Joschuas unerbittliche Suche nach seinen Grosseltern
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Dieser Beitrag wurde mit einer eigens für die Republik entwickelten synthetischen Stimme vertont. Mehr dazu hier.
Transkript anzeigen
00:00:05: Ein Teenager aus Obwalden reist nach Korea, um seine leiblichen Großeltern zu finden.
00:00:10: Die Suche konfrontiert ihn mit den abgründen koreanischer Adoptionspraktiken und mit der Frage wer wirklich Familie ist?
00:00:23: Ein Beitrag von Manuela Engest vorgelesen von einer synthetischen Stimme.
00:00:29: Zitat Joshua woher kommst du?
00:00:33: Das frage ich mich auch aber ich habe keine Antwort darauf.
00:00:38: Niemand sagt etwas, als der Teenager, der im Anzug am großen Tisch sitzt zu weinen beginnt.
00:00:44: Er hatte lange versucht die Tränen zurückzuhalten – es war ihm an seinem verkrampften Gesicht anzusehen den zusammengepressten Lippen, den Händen, die nervös über seine Augen fuhren.
00:00:55: Joshua Würsch ist siebzehn Jahre alt und sitzt im April zwei tausend fünfundzwanzig in einem stickigen Büro weit weg von Zuhause neben ihm seine Mutter Ilona Vor ihnen Mitarbeiterinnen eines ehemaligen Weisenhauses.
00:01:10: Ilona Würsch legt ihrem Sohn die Hand auf die Schulter.
00:01:14: Sein Kopf ist gesenkt, sein schlanker Körper bebt.
00:01:19: Er isst einfach sehr enttäuscht, sagt sie.
00:01:22: Die beiden sind in Joshuas Schulferien nach Südkorea gereist.
00:01:26: er sucht nach seinen Großeltern.
00:01:29: Seit dem Ende des Korea-Kriegs, nineteenhundertdreiundfünfzig wurden schätzungsweise mehr als zweihunderttausend Kinder aus Südkorea ins Ausland vermittelt.
00:01:38: Mehr als aus jedem anderen Land der Welt.
00:01:41: Etwa tausend zweihundert von ihnen kamen in die Schweiz.
00:01:44: Ilona Wirsch war eines von diesen Kindern – doch nicht alle Verfahren verliefen rechtmäßig!
00:01:50: Eine Untersuchung der ZHAW zeigte, dass bei internationalen Adoptionen in die Schweiz wiederholt gegen geltendes Recht verstoßen wurde – auch bei Kindern aus Südkorea.
00:02:03: Die südkoreanische Wahrheits- und Versöhnungskommission kam zwei Jahre später ebenfalls zum Schluss das internationale Adoption zwischen.
00:02:18: Als Folge entzog die Regierung privaten Agenturen die Zuständigkeit für Adoptionen.
00:02:24: Für Joshua ändern diese Reformen an diesem Apriltag jedoch nichts.
00:02:29: Die Hitze drückt schwer, als Joshua Wirsch und seine Mutter das ehemalige Weisenhaus verlassen.
00:02:34: In ihren Rucksäcken sind alle Dokumente, die Joshua auf seiner Suche bisher gesammelt hat.
00:02:39: Die Dolmetscherin steht schweigend neben den beiden – sie hatte am Tisch ihr Gesicht abgewendet, als Joschua weinte.
00:02:46: Der Teenager hatte gehofft, ein Blick in Dokumente von früher zu erhalten.
00:02:51: Doch der Chef blieb stur.
00:02:53: Das sei nicht erlaubt zum Schutz der anderen Menschen die darin genannt seien.
00:02:57: Nun entschuldigt sich die Dolmetscherin dafür dass ihnen niemand helfen konnte.
00:03:02: Ich schäme mich das ihnen dies alles widerfahren ist sagt sie und schaut Ilona Wirsch an.
00:03:08: Ihre Geschichte ist unsere schmerzhafte koreanische Vergangenheit.
00:03:13: Joshua sagt nichts.
00:03:14: Er schultert seinen Rucksack, in dem Hunderte von Seiten liegen.
00:03:18: Aber heute weiß er nicht mehr als am Morgen!
00:03:21: Sie verabschieden sich – die Mutter fragt?
00:03:24: Wohin
00:03:25: jetzt?!
00:03:26: Sie wirkt auf einmal verloren.
00:03:28: Ob sie tatsächlich hier, im Ginaigu an der Südküste Koreas geboren ist, weiß sie nicht.
00:03:34: Der Ort löst keine Erinnerungen aus bei der einundsechzigjährigen Frau.
00:03:39: Süd-Korea schien lange aus ihrem Gedächtnis gelöscht.
00:03:43: Sie war vier Jahre alt, als sie von einem Ehepaar aus Freiburg adoptiert wurde.
00:03:47: Die ersten zwei Monate musste sie mit anderen adoptierten Kindern aus Südkorea in Quarantäne verbringen.
00:03:54: Wer koreanisch sprach, wurde geschlagen.
00:03:56: An diese Schmerzen erinnert sie sich heute noch.
00:03:59: Ihre Herkunft wurde ihr ausgetrieben und tauchte erst später vereinzelt wieder auf Im Geruch des Meeres in den ersten Familienferien auf Sardinien oder im Geschmack von Kimchi.
00:04:10: Doch Joshua sucht nicht nach Erinnerungen.
00:04:12: Er sucht nach Menschen.
00:04:15: Beim Laufen tippt er Nachrichten in sein Handy.
00:04:18: Wir treffen uns mit Xiong Hili.
00:04:19: Ilona.
00:04:20: Ich glaube, er holt uns beim Hotel ab.
00:04:24: Wer ist das schon wieder?
00:04:26: Ein Cousin dritten Grades?
00:04:28: Wobei eigentlich Deiner Komm einfach mit?
00:04:33: Für Joshua isst XionG Hili eine neue Spur für seine Mutter bloß ein weiterer Name.
00:04:39: Joshua trottet die Straße hinunter, tippt weiter Nachrichten in die Messenger-App, die sie in koreanische Zeichen umwandelt.
00:04:47: Seine Mutter läuft ihm hinterher.
00:04:49: So sind die Reisen in Südkorea immer verlaufen – der Sohn voraus, die Mutter hinterher!
00:04:54: Es ist seine Suche nicht ihre, doch die Spur, der Faden dem erfolgt, führt über
00:05:00: sie.".
00:05:04: Bist du in zwei Kulturen aufgewachsen?
00:05:07: Ganz klar….
00:05:08: Ich habe das Glück, meine leiblichen Eltern zu kennen und dadurch eine Identität zu haben.
00:05:13: Zwar voller Löcher wie ein Emmentaler aber immerhin etwas.
00:05:17: Deshalb ist es für mich einfacher in zwei Kulturen Zuhause zu sein.
00:05:21: Ein Heimatgefühl basiert nicht nur auf der DNA.
00:05:25: Meine Mutter fühlt sich mehr in der Schweiz zu Hause.
00:05:28: Zugehörigkeit wird durch Erziehung Erfahrung Und die Gesellschaft geprägt in der man aufwächst.
00:05:33: Als Kind kann man seinen Umfeld nicht frei wählen.
00:05:36: Es wird einem aufgezwungen.
00:05:39: Wie viel Zeit und Geld darf man investieren in die Suche nach der Herkunft?
00:05:43: Wenn ein Enkel nach den Wurzeln der Großeltern sucht, fehlt ein Zwischenschritt.
00:05:49: Die Lehrstelle gibt Joshua keine Ruhe!
00:05:53: Wieviel Hoffnung darf ein Teenager haben seine Großelter zu finden, die vielleicht längst tot sind?
00:05:58: Zumindest in seinen Träumen begegnete er ihnen bereits.
00:06:02: Manchmal nehmen sie ihn freudig in die Arme.
00:06:05: Manchmal verschränken Sie die Armee.
00:06:09: Lehre und Traurigkeit.
00:06:12: Joshua war vierzehn Jahre alt, als er anfing nach ihnen zu suchen.
00:06:16: Mittlerweile ist er bereits zum sechsten Mal in Südkorea.
00:06:20: Das erste Mal reiste er im Herbst-Zweitausendzweiundzwanzig hin – ebenfalls in Begleitung seiner Mutter, später auch mit seinem Vater der Schweizerist.
00:06:29: Joshuas asiatische Herkunft ist nicht zu übersehen und sie blieb nicht unkommentiert vor allem nicht im Fünftausenddreihundert Seelendorf Sachseln im Kanton Obwalden.
00:06:40: In der Schule wurde er Der Asiate genannt.
00:06:43: Solche Kommentare hätten ihn verunsichert, sagt er.
00:06:47: Ich fühle eine Lehre und eine Traurigkeit.
00:06:50: Wenn mich jemand fragt woher ich komme dann weiß ich die Antwort nicht.
00:06:54: Das macht mich fertig.
00:06:56: Auf seinen Korea-Reisen habe er plötzlich Neid gefühlt.
00:06:59: Neid auf die Menschen die ganz selbstverständlich zu dieser Gesellschaft gehören Junge Menschen die koreanisch sprechen und wissen wie man sich beim Herstailisten Die neue Frisur eines Kpopstars bestellt die im Restaurant die Karte lesen können und die Schärfe von Jukai Zhang und Theok Boki vertragen, Menschen, die wissen woher sie kommen.
00:07:19: Zu Beginn seiner Suche schrieb Joshua dem Kinderhilfswerk Terre des Omm das die Auslandsadoptionen in der Schweiz abwickelte.
00:07:27: Zwei Monate später reiste er mit seiner Mutter nach Lossan um ihre Papiere abzuholen.
00:07:32: Dort erfuhr er vom Verein Donggari, der in den neunzehn-neinziger Jahren für Adoptierte aus Korea gegründet wurde nachdem eine adoptierte Suizid begangen hatte.
00:07:43: So fing sein Korea Project an.
00:07:46: von seinem Kinderzimmer aus begann er am anderen Ende der Welt seine Großeltern zu suchen.
00:07:51: Er kontaktierte Medien TV Stationen und Politikerinnen.
00:07:55: er machte einen Professor ausfindig der zum Thema forscht und schrieb ihm mehr als zweihundert Mails.
00:08:01: In Korea organisierte er Fernseh- und Radioauftritte.
00:08:04: Er verteilte Flugblätter, und überredete seine Mutter DNA Proben abzugeben.
00:08:10: Drei Monate später wurde ihr per Mail mitgeteilt – es gebe keinen Treffer!
00:08:15: Getestet wurde allerdings nur auf Eltern nicht auf weitere Verwandte.
00:08:19: Doch Joshua gibt nicht auf.
00:08:22: Seine Mutter spricht inzwischen von Ferien in Afrika von Orten die nichts mit Korea zu tun haben.
00:08:28: Diese Reise soll die letzte sein für sie.
00:08:30: Sie sagt es immer wieder.
00:08:32: Joshua ignoriert das!
00:08:34: Die Suche nach seinen Großeltern beginnt bei seiner Mutter und endet vielleicht auch bei ihr.
00:08:39: Zitat?
00:08:41: Joshua, kannst du dir vorstellen in Korea zu leben?
00:08:45: Vielleicht temporär.
00:08:46: Korea ist ein sehr trauriges Land so eine hohe Suizidrate.
00:08:51: In Seoul wohnst du im Hochhaus kennst nicht einmal deinen Nachbarn Du arbeitest bis du stirbst kämpfst ständig um deine Stellung.
00:08:59: Viele Junge wollen nur raus.
00:09:01: Ich kann mir nicht vorstellen, in Südkorea zu leben und fühle mich dort dennoch zu einem gewissen Teil Zuhause.
00:09:09: Heimat und Fremde sind für ihn der gleiche Ort Erkennt koreanische Fernsehserien verfolgt.
00:09:14: die Politik des Landes war mehrmals Dort.
00:09:17: Trotzdem braucht er bei fast jedem Gespräch eine Übersetzung.
00:09:21: Vor dem Hotel in Jinhaegu fährt ein dunkles Auto vor.
00:09:25: Ein Mann im Anzug und mit Sonnenbrille steigt aus.
00:09:29: Es ist Siong Hili ein Cousin Dritten-Grades von Ilona Wyrsch.
00:09:34: So zumindest bezeichnet Joshua den Koreaner, der ihm verlegen die Hand reicht.
00:09:38: Bereits im Herbst, zwei Tausend vierundzwanzig haben sich die beiden getroffen als Joshua mit seinem Vater in Südkorea war.
00:09:46: Annyeong Haseyo begrüßen sie ihn.
00:09:48: Guten Tag!
00:09:49: Sie steigen ins Auto.
00:09:52: Null Komma fünf drei Prozent DNA teilen Ilona Würsch und Seong Hee Lee ihr erster Blutmatch.
00:09:58: Zum ersten Mal scheint der Faden sichtbar zu werden, dem Joshua folgt.
00:10:03: In der Hoffnung auf einen Zufallstreffer hatte Joshua seine Mutter überredet ihre DNA auch bei internationalen Anbietern einzureichen.
00:10:12: Daraus entstanden mehr als tausend Treffer wenn auch meist sehr tiefprozentige.
00:10:17: Dennoch schrieb Joshua jede einzelne Person im Namen seiner Mutter an so auch Xiong Hi Li.
00:10:23: Dieser antwortete nicht.
00:10:25: Joshua stieß schließlich auf der DNA-Plattform, auf ein Foto von Xiong Hili und fand mithilfe einer Gesichtserkennungsseite heraus das dieser in Jinhai Gu lebt.
00:10:35: Also dort wo auch das Weisenhaus seiner Mutter stand.
00:10:39: Über einen bekannten gelang es ihm ein Treffen zu arrangieren.
00:10:42: Die Autofahrt endet zwanzig Minuten später vor einem großen Haus am Waldrand.
00:10:48: Eine Frau mit kurzen Haaren steht im Garten.
00:10:50: Es ist Namsun Li die Ehefrau von Xyeong Hili.
00:10:54: Sie bittet die Gäste zu Tisch.
00:10:56: Du hast ein südliches Gesicht, sagt sie zu Ilona
00:10:59: Würsch.".
00:11:00: Genau wie ich!
00:11:03: Joshua überreicht den Gastgebern Tee- und Schokoladenherzen.
00:11:07: Er hat gelesen dass man in Korea nicht mit leeren Händen zur Besuch kommt.
00:11:11: Nam Sun Lee bestellt Free Chicken nachdem sie Joshua gefragt hat was er am liebsten esse.
00:11:17: Sionghi Lee sagt er sei tief betroffen von Ilonas Geschichte.
00:11:23: Ich halte Blutsverwandtschaft für sehr wichtig und da ich nur ein Jahr älter bin als Ilona, fühle ich mich mit ihrer Geschichte sehr verbunden.
00:11:32: Es klingelt an der Tür!
00:11:34: Ein kleiner runder Mann tritt herein setzt sich an den Tisch und breitet einen Stapel Dokumente aus.
00:11:40: Die drei unterhalten sich auf Koreanisch.
00:11:42: Immer wieder fällt das Wort Jokbo Stammbaum.
00:11:46: Auf den Blättern entstehen bunte Linien Namen Verbindungen.
00:11:50: Joshua beobachtet alles, versteht aber kaum ein Wort.
00:11:55: So, sagt Xiong Hili irgendwann Wir haben eine Vermutung wer deine Familie sein könnte.
00:12:02: Es ist eine sehr gute Familie.
00:12:04: Dein Vater wäre ein Arzt.
00:12:06: Er erklärt dass der Mann mit den Dokumenten sich mit der Ahnenforschung auskenne Aber weder den Namen des Arztes kenne noch wisse ob er noch lebe.
00:12:15: Er werde versuchen dies herauszufinden.
00:12:18: Ein Durchbruch?
00:12:20: Joshua und seine Mutter schauen sich an.
00:12:22: Zum ersten Mal überhaupt scheint die Suche eine Richtung zu bekommen.
00:12:27: Vielleicht will eure Familie nicht gefunden werden, sagt Siong Hili.
00:12:32: Wer gefunden werden will sucht selbst.
00:12:34: Adoption ist in Korea ein dunkles Kapitel.
00:12:37: Viele schweigen.
00:12:38: Fragt euch was es für eine Mutter bedeutet ihr Kind wegzugeben.
00:12:43: Bitte kehrt oft nach Korea zurück, sagt Namsun Lee.
00:12:46: Wir können eure Familie sein Doch Joshua sucht nicht irgendeine Familie.
00:12:52: Er sucht seine Familie!
00:12:54: Mittlerweile weiß er, dass ein Treffer allein dafür nicht genügt – doch von den tausend Menschen die er auf der Plattform angeschrieben hat, hat nur eine Handvoll geantwortet….
00:13:05: Die Ängste Verwandte.
00:13:08: Elisabeth Warren gehört zu denen, die nicht geantwortete haben.
00:13:12: Dabei ist sie die ängste verwandte, die Joshua auf seiner Suche je gefunden hat.
00:13:16: Sie teilt ein Prozent ihrer DNA mit Ilona Wirsch Doch sie antwortet nicht und war auf der Plattform zuletzt zwei tausend neunzehn eingelockt.
00:13:25: Joshua durchforscht das Internet, schreibt Dutzende von Elizabeth One an – vergeblich!
00:13:31: Auf der Autofahr zurück ins Hotel schweigt Joshua.
00:13:35: Seine Mutter schaut ihn immer wieder an.
00:13:37: Sie selbst habe nie das Bedürfnis gehabt ihre Eltern kennen zu lernen, sagt Ilona Würsch.
00:13:43: Als sie schwanger geworden sei habe sie nicht darüber nachgedacht, dass ihre Adoption Yoshua's Leben einst so bestimmen würde.
00:13:51: Das werfe ich mir heute vor!
00:13:53: Dass sich so naiv – vielleicht auch ignorant war?
00:13:57: Am nächsten Tag unternehmen Joshua und seine Mutter einen Ausflug zu den Königsgräbern der Joseon-Dynastie.
00:14:03: Eingeladen wurden Sie von Doheun Kwak, der vor eineinhalb Jahren eines der Flugblätter entdeckt hatte die Joshua in Jinhaigu aufgehängt hatte.
00:14:12: Neben Bildern seiner Mutter als Baby, als Kleinkind und als erwachsene Frau stand darauf?
00:14:18: Ich arbeite als Musiklehrerin.
00:14:20: Derzeit lebe ich im Kanton Obwalden in der Schweiz.
00:14:23: Ich würde sehr gerne meine biologische Familie finden!
00:14:26: Für entscheidende Hinweise gebe es eine Belohnung von einer Million Wonnen – etwa fivehundertsiebzig Franken.
00:14:34: Doeun Quack ist mit einer Schweizerin verheiratet und lebte eine Zeit lang in Luzern.
00:14:39: Ich dachte mir dass ich den beiden zumindest ihre Heimat zeigen kann sagt er.
00:14:44: Auch wenn sie ihre Familie nicht finden können!
00:14:47: Seither sind Sie in Kontakt, Joshua hat ihn als Onkel Dona auf dem Handy abgespeichert.
00:14:53: Beim Abendessen will Doeun Kwak Joshua das koreanische Gericht erklären, dass er bestellt hat – bulgogi Das wickelt du in die Salatblätter ein.
00:15:02: und ist es dann so.
00:15:04: Joshua?
00:15:05: Das weiß ich natürlich.
00:15:07: Doeon Kwak Manchmal habe ich das Gefühl, dass Du mehr über Korea weißt Joshua.
00:15:15: Ich muss doch meine Wurzeln kennen!
00:15:18: Ich habe dir noch nicht erzählt, dass ich die ganze Nacht lang auf meinem Handy die koreanischen Nachrichten geschaut habe als Präsident Jun Suk Yol im Dezember-Zweißen vierundzwanzig das Kriegsrecht ausgerufen hatte.
00:15:30: Doeun Kwak.
00:15:33: Ich erinnere mich auch an deine Frisur beim letzten Mal.
00:15:37: Da hast du dir die Haare so geschnitten wie alle Teenager in Korea.
00:15:42: Joshua fühlt sich Korea zugehörig Aber Korea kann ihm nicht sagen, wohin er gehört.
00:15:47: Am nächsten Morgen fährt Doeun Kwak die beiden zur Bushaltestelle in der nächstgelegenen Stadt.
00:15:54: Er überreicht Joshua einen Umschlag mit einem Brief und fünfzigtausend Wonn umgerechnet rund dreißig Franken.
00:16:01: Die Tradition wolle es so dass der Onkel dem Neffen bei der Verabschiedung etwas Geld mit auf den Weg gebe sagt Doeunt Kwak Weißt du Joshua?
00:16:10: Das ist vielleicht nicht das was Du hören willst Aber die Familie, die wir uns im Laufe unseres Lebens aufbauen ist wichtiger als die Familie in die wir hineingeboren werden.
00:16:20: Im Bus nach Seoul erzählt Joshua von einer seiner Lieblingsserien.
00:16:24: eine Südkoreanerin gerät beim Paragliding in einen Sturm und wird nach Nordkorea geweht.
00:16:30: eigentlich sei es ja ein totaler Unsinn sagt Joshua und lacht aber halt auch sehr koreanisch.
00:16:36: was findet er koreanische an sich selbst?
00:16:39: ich fühle mich dem Essen verbunden sagt er Aber auch dem koreanischen Verhalten.
00:16:46: Ihm gefalle die Bali-Bali Kultur, diese südkoreanische Mentalität Dinge ohne Verzögerung zu erledigen Dieses schnell schnell das den Alltag Die Arbeit und selbst den Straßenverkehr prägt.
00:16:59: Dort wirke auch seine Mutter besonders koreanisch.
00:17:02: Sie ist eine aggressive Autofahrerin.
00:17:06: Die Büros der Hold International Children's Services liegen an einer viel befahrenen Straße im Stadtteil Mapo-Gu in Seoul.
00:17:14: Joshua und seine Mutter sind direkt vom Busbahnhof hierher gekommen, Rucksäcke auf den Rücken die Koffer hinter sich herziehend.
00:17:22: Bereits vor einem halben Jahr hat Joshua den Termin vereinbart um die Akten seiner Mutter einzusehen.
00:17:27: Hold vermittelte Ilona Wirsch vor knapp sechszig Jahren in die Schweiz.
00:17:32: Im Eingangsbereich steht über einem Foto von lachenden Kindern auf Englisch.
00:17:37: Alle Kinder sind schön, wenn sie geliebt werden!
00:17:40: Eine Mitarbeiterin kommt ihnen entgegen, schüttelt den Kopf und verdeckt mit der Hand ihr Namensschild.
00:17:46: Weder die Journalistin noch die Fotografin dürfen beim Treffen dabei sein – Sie wird später verlangen dass die Fotografin ihre Fotos löst, die sie von Joshua und seiner Mutter im Eingangsbereich gemacht hat Die knappe Stunde im Sitzungsbüro ist für Joshua Zeitverschwendung, da er keinen Einblick in weitere Dokumente erhält.
00:18:05: Dafür Geschenke.
00:18:06: Essstäbchen – eine Flagge von Korea sowie einen Magnet.
00:18:11: Joshua ist enttäuscht.
00:18:13: Wieder steht jemand zwischen ihm und seiner Geschichte.
00:18:16: Das abweisende Verhalten der Holt-Mitarbeiterinnen hat einen Grund.
00:18:21: In den letzten Jahren haben in Südkorea geborene Adoptierte die Regierungen und Adoptionsagenturen, darunter Holt wegen illegaler Aktivitäten im Zusammenhang mit Adoptionen angeklagt.
00:18:33: Am selben Abend erhält Joshua eine Nachricht von Seongilie dem Cousin Dritten Grades.
00:18:39: Joshua solle die Suche doch ruhen lassen, schreibt er ihm.
00:18:44: Zugang blockiert – das kommt für ihn aber nicht infrage!
00:18:49: Ein anderer der nicht aufgegeben hat ist Peter Müller.
00:18:53: Er wurde nelzehnhundertvierundsiebzig als Baby von Südkorea nach Dänemark adoptiert und ist heute bekannt für seine Anstrengungen südkoreanische Auslandsadoptionen aufzuarbeiten.
00:19:04: Als er feststellte, dass seine eigenen Akten widersprüchliche Angaben enthielten, begann er auch die Dokumente anderer Betroffener zu untersuchen.
00:19:12: Gemeinsam mit anderen Adoptierten gründete er die Danish Korean Rights Group.
00:19:17: Die Organisation schaffte es, dass die Südkoreanische Wahrheits- und Versöhnungskommission eine Untersuchung einleitete.
00:19:25: Nun geht Müller Seite für Seite Joshuas Dokumente durch.
00:19:29: Es gibt Menschen, die ihn nicht besonders mögen.
00:19:32: Vielen Koreanerinnen ist er zu laut, zu direkt, zu unkonventionell So gar nicht koreanisch.
00:19:39: Er schnauft laut und erklärt Joshua Diese Dokumente seien alles nur Übersetzungen und gefälschte Ersatzdokumente, nicht die echten koreanischen Adoptionsunterlagen.
00:19:49: Diese existierten vermutlich seien aber bewusst zurückgehalten worden.
00:19:54: Das Ministerium für Gesundheit und Soziales, die Adoptionbehörden und die Agenturen blockierten weiterhin alle Versuche von Adoptierten Zugang zu ihren Unterlagen zu erhalten.
00:20:11: Das muss jetzt aufhören.
00:20:12: Deshalb reichen wir weitere Klagen ein, um den Druck auf die Regierung zu
00:20:16: verstärken.".
00:20:18: In fünf Fällen", sagt Möller, habe sein Team Beweise dafür erhalten dass eine koreanische Agentur Kinder von ihren Müttern geraubt haben.
00:20:26: In einigen Fällen sei der Mutter gesagt worden ihr Kind seit Tod geboren wurden.
00:20:30: Die Vorwürfe untersucht Möllers Organisation gemeinsam mit Ärztinnen.
00:20:35: Ilona Wirsch schaut entsetzt.
00:20:37: Ich hatte keine Ahnung, wie groß das Ausmaß des Betrugs ist", sagt sie.
00:20:42: Was Joshua auf seiner Suche realisiert hat – jede Information jedes Dokument jeder Test hat einen Preis.
00:20:50: Seine Suche nach seiner Herkunft ist für manche ein Geschäft.
00:20:54: Die DNA seiner Mutter hat er auch bei dreihundert fünfundzwanzig Kamera eingeschickt einer US-amerikanischen Organisation die Familien mithilfe von DNA Tests wieder vereinen will.
00:21:05: Joshua hatte die Organisation vor der Reise mehrmals kontaktiert, doch immer nur die Antwort erhalten – er müsse zuerst einen Mitgliederbeitrag von Achtzig Dollar bezahlen.
00:21:15: Nachdem er das gemacht hatte wurde ihm mitgeteilt man könne ihm nicht helfen.
00:21:20: Doch Joshua ließ nicht locker!
00:21:23: Da seine Mutter in ihren Akten Cha Il-Suk heißt hofft er ein Match mit einer Person namens Cha könnte zumindest beweisen dass ihr Name stimmt.
00:21:33: Im Geschäftsviertel von Seoul erwartet Miki Wu Flippen, Joshua und seine Mutter.
00:21:38: Sie ist selbst adoptiert und leitet den koreanischen Bereich der Organisation.
00:21:43: Am Tisch sitzen zwei Männer in dunklen Anzügen die dem Cha Clan angehören.
00:21:48: sie stehen auf verbeugen sich leicht.
00:21:50: Joshua verteilt seine koreanische Visitenkarte.
00:21:54: Warum sich alle hier versammelt haben scheint weder den Anzugträgern noch Joshua und seiner Mutter klar zu sein.
00:22:01: Miki Wu Flippen erzählt, wie schwierig es ist, Koreaner zu motivieren einen DNA-Test zu machen.
00:22:08: In der koreanischen Gesellschaft ist die Blutsverwandtschaft sehr stark verankert, sagt sie.
00:22:13: Ein DNA-test kann familiäre Geheimnisse offenlegen – Affären oder außerähliche Kinder.
00:22:19: Viele ältere Generationen fürchten daher, dass ein Test nicht nur ein verlorenes Kind identifiziert sondern auch ihre Familie erschüttert.
00:22:28: Schuld und Verantwortung würden dadurch sichtbar gemacht.
00:22:32: Joshua aber erwartet viel weniger, er will nur wissen ob der Name seiner Mutter überhaupt stimmt.
00:22:39: Miki Wu Flippen fragt die beiden Herren, ob auch sie ihre DNA abgeben würden.
00:22:44: Einer öffnet den Mund für einen Wangenabstrich, der andere schüttelt den Kopf und verschränkt die Arme.
00:22:51: Zitat, Joshua bist du manchmal wütend auf deine Mutter weil sie nie nach ihren leiblichen Eltern gesucht hat?
00:22:59: Nein.
00:23:00: Sie hat ein Trauma und braucht Zeit, sich davon zu erholen.
00:23:04: Aber Unterstützung erwarte ich trotzdem – etwa bei Dokumenten was schon zu Konflikten geführt hat!
00:23:09: Es geht darum dass sie ihren Sohn unterstützt, nicht unbedingt die Suche.
00:23:14: Wichtig ist auch in südkoreanischen Medien präsent zu sein um Verwandte zu finden.
00:23:19: Doch Ilona sagte im Frühling Sie wolle lieber andere Länder bereisen, Korea gehe ihr auf den Keks.
00:23:30: Ohne ihre Unterstützung geht jedoch nichts.
00:23:34: Am Abend treffen sich die beiden mit Luise Lindberg Generalsekretärin von GOAL.
00:23:39: Die Organisation unterstützt Adoptierte, die ihre biologische Familie suchen nach Korea zurückkehren oder eine koreanische Staatsbürgerschaft erlangen möchten.
00:23:48: Nachdem Joshua auch hier Achtzig-Dollar-Mitgliederbeitrag bezahlt hatte, erfuhr er wenige Wochen vor seiner Reise das er bereits alles unternommen habe und man ihm nicht helfen könne.
00:23:59: Immerhin kann er nun die Generalsekretärin und eine Angestellte zum Essen treffen – doch der Abend verläuft enttäuschend!
00:24:06: Für Joshua klingt die Botschaft so «Hör auf zu suchen, du hast schon alles versucht».
00:24:12: Joshua verhasbelt sich mehrmals, als er am Tag darauf seinem Letzten in Korea vom Treffen berichtet an dem Medienschaffende nicht willkommen waren.
00:24:21: Er sitzt auf einer Bank im belebten Shoppingviertel von Sul und hält einen langen Fleischspieß in der Hand.
00:24:27: Die Organisation habe ihm nicht helfen wollen.
00:24:29: Stattdessen habe Luise Lindberg angeboten seine Tante zu sein.
00:24:33: Wenn du mir Achtzig Franken gibst bin ich auch gerne dein Onkel sagt Joschua.
00:24:38: Erst als er außer Hörweite ist, sagt seine Mutter.
00:24:45: Ich hoffe dass Joshua irgendwann loslassen kann!
00:24:48: Es gibt Dinge im Leben die man nicht ändern kann.
00:24:52: Tausend Fachtante.
00:24:56: Nach Yoshua's Abreise will ich Luise Lindberg schließlich doch in ein Interview ein.
00:25:01: In ihrem Büro hängen Fotos und Notizen von Adoptierten Danke das ihr mir geholfen habt meine Schwester zu finden steht auf einem Zettel Und auf einem anderen.
00:25:11: Ihr habt mir so viel gegeben.
00:25:13: Ich habe inneren Frieden gefunden, seit ich mehr über meine Herkunft und meine biologische Familie weiß.
00:25:19: Luise Lindberg erzählt, dass sie im Alter von zwölf Jahren nach Schweden gekommen sei.
00:25:25: Nach dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren habe sie beschlossen, nach Korea zurückzukehren um ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.
00:25:32: Als Mutter von Töchtern in ähnlichem Alter habe sie Joschoas Enttäuschung gut verstanden.
00:25:38: Während Korea für ihre eigene Familie stets präsent gewesen sei, habe Joshua diese Verbindung nicht gehabt.
00:25:45: Für ihn sei Korea eine fremde Welt in der er auf viele verschlossene Türen treffe.
00:25:50: Deswegen habe sie ihm geraten die Suche ruhen zu lassen.
00:25:53: Stattdessen solle er eigene Erinnerungen in Korea schaffen.
00:25:57: Er muss an Orte gehen, Gerichte essen, Menschen kennenlernen und diese Reise zu seiner eigenen Reise machen.
00:26:04: Sie bietet deswegen allen Suchenden an dass sie ein Familienersatz sein könne.
00:26:10: Ich bin bestimmt schon tausendfache Tante, ich sage zu allen die keine befriedigenden Antworten finden – ich kann deine Tante sein, deine Schwester sogar deine Mutter!
00:26:19: Was auch immer du gerade brauchst, Hauptsache du fühlst dich nicht
00:26:23: allein.".
00:26:25: Kurz nach seiner Rückkehr in die Schweiz berichtet Joshua von neuen Ideen.
00:26:29: Mit einem Wagen langsam durch Jinhai Gu fahren.
00:26:32: aus Lautsprechern in Dauerschleife verkünden er Sucheverwandte Auf Instagram, YouTube und koreanischen sozialen Netzwerken Werbeposts kaufen um den Fall von Cha Il-Suk zu präsentieren.
00:26:47: Auf Instagram laufe bereits ein Testversuch mit ganz kleinem Budget.
00:26:52: Sponsoren suchen um eine große Anzahl von Flyern zu drucken und diese in alle Haushalte in Jinhai Gu zu verteilen.
00:27:00: Flyer für Schulkinderdrucken.
00:27:02: Kooperationen mit Schulen eingehen damit die Kinder diese Flyer den Eltern zu Hause abgeben können.
00:27:09: Ein Crowdfunding-Starten, um die Suche zu finanzieren.
00:27:12: Zitat Joshua Wie sieht deine ideale Beziehung zur Korea aus?
00:27:18: Meine Traumvorstellung ist Blutsverwandte zu finden!
00:27:21: Wichtig ist dass man alles versucht hat.
00:27:24: Es gibt immer neue Möglichkeiten.
00:27:26: Ich werde Korea noch viele Male besuchen.
00:27:28: Dort sind meine Wurzeln, meine Identität und ich fühle mich dort ein Stück weit Zuhause.
00:27:35: Auf Yoshua's Suche nach seinen leiblichen Großeltern hatte sich der unsichtbare Faden auch mal verheddert.
00:27:42: Manchmal drohte dieser zu reißen, wenn Akten unter Verschluss blieben oder Menschen ihm rieten die Suche zu beenden.
00:27:49: Manchmal wurde er weitergesponnen weil jemand plötzlich sagte Ich bin dein Onkel.
00:27:55: Für Joshua ist das nicht genug.
00:27:58: Diese Ersatzfamilien sind Auffangstationen während der Reise, die danach wieder aus meinem Leben verschwinden.
00:28:05: Vielleicht.
00:28:06: Und doch sind genau sie es, die den Faden bis heute nicht abreißen lassen.
00:28:10: Menschen findet Joshua auf seiner Reise viele – Antworten kaum!