Der Wilde Westen trocknet aus
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Dieser Beitrag wurde mit einer eigens für die Republik entwickelten synthetischen Stimme vertont. Mehr dazu hier.
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00:00:05: Das Leben in der Wüste von Arizona hängt am Colorado River, dessen Wasser versiegt.
00:00:10: Um ihre Versorgung zu retten müssen die Menschen dort ihre politische Spaltung überwinden.
00:00:16: Schaffen sie das in den USA von heute?
00:00:20: Der wilde Westen trocknet aus!
00:00:23: Ein Beitrag von Sebastian Moll vorgelesen von einer synthetischen Stimme.
00:00:29: Sie wirkt abgekämpft als sie am späten Freitagnachmittag den Schankraum der Village Tavern betritt Solange Whitehead Stadträtin von Scottsdale in Arizona, die rotblonden Haare zerzaust.
00:00:40: Die Gesichtszüge angespannt.
00:00:43: Ich brauche jetzt erst mal einen Drink", sagt sie bevor sie sich an der Theke niederlässt.
00:00:49: Es war eine dieser Wochen in denen Whitehead von Termin zu Termin hetzt.
00:00:54: Sie steckt mitten im Wahlkampf für die nächste Amtsperiode.
00:00:57: zugleich läuft das Alltagsgeschäft weiter.
00:00:59: Immer geht es um dasselbe Wasser.
00:01:03: Die Versorgung mit Wasser ist das alles beherrschende Thema hier im Valley of the Sun.
00:01:08: In dem Tal, dass sich tief im Südwesten der USA als ein Wüstenstreifen von hundert Kilometern durch Arizona zieht.
00:01:15: Bei Nacht offenbart sich warum.
00:01:17: Ein Lichtermeer erstreckt sich über die gesamte Länge des Talbodens.
00:01:21: Phoenix selbst schon die fünftgrößte Stadt in den USA Ist mit den Nachbarstätten Scottsdale und Tempe zu einem urbanen Moloch Mit fast fünf Millionen Einwohnern verschmolzen.
00:01:32: Kaum eine andere Region der USA wächst schneller.
00:01:35: Das Tal wird inzwischen wegen seiner Chipfabriken auch Silicon Desert genannt Als Theodor Roosevelt, vor mehr als hundert Jahren hier den Damm des Salt River einweite sollte damit die Versorgung für Hunderttausend Menschen verlässlich gesichert werden.
00:01:51: Der Boom der vergangenen vierzig Jahre hat nun aber jede Vorstellungskraft überstiegen.
00:01:56: Mit amerikanischem Optimismus und einer gehörigen Portion Realitätsverachtung wurde eine gigantische Metropolregion mitten in eine Wüste gesetzt.
00:02:06: Nur dass der mächtige Colorado River, der durch Arizona und sechs weitere Bundesstaaten fließt längst zu wenig Wasser führt um sie zu versorgen.
00:02:16: Damit das Wachstum hier im Westen seit jeher nationales Symbol für Freiheit und Ziel, für Glücksritter aller Art garantiert sei einigten sich die sieben Anreinerstaaten neunzehnhundertzweiundzwanzig auf einen Schlüssel wie das Wasser des Colorado über ein System von Dämmen- und Stauseen verteilt werden soll.
00:02:35: Doch der Vertrag – Der Colorado River Compact war von Beginn an zu optimistisch.
00:02:42: Auf die sieben Bundesstaaten wurden sixteen Komma fünf Millionen Aker-Feed verteilt.
00:02:47: Ein Acker-Food ist die Wassermenge, die dazu nötig ist einen amerikanischen Aker gut die Hälfte eines Fußballfeldes, einen Fuß tief unter Wasser zu setzen also rund dreißig Zentimeter.
00:02:59: So viel Wasser hatte der Colorado in den Jahren kurz vor dem Vertragsschluss geführt.
00:03:05: Dürre seit fast Dreißig Jahren.
00:03:09: Heute jedoch führt der Colorado rund dreißig Prozent weniger Wasser als nineteenhundertzweiundzwanzig, während die Zahl der Einwohnerinnen explodiert ist.
00:03:18: Vierzig Millionen Menschen leben in der gesamten Region!
00:03:22: Der Wassermangel des Colorado Basin wird seit zweitausend offiziell als Dürre bezeichnet – doch eine beinahe dreißzig Jahre anhaltende Trockenheit ist keine zeitweilige Dürremär.
00:03:33: Die Trockenkeit, eine klare Folge des Klimawandels, wird hier nicht mehr besser werden... Im Gegenteil, der Wasserpegel des Colorado River – der die sieben Staaten Colorado, Kalifornien, Utah, Wyoming, Arizona, Nevada und New Mexico versorgt – sinkt immer schneller.
00:03:52: Das zeigt eindrücklich der Lake Meet bei Las Vegas.
00:03:56: Die Salzkruste, die sich auf den Wänden des größten Stauses der USA ablagert belegt, dass der Wasserstand noch vor zehn Jahren rund zehn Meter höher lag als heute.
00:04:06: Dieses Jahr fehlt zudem noch das Schmelzwasser, denn im vergangenen Winter fiel in den Rocky Mountains so gut wie kein Schnee.
00:04:14: Die US-Regierung drängt seit Jahren darauf dass sich die Staaten am Colorado River auf einen Notfallplan einigen um dem Wassermangel zu begegnen.
00:04:22: doch eine Frist um die andere ist verstrichen.
00:04:25: niemand wollte freiwillig seine Ansprüche aufgeben.
00:04:28: jetzt entscheidet der Bund und alle warten Bange was das für ihre Wasserversorgung bedeutet.
00:04:34: Arizona hat dabei schlechte Karten.
00:04:36: Schon in den ursprünglichen Verträgen hat der Bundesstaat, der damals am Dünnsten besiedelt war die kleinste Zuteilung erhalten.
00:04:43: Zudem akzeptierte Arizona bei den letzten Anpassungen im Jahr zwei Tausend Sieben seine Wasserrechte im Notfall an das mächtigere Kalifornien abzutreten.
00:04:52: Dieser Notfall ist jetzt eingetreten.
00:04:55: Sarah Porter, die an der Arizona State University forscht und die Regierung in Wasserfragen berät, sagt der Republik deshalb dass es für Arizona am besten wäre wenn sich gar nichts ändern würde.
00:05:06: Jede Neuregelung würde die Dinge für den Staat am untersten Ende der Wasserversorgungskette nur noch schlimmer machen.
00:05:13: Eine der fünf Optionen, die das Bureau of Reclamation – die Behörde, die dass Wasser verteilt in Washington vorgelegt hat – sieht vor, dass Arizona siebenundsiebzig Prozent weniger Wasser erhält.
00:05:25: Die Folgen wären verheerend!
00:05:28: Die Landwirtschaft im Süden und Westen des Staates, die siebzig prozent des Colorado-Wassers benötigt, würde über Nacht in eine schwere Krise rutschen mit wirtschaftlichen Folgen für die gesamten USA.
00:05:40: Das wirtschaftliche Wachstum im Tal würde ausgebremst und die Lebenshaltungskosten würden enorm ansteigen.
00:05:46: Die Lebensgrundlage der Region wäre in Gefahr Triumph des menschlichen Willens.
00:05:54: Dass im Valley Millionen von Menschen bislang noch genug zu trinken haben, verdanken sie einer warnwitzigen Ingenieursleistung dem Zentral Arizona Project.
00:06:04: Seine Erbauer haben dem Colorado River einen Arm abgezweigt und ein System von Staudämmen, Kanälen und Aqueduckten errichtet das pro Jahr eins Komma zwei Billionen Liter Wasser in die Wüstenregion transportiert.
00:06:16: Ein Volumen von vierhundert achtzigtausend olympischen Schwimmbäcken.
00:06:21: Das Kanalsystem aus den siebziger Jahren dass sich mit seinem Betonbecken breit wie ein Strom durch das gesamte Tal zieht steht für einen Triumph des menschlichen Willens über die Natur.
00:06:32: Es hat das Leben in der Wüstenregion und das enorme Wachstum erst möglich gemacht.
00:06:36: Es ist ein Produkt des Optimismus und der Hemdsärmeligkeit, je nach Chando-Einstellung für die Europäer US-Amerikaner gleichermaßen beneiden und belächeln.
00:06:47: Doch die Lebensader der Boomregion könnte – je nach Entscheidung der Wasserverteilbehörde – noch in diesem Sommer abgeklemmt werden!
00:06:55: Für manche Gemeinden, die sich trotz der jahrzehntelangen Dürre nicht auf den vorhersehbaren Ernstfall vorbereitet haben, wäre das eine Katastrophe.
00:07:03: Deshalb versucht Stadträt in Whitehead so verzweifelt, die Menschen von Scottsdale aufzurütteln.
00:07:09: Achtzig Prozent des Wassers der Stadt kommen aus dem Colorado und bisher wurde viel zu wenig getan um die Abhängigkeit vom Fluss zu reduzieren.
00:07:19: So lange Whitehead hadert am meisten mit der Reaktion ihrer Kolleginnen im Stadtrat aber auch mit der von einem Großteil der Wählerinnen.
00:07:28: Sie wollen nicht wahrhaben, dass irgendwann kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt wenn die Bundesregierung es rationiert.
00:07:35: An Geld zumindest mangelt es nicht in Scottsdale.
00:07:38: Manche nennen die Stadt das Beverly Hills von Arizona.
00:07:41: Im gesamten Valley reihen sich endlose rechtäckige Häuserblocks aneinander durchzogen von vier bis zwölf spurigen Durchgangsstraßen.
00:07:50: Im Sommer findet das Leben hier ausschließlich im Auto oder in den vielen Einkaufszentren statt, in denen die immer gleichen Marken in immergleichen Geschäften ihre Produkte anbieten.
00:08:00: Ins Freie geht niemand – von Mai bis Oktober steigen die Temperaturen täglich auf mehr als fünfunddreißig Grad Celsius.
00:08:08: Manchmal wird der Asphalt so heiß dass man sich Verbrennungen holen kann wenn man hinfällt.
00:08:13: Im vergangenen Jahr meldete Phoenix zweihundert dreihunddreizig hitzebedingte Todesfälle Das reichere Scottsdale neun.
00:08:20: In der vier Millionen Metropole Los Angeles waren es nur zehn.
00:08:24: Die Einfamilienhäuser in Scottsdale fallen ein bisschen größer aus als in Phoenix, meist sind es Willen im spanischen Kolonialstil mit fünf bis acht Zimmern, gern parkt ein Jaguar oder ein Porsche in der Garage.
00:08:37: Bis vor Kurzem lebten hier v.a.
00:08:39: wohlhabende Rentner die aus Kanada oder dem mittleren Westen kamen und sich für das Alter ein Heim im warmen zu günstigeren Preisen als in Kalifornien oder Florida gesichert hatten.
00:08:51: Doch in letzter Zeit zieht Scottsdale auch Jüngere an, die bei den vielen neuen Fabriken für Halbleiter und Rüstungstechnologie anheuern.
00:08:59: Den jungen Tech-Arbeitern gefallen die preiswerten geräumigen Willen und die Sportwagen genauso gut wie den Rentnerinnen – das Phoenix Valley wird zur Silicon Desert!
00:09:09: Der drohende Wassermangel kümmert sie wenig.
00:09:11: Wenn man die Menschen in den Malls, in einem Coffee Shop oder einer Cocktailbader nachfragt, zucken die meisten nur die Schultern.
00:09:19: Viele wissen gar nicht, dass ein akuter Notstand ansteht.
00:09:22: Andere sagen dann werde das Wasser eben ein wenig teurer.
00:09:26: aber sie haben ja Geld und das Leben in ihrer Luxus-Oase ist ihnen die paar Dollar mehr wert.
00:09:33: Phoenix hat vorgesorgt So lange.
00:09:36: Whitehead macht es verrückt.
00:09:39: Ich kann die Kurzsichtigkeit nicht ertragen.
00:09:42: Alle denken nur an sich selbst und nicht daran was für ein Land wir unseren Kindern hinterlassen.
00:09:48: Die Politikerin, die früher als Ingenieurin gearbeitet hat, setzt sich in Scottsdale für nachhaltiges Wachstum ein, seit sie nineteenhundertsechsundneunzig mit ihrem Mann aus Kalifornien herkam.
00:09:59: Sie kämpft dafür, in der Wüste Naturschutzgebiete einzurichten.
00:10:03: Sie kämpft für strengere Regeln um bei der Erschließung neuer Bauzonen die Nachhaltigkeit zu garantieren und sie kämpf für einen Ausbau der Infrastruktur, um die Wasserversorgung ins Scotts Dale zu sichern.
00:10:17: In der Stadtverordnetenversammlung sitzen laut Whitehead, derzeit vier republikanische Abgeordnete und drei demokratische.
00:10:25: Das Gremium hat rund zweihundertdreiunddreißig Millionen Dollar für die geplante Wasseraufbereitungsanlage verschoben.
00:10:33: Whitehead hat dagegen vehement protestiert.
00:10:36: Nun im Wahlkampf fahren ihre politischen Gegner eine Online-Schmieren-Kampagne gegen sie.
00:10:41: nennen Sie Abwasser solange.
00:10:44: Ein Video zeigt einen lokalen Komedien, der gemeinsam mit einer Gegenkandidatin ein Glas ungeklärtes Abwasser in die Kamera hält und den Leuten erklärt das Abwasser so lange.
00:10:55: Und die linken Radikalen, die Bürger von Scottsdale dazu zwingen wollen, so etwas zu trinken.
00:11:00: Das ist Harnbüchner Unsinn.
00:11:02: Moderne Wasseraufbereitungsanlagen wie jene, die die Nachbarstadt Phoenix gerade für dreihundert Millionen Dollar baut liefern eine bessere Wasserqualität als das Grundwasser oder das extrem mineralhaltige Wasser des Colorado.
00:11:15: Bei einer Führung durch diese Anlage, die im kommenden Jahr eröffnet wird deutlich sie erzeugt in neun Schritten glasklares Wasser mit Reinigungsverfahren von der Feststoffaussonderung über die biochemische Reinigung bis zur Infrarotbehandlung Täglich erzeuge die Anlage genügend für den Bedarf von twenty-fünftausend Haushalten, wie der Wassermanager der Stadt Max Wilson stolz erklärt.
00:11:39: Bei insgesamt sechshundertzehntausen Haushalten wäre das ein signifikanter Beitrag zur Deckung des Bedarfs.
00:11:47: Phoenix hat seit vierzehn Jahren fast durchgehend demokratisch regiert im Gegensatz zu Scottsdale für den bevorstehenden Notfall vorgesorgt.
00:11:55: Für das Wasser aus nassen Jahren wie zwei Tausend Zweiundzwanzig hat die Stadtregierung große unterirdische Reserven angelegt.
00:12:03: Das System, aus Dämmen und Stauseen des Salt River wurde ausgebaut – und Phoenix hat den Verbrauch gesenkt!
00:12:10: Die Millionenstadt braucht heute weniger Wasser als nineteenhundertsiebenundfünfzig, als gerade einmal dreihundertsechzigtausend Menschen hier lebten.
00:12:20: Mit einem Wasseraustauschprogramm mit Tucson hat Bürgermeisterin Kate Galego gezeigt, dass es möglich ist über die Parteigrenzen hinweg Lösungen zu finden.
00:12:30: Genau das fehlt in Scottsdale!
00:12:32: Meine Gegner spielen politischen Poker mit unserer Lebensgrundlage, sagt so lange Whitehead.
00:12:39: Antworten darauf wo das Wasser für Scotts Dale in Zukunft herkommen soll bleiben die konservativen Gegner von Whitehead schuldig.
00:12:46: Sie weigern sich einfach zu glauben, dass Trump ihnen das Wasser abdrehen wird.
00:12:51: Die Stadt werde Wasser rationieren und aus Phoenix zukaufen müssen", sagt Whitehead.
00:12:57: Wählerinnen hören aber nicht gern, dass ihr Lebensstil buchstäblich auf Sand gebaut ist – also sagen die Politiker es ihnen auch nicht!
00:13:05: Solange Whitehead hat es mit der Einstellung zu tun, die seit jeher die Besiedlung des US-amerikanischen Südwestens durch den weißen Mann vorangetrieben hat….
00:13:14: In seinem Buch American Oasis erzählt der Journalist Kyle Pauletta selbst in New Mexico aufgewachsen, die Geschichte der ersten spanischen Expedition durch die schier endlose Wüste im Osten der Rocky Mountains.
00:13:27: Der Abenteurer Alva Núñez Cabeza de Vaca brauchte Anfang des sechzehnten Jahrhunderts acht Jahre um quer durch die Wüse und bis an die mexikanische Pazifiküste zu gelangen.
00:13:37: Bis auf zwei seiner Gefährten überlebte niemand.
00:13:40: die Strapazen und auch sie überlebten nur, weil indigene Stämme sie retteten, die gelernt hatten auszukommen mit dem was die Wüste zu bieten hat.
00:13:50: Das schreckte die spanischen Offiziellen jedoch nicht die Cabezer de Vaca empfingen.
00:13:55: Viel mehr weckten seine Berichte Neugier und Begierden.
00:13:58: Cabeza de Vaka sollte sofort umdrehen und ausloten ob es möglich sei das Land zu besiedeln.
00:14:04: Grenzen zu achten, im Rahmen der eigenen Verhältnisse zu leben war und ist unamerikanisch.
00:14:11: Nicht zufällig lebt ein Großteil der Amerikaner mit erdrückender Schuldenlast.
00:14:15: nicht zufältig versprechen die Visionäre im Silicon Valley ständig das Universum und den Menschen selbst umzugestalten.
00:14:22: Das Phoenix Valley gilt als paradiesischer Ort für betuchte Pensionäre und neu als Epicentrum der intrinsisch-ortlosen Technologiebranche.
00:14:31: Die Wüste erscheint bis heute als Raum der unbegrenzten Möglichkeiten.
00:14:36: Die absehbar endlichen natürlichen Ressourcen werden deshalb so lange verschwendet, bis nichts mehr übrig ist – wie im Western!
00:14:46: Diese Hybris des Südwestens verleiht den menschlichen Ansiedlungen eine unwirkliche Qualität.
00:14:52: Scottsdale fasert in Richtung Nordosten langsam in die Sonora-Wüste aus, bald liegt da nur noch Geröll.
00:14:58: In Abständen erheben sich die majestätischen bis zu fünf Meter hohen Saguaro-Kakthén und der allgegenwärtige Creosotbusch.
00:15:05: Doch nach einer knappen dreiviertelstunde Autofahrt findet man sich am Eingangstor einer Vorstadt-Siedlung wie man sie in den besseren Randbezirken von Los Angeles finden kann.
00:15:16: Die freistehenden Häuser im rustikalen Stil, alter Westernrenches oder im spanischen Kolonialstil mit dicken Tonwänden und Stuckverzierung sind ebenso penibel gepflegt wie die Vorgärten – meist Biotope mit Steinen- und Kaktänen.
00:15:31: Auf den gewundenen Straßen zwischen den rund siebenhundert Gehöften fahren die Menschen mit elektrischen Golfwegelchen herum.
00:15:38: Die Mitte der Siedlung zieren eine grüne Wiese und ein Teich.
00:15:42: Die Siedlung heißt kontraintuitiv Rio Verde und gleicht einer Vater Morgana, einem Wachtraum in der flimmernden Hitze der Wüste.
00:15:51: Vor drei Jahren erlebten die Bewohner von Rio Verda einen Herben-Realitätscheck.
00:15:56: Der Ort ist eine sogenannte Wildcat-Siedlung.
00:15:59: Sie wurde von den Bewohnern im Kargen Geröll erbaut ohne an eine Gemeinde angebunden oder von ihr genehmigt zu sein.
00:16:07: Man nahm sich das uramerikanische, vom Staat Arizona garantierte Recht heraus im Westen einfach einen Flock in den Boden zu rammen und ein neues Leben zu beginnen.
00:16:18: Doch die Leute von Rio Verde bekamen Erger.
00:16:23: Da sich die Wasserknappheit zuspitzte hatte Katie Hobbs die demokratische Gouverneurin von Arizona eine Verordnung erlassen.
00:16:31: Sie bestimmte, dass nur jene Siedlungen Wasser erhielten die nachweisen konnten das für die kommenden hundert Jahre die Wasserversorgung gesichert ist.
00:16:40: So musste die Stadt Scottsdale Rio Verde den Hahn zudrehen.
00:16:45: Daraufhin karten die Bewohner Wasser in Tanklastzügen heran.
00:16:48: Die Lieferungen kamen zum Teil von der zweihundert Kilometer entfernten kalifornischen Grenze weil es im ganzen Tal kein überschüssiges Wasser gab.
00:16:56: Zwei-tausendfünfundzwanzig gab Scottsdale schließlich nach und baute für Rio Verde eine Pipeline.
00:17:02: Doch die Stadt hat selbst nicht genügend Wasser, das bequeme Autarke Leben in der Wüste steht auf einem sehr wackeligen Fundament.
00:17:10: In Cave Creek von Rio Verda nochmal eine halbe Stunde Fahrt in Richtung Nordwesten ist die Lage kaum besser.
00:17:17: Cave Creek hat sich bemüht das Ambiente einer Westernstadt zu bewahren.
00:17:21: Es gibt eine Hauptstraße gesäumt von Flachbauten wie aus einem John Ford Film.
00:17:26: Hinter Holzfassaden verbergen sich Saloons und Pferdestelle, aber auch Boutiquen, Cafés und Schicke-Restaurants.
00:17:33: Der Besucher wird am Ortseingang von einem mächtigen Saguaro-Kaktus begrüßt der mit seinen Stoppelarmen freundlich zu winken scheint.
00:17:41: In den Hügeln die sich von der Hauptstraße aus nach Westen erheben wuchern riesige Willen im Ranchstil nicht wenige mit Pferdekoppeln die es nur gibt um das Westernambiente zu erzeugen.
00:17:52: Der Ort mit rund fünftausend Einwohnern wurde achtzehnhundertsebzig gegründet und bedient wie Rio Verde die Fantasie der betuchten Pensionäre, die hier vornehmlich wohnen.
00:18:02: Sie wollen ihren Lebensabend in einer echten Westernstadt verbringen!
00:18:07: In der Stadtverwaltung einem der Ortsästhetik angepassten puebloartigen Flachbau sitzt derweil Sean Kreuzwiesner mit den Wasserkarten auf seinem Bildschirm und versucht nicht ähnlich verzweifelt zu wirken, wie solange White hat.
00:18:20: Der Wassermanager des Ortes weiß, Cave Creek hängt zu neunzig Prozent vom Colorado ab.
00:18:25: Sollte die Bundesregierung das Kontingent kürzen oder streichen hätte Kreuzwiesner ein Problem.
00:18:31: Wir müssten massive Sparmaßnahmen anordnen, sagt er.
00:18:35: Golfplätze, Pools und auch Pferde wären dann Vergangenheit.
00:18:39: Auch für Cave Creek hat das gut vorbereitete Phoenix-Hilfe zugesagt.
00:18:43: Doch das kann alles nur kurzfristig gut gehen.
00:18:46: Darum haben viele Bürgerinnen ihre eigenen Maßnahmen getroffen.
00:18:50: Kreuzwiesners Wasserkarte ist überseht von grünen Punkten, alles Brunnen die die Bewohner selbst gebohrt haben.
00:18:57: Strohhalme ins Grundwasser wie Kreuz Wiesner sagt.
00:19:01: Anders als die Nutzung des Oberflächen-Wassers ist die Nitzung des Grundwassers vollkommen unreguliert.
00:19:07: Niemand weiß wie vieles davon gibt und wie tief es liegt.
00:19:11: Es passiert ständig dass ein Anwohner seinen Brunnanbohrt und dem Nachbar dann plötzlich das Wasser ausgeht.
00:19:17: Wenn das passiert Bohrt Anwohner Nummer eins noch tiefer und so weiter.
00:19:23: Für Jay Familietti liegt genau hier das Problem beim Grundwasser.
00:19:28: Als Professor für Nachhaltigkeit an der Arizona State University leitet er dort die Wasser-Innovationsgruppe.
00:19:35: Bei einem Treffen in Tempe sagt er, dieser ganze Streit um den Colorado ist im Grunde Unfug.
00:19:40: Der Fluss werde austrocknen.
00:19:42: Das sei nur eine Frage der Zeit.
00:19:44: Das dringlichere Thema, das durch den Zank um den Colorado verdeckt werde sei das Grundwasser.
00:19:50: Dessen Pegelstände und der Verbrauch würden nur auf achtzehn Prozent der Fläche von Arizona staatlich erfasst und überwacht.
00:19:56: Andernorts wird es umso mehr angezapft je mehr das Oberflächenwasser ausgeht.
00:20:02: Familietti sagt dabei weiß kein Mensch wie viel Grundwasser wir haben.
00:20:07: er versucht seit vielen Jahren Forschungsgelder locker zu machen um die Bestände zu registrieren vergeblich.
00:20:13: Die Türen der Politik sind für ihn verschlossen, niemand will mit jemandem reden, der eine unmittelbar bevorstehende Katastrophe vorhersagt.
00:20:22: In der Zwischenzeit bohrt die Ölindustrie auf dem Meeresboden und weiß genau wie groß dort die Vorkommen sind, sagt er verbittert.
00:20:29: Der Südwesten ist für ihn deshalb kaum mehr zu retten.
00:20:32: Er sieht Geisterstädte und ganze Landstriche voraus in denen der hart gebackene Boden weg bricht weil kein Wasser mehr darunter ist Und das nicht erst in dreißig oder in fünfzig Jahren sondern bald.
00:20:44: Es gibt aber auch optimistische Stimmen.
00:20:46: Der Historiker und Journalist Tom Zoellner, der in Phoenix aufgewachsen ist meint man dürfe den Südwesten nicht voreilig abschreiben.
00:20:54: Man könne die Geschichte der Region lesen als eine der Verschwendung des blinden Wachstums und der brutalen Achtlosigkeit gegenüber der Natur.
00:21:06: Seit die Ho-Ho-Kam und die Hopi-Völker lange vor den Spaniern und den US-Amerikanern das Welle besiedelt haben, hätten die Menschen eine beachtliche Fähigkeit der Anpassung an die Wüste bewiesen.
00:21:17: Das System an Dämmen und Aqueduckten des zwanzigsten Jahrhunderts – dass sie Gegend zum Erblün gebracht und wirtschaftlich erfolgreich gemacht habe – sei ein Beispiel dieser menschlichen Fähigkeiten sich in einer unfreundlichen Umgebung einzurichten!
00:21:32: Die nächste Phase so zu Elna habe der Wald schon begonnen Die Stadt Phoenix etwa habe für die neue Knappheit vorgesorgt.
00:21:40: Sogar Las Vegas, das für Hybris und Dekadenz steht hat seit two-thousand zwei den Wasserverbrauch pro Kopf um achtundfünfzig Prozent gesenkt.
00:21:48: Es gibt also Anzeichen für ein Umdenken.
00:21:51: Orten wie Scottsdale läuft jedoch die Zeit davon.
00:21:55: Die Jahre in denen man so tun konnte als wäre der Westen einen Land des bodenlosen Reichtums aus dem man unbegrenzt schöpfen kann sind vorbei.
00:22:04: Stimmen wie die von so lang Whitehead zu ignorieren, kann die Region sich eigentlich schon lange nicht mehr leisten.