehnjährigen Jungs nehme ich an.

00:22:52: Früher war es noch so Wenn die Jungs, die vor uns auf dem Platz spielten ihre Trainingszeit überzogen durften wir uns nicht einmal aufwärmen in einer Ecke des Platzes.

00:23:02: Es hieß das lenkt die jungs ab!

00:23:05: Das ist komplett verrückt.

00:23:06: wie haben sie es mit den Garderoben?

00:23:08: Wir haben eine Garderobe mit eigenen Schließfächern.

00:23:11: Das ist gut.

00:23:12: solche kleinen Dinge entwickeln sich gerade sehr zum Beispiel unsere Trainingskleider.

00:23:18: wäscht jetzt jemand für uns?

00:23:20: junge Spielerinnen die noch nicht so lang zur ersten Mannschaft gehören Halten das für normal.

00:23:25: Ich habe mich manchmal über diese Haltung geärgert, dann sagte ich sowas wie – wisst ihr?

00:23:30: Früher hatten wir sogar für das Match-Tenü eine Liste welche Spielerin am Wochenende alles wäscht!

00:23:36: Aber eigentlich ist es sehr toll dass die jungen Spielerinnen das gar nicht mehr kennen.

00:23:41: Sie starten an einem völlig anderen Punkt.

00:23:43: Die neue Generation muss den Leibchenkampf nicht mehr führen.

00:23:48: Das ist ein Vermächtnis der EM.

00:23:50: Die Jungen wissen gar nicht mehr, welche Probleme wir früher hatten.

00:23:54: Wenn Sie Königin wären

00:23:57: Ich wäre eine schlechte Königinn.

00:23:59: Das prüfen wir jetzt Als KönigIn.

00:24:02: Was verfügen sie zugunsten des Frauenfußballs?

00:24:05: Ich zwinge die FIFA, die UEFA und die Länderverbände dazu den Frauensport zu fördern.

00:24:11: Norwegen und Neuseeland sind Vorbilder.

00:24:13: Sie bezahlen Frauen- und Männern gleiche Prämien für Turniere.

00:24:17: ich finde, die Verbände haben eine Bringschuld.

00:24:20: Wenn jemand sagt, der Frauenfußball verdiene nun einmal kein Geld entgegne ich.

00:24:25: Das ist kein Zufall sondern Resultat der Geschichte.

00:24:28: In England zum Beispiel boomte der Frauen fußball in den neunzehnzwanziger Jahren.

00:24:33: Dann bekam die verantwortlichen Angst er könnte populärer werden als der Männerfuß ball also verboten sie ihn fünfzig Jahre lang.

00:24:41: Die folgen habe Ich Als Spielerin gespürt.

00:24:44: Was können Sie mir einzig im anonymen geschützten Raum dieser Garderobe verraten?

00:24:49: was mich beschäftigt ist die Fan-Kultur.

00:24:52: Manche Clubs in der Schweiz wollen vor allem ihre bestehenden Fans auch für den Frauenfußball gewinnen.

00:24:58: Ich ziehe es vor, wenn im Frauenfuußball eine eigene Fankultur wächst.

00:25:03: Das beginnt langsam in der Schweiz.

00:25:05: In England ist es bei den Nationalteams sehr stark ausgeprägt.

00:25:09: Unterschiedlicher könnten die Fans der englischen Frauennati und Männernati nicht sein.

00:25:14: Das bedeutet?

00:25:21: Fast alle sind betrunken, sie schreien, johlen, furzen und schwätzen dumm.

00:25:26: So habe ich das an der EM-Zweitausendzwanzig

00:25:29: erlebt.".

00:25:30: Das Publikum der Frauen Nati war zweitausundfünfundzwanzIG weiblich – ebenfalls laut, wahrscheinlich auch besoffen aber friedlich und lustig!