Auf Augen­höhe mit Sex­arbeiterinnen

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00:00:05: Zwei Ausstellungen in Zürich und Bonn widmen sich dem womöglich ältesten Gewerbe der Welt.

00:00:10: An beiden Orten haben Vertreterinnen der Branche mitgewirkt, und kommen ausführlich zu Wort – so wie sie es seit Langem fordern!

00:00:19: Auf Augenhöhe mit Sexarbeiterinnen.

00:00:22: Ein Beitrag von Brigitte Hörlehmann vorgelesen von einer synthetischen Stimme Hand aufs Herz.

00:00:29: Wann haben Sie sich letztmals mit einer Sexarbeiterin unterhalten?

00:00:33: Sich mit ihr zu einem Kaffee getroffen, im Fitnesscenter gemeinsam handeln gestemmt eine Kinderparty organisiert oder besprochen – wer wann bei wem während der Ferienzeit die Pflanzen gießt.

00:00:45: Und die Katze füttert?

00:00:47: Halt einfach Kontakt gepflegt wie das unter Nachbarinnen, Freunden oder Kolleginnen üblich ist?

00:00:53: Wer nicht in der Erotikbranche oder für eine entsprechende Fachstelle arbeitet wird sich vermutlich über die Frage wundern und mit einem noch nie passiert Antworten!

00:01:03: allenfalls indigniert die brauen Heben.

00:01:06: Denn ja, Helas!

00:01:08: Sexarbeit mag in der Schweiz seit nineteenhundertzweiundvierzig ein legales Gewerbe sein, stigmatisiert und ausgegrenzt sind die Berufsleute bis heute.

00:01:19: Kaum eine und kaum einer von ihnen wird es wagen hinzustehen und in aller Selbstverständlichkeit zu sagen hey ich mache Sexarbeit das ist mein Beruf nicht mein Daseinszustand.

00:01:30: Daneben bin ich Mutter, Vater, Tochter, Sohn, Bruder, Schwester, Hundehalterin, Jogger und Hobbyköchen oder eben deine Nachbarin und dein Freund.

00:01:39: Derzeit gibt es eine gute Gelegenheit mit Sexarbeiterinnen in zwei Ausstellungen in Zürich und Bonn Kontakt aufzunehmen.

00:01:46: Das mag zwar nicht indirekte Gespräche und Begegnungen münden aber die Sexarbeiterin das unbekannte Wesen näher bringen.

00:01:54: Wir haben die Chance ihnen zuzuhören, ihre Namen und Gesichter kennenzulernen mit wenigen Ausnahmen von ihrem Arbeitsalltag, ihrem Leben, ihren Wünschen Hoffnungen und Träumen zu erfahren.

00:02:07: Und von dem was sie belastet Was nicht wenig ist!

00:02:12: Und um das gleich vorwegzunehmen Die Ausgrenzung, die horrenden Mieten und die vielen Sonderregeln mit denen Sie konfrontiert werden stehen zu oberst auf der Sorgenliste.

00:02:23: Das gilt für die Sex-Workers in der Schweiz, wie auch in Deutschland.

00:02:27: Von Ausbeutung bis Aufstand.

00:02:31: Die Bundeskunsthalle in der Stadt Bonn zeigt bis Ende Oktober, im Jahr ist eine Kulturgeschichte der Sexarbeit.

00:02:39: Thematisch geht es von der Antike bis in die Gegenwart – von der Ausbeitung bis zum Aufstand, von der einflussreichen Kurtisane bis zur illegalisierten Migrantin vom Edelbordell bis ins Konzentrationslager der Nazis, von Bürokratie, AIDS-Prävention, Polizei Razzia – bis hin zur nie endenwollenden Party.

00:03:01: So breit wie das Themenspektrum ist in Bonn die Art der Präsentation.

00:03:04: Raum für Raum birgt Überraschungen unerwartetes und neue

00:03:08: Herangehensweisen.".

00:03:10: Hier die Ölgemelde alter Meister oder die Tongefäße aus den Jahrhunderten vor Christus, da die Skizzen, Karikaturen, Quills, Fotografien und Installation von Künstlerinnen der jüngeren Generation kombiniert mit Originaldokumenten aus fast jeder Epoche.

00:03:26: Wer genug Muße und Zeit mitbringt sollte sich die diversen Film- und Videovorführungen nicht entgehen lassen Also jener Sexarbeiterin zuhören, die in einem deutschen Kellerraum euphorisch Akte um Akte stapelt und stempelt.

00:03:39: Und alles einfach alles über die Regulierung des Gewerbes weiß wie es früher war und heute ist und dass sich die Geschichte ständig wiederholt.

00:03:48: oder der Transfrau zusehen, die uns erklärt was die Herausforderungen sind wenn man im knallengen Latexanzug und mit High Heels per Velo zur Kundschaft fährt Oder in den Pariser Bois de Boulogne reisen, dort Frauen, Männern und Transpersonen in ihren notdürftig errichteten Hütten, Zelten oder ihren Minibussen begegnen.

00:04:08: Der Wald bedeutet Freiheit, sagt eine Sexarbeiterin – nachts aber werde es gefährlich!

00:04:18: Parallel zur Ausstellung in Bonn zeigt das Landesmuseum in Zürich, in seiner Veranstaltungsreihe Erfahrungen Schweiz bis Ende April, twenty-sevenundzwanzig mit einem dreimonatigen Unterbruch für die alljährliche Krippenausstellung eine Videoinstallation mit elf Zeitzeuginnen Frauen und Männer, die in der Sexarbeit tätig sind oder tätig waren.

00:04:39: Sie sitzen auf einem Stuhl reden und schauen uns dabei direkt in die Augen Alle außer Andrea und Sarah, die wir nur als Stimme- und als Silhouette kennenlernen.

00:04:49: Andrea, achtundfünfzig Jahre alt erzählt wie sie als junge Mutter dringend einen Job brauchte der es ihr erlaubte daneben auch noch das Kind groß zu ziehen.

00:04:59: Die Arbeit im Bordell habe ihr das ermöglicht.

00:05:02: Sechs jahrelang arbeitete sie in verschiedenen Etablissements bis sie sich selbstständig machte.

00:05:07: Heute ist Andrea auf BDSM spezialisiert Auf Spiele mit Dominanz und Fesselungen vereinfacht gesagt.

00:05:15: Auch Sarah will anonym bleiben.

00:05:17: Sie sagt nicht als Einzige in dieser virtuellen Runde, ihre Familie wisse nichts von ihrem Beruf.

00:05:22: Eigentlich sind wir vor allem Psychologinnen – Wir sitzen stundenlang da und hören zu!

00:05:28: Claudette, Brigitte, Benjamin oder Judith zeigen ihr Gesicht.

00:05:33: Claudette ist als neunundachtzigjährige die älteste unter den Elfzeitzeuginnen.

00:05:38: Sie ist in Marokko aufgewachsen und wurde als Teenager von einer Freundin in die Sexarbeit eingeführt.

00:05:44: Sie sagte, sie werde mir einen Beruf beibringen auf den ich immer zurückgreifen könne.

00:05:49: Die Freundin sollte recht bekommen.

00:05:52: Als junge Frau kehrte Clodette zurück in die Schweiz studierte, heiratete und nahm als Fünfzigjährige die Sexarbeit wieder auf.

00:06:00: Gleichzeitig fing sie an sich für die Rechte der Sexworkers einzusetzen.

00:06:05: Man muss nicht die Sex Arbeit abschaffen sondern die Armut sagt Clodet aufrecht auf ihrem Stuhl sitzend.

00:06:11: Sie blickt streng und ernst wenn sie sagt Ich bin eine Sexarbeiterin, keine Hure, keine Prostituierte.

00:06:18: Merken Sie sich das!

00:06:21: Achtung – Sex.

00:06:24: Wir Zuschauerinnen und Zuhörer sitzen auf bequemen kreisförmig angeordneten Sofas im Erdgeschoss des Zürcher Landesmuseums mit Kissen im Rücken- und Kopfhörern auf den Ohren.

00:06:35: Wer alle Zeitzeugen erleben will es lohnt sich muss dafür rund fünfzig Minuten einplanen.

00:06:41: Es ist eindrücklich zu sehen, wie viele Menschen tatsächlich sitzen bleiben und sich sämtliche elf Testimonials anhören.

00:06:48: Darunter auffallend viele Frauen.

00:06:51: Eine neongelbe Triggerwarnung am Eingang des Raums klärt die Besucherinnen auf – Die Ausstellung zeige Inhalte, die verstörend wirken könnten.

00:07:00: Landesmuseumdirektorin Denise Tonnella sagt im Gespräch mit der Republik man versuche zu verhindern dass die Leute vom Thema überrascht werden oder sich gestört fühlen.

00:07:10: Wir wollen nicht, dass Familien mit Kindern unvorbereitet an der Sexarbeit-Ausstellung vorbeigehen.

00:07:17: Auch die Bundeskunsthalle in Bonn warnt vor ihrer Ausstellung Sexwork – sie enthalte explizite Darstellungen von Sexualität und Körperlichkeit – und empfiehlt einen Besuch ab sechzehn Jahren.

00:07:30: Zu viel Sex im ersten Stock?

00:07:32: Nope!

00:07:33: Denn im Erdgeschoss zeigte das Haus eine Werkschau des amerikanischen Fotografen Peter Huja bis zum Twanzigsten August.

00:07:39: Zwei Tausend Sechsundzwanzig mit allerdings sehr expliziten, erotischen bis pornografischen Aufnahmen.

00:07:45: Der Besuch der Ausstellung ist erst ab achtzehn Jahren empfohlen.

00:07:49: Die verantwortlichen Beiderhäuser in Bonn wie in Zürich haben ihre Sex-Work-Ausstellungen von Anfang an mit Sexarbeiterinnen konzipiert.

00:07:58: Nichts über uns ohne uns lautet eine der zentralen Forderungen von ihnen die fast überall und fast immer ignoriert wird auch dort wo der Job legal ausgeübt werden kann – wie in Deutschland und in der Schweiz.

00:08:12: Legal, aber in einem Korsett aus Gesetzen und Auflagen das immer enger geschnürt wird.

00:08:19: Ein Dschungel an Paragrafen.

00:08:22: Die Sexarbeiterinnen kämpfen sich durch Vorschriften die sich ständig ändern und alle paar Quadratkilometer anders aussehen.

00:08:29: In der Schweiz schießen kantonale und kommunale Prostitutionsgesetze wie Pilze aus dem Boden.

00:08:35: In Deutschland gilt das Prostituiertenschutzgesetz mit der Verpflichtung für alle Sex-Workers, sich zu registrieren regelmäßig für eine Gesundheitsberatung anzutraben und einen Hurenpass zu beantragen.

00:08:48: Einen Gesundheitscheck für Freier die allzu oft Sex ohne Gummi verlangen, verlangt keiner.

00:08:54: Für Etablissements gelten noch höhere Anforderungen.

00:08:58: Das, so die Anthropologin Laura Maria Agustín im Bonner Ausstellungskatalog habe zur Schließung von kleinen unabhängigen Einrichtungen geführt, die von Sexarbeiterinnen geführt wurden und begünstige die großen gewinnorientierten Bordelle.

00:09:13: Was stoßend ist – und nicht nur für Deutschland zutrifft – das Gesetz entstand ohne Einbindung der Betroffenen, die sich im Vorfeld dagegen mobilisierten wie es im Katalog heißt.

00:09:24: Ein weiteres Problem der Prostitutionsgesetzgebung beider Länder – Menschen ohne gültigen Aufenthaltstitel fallen durch die Maschen.

00:09:31: Sie werden gezwungen, die Sexarbeit heimlich auszuüben sind auf kriminelle Helfer und Unterstützer angewiesen, die in erster Linie schamlos abkassieren.

00:09:40: Gleichzeitig wagen es die illegalisierten kaum Hilfe bei der Polizei zu suchen.

00:09:45: sie wollen im Land bleiben so rasch wie möglich viel verdienen um ihre Kinder und Familien zu unterstützen, um vielleicht der einst im Heimatland den Neuanfang zu schaffen.

00:09:56: Das nordische Modell Tessa – eine der Zeitzeuginnen aus der Schweiz erzählt im Videogroßformat wie sie trotz absolvierter Hotelfachschule zur Working-Purwürde Schulden und Betreibungen am Hals hatte und sich deshalb für die Sexarbeit entschied.

00:10:12: Der Hauptunterschied zum früheren Job sagt sie sei.

00:10:15: das Stigma Für die Gesellschaft ist die Ausbeutung im Gastgewerbe okay Aber in der Sexarbeit nicht.

00:10:22: Hier arbeite ich jedoch viel selbstbestimmter, die einzige Ausbeutung, die ich erlebe sind die Mieten.

00:10:29: Einhellig wären sich die Frauen, die in Bonn und Zürich zu Wort kommen gegen das sogenannte nordische Modell, das in manchen Ländern Europas Einzug fand.

00:10:39: Es basiert auf einer Freier Bestrafung kombiniert mit Ausstiegshilfen für die Sexworkers.

00:10:45: Das hilft uns nicht, sagt Tessa, thirty-six Jahre alt.

00:10:49: Es drängt uns in den Untergrund.

00:10:52: Die Freierbestrafung ist ein riesiger Fehler, so eine französische Arbeitskollegin die sich in Bonn äußert.

00:10:59: Ausgerechnet linke und feministische Frauen wollen die Freier bestrafen – das ist unfassbar!

00:11:05: Was die Französin in ihrem kurzen Statement nicht weiter ausführt aber was im Kontext beide Ausstellungen klar wird, die Sexarbeiterinnen erwarten von den anderen Frauen Verständnis und Solidarität.

00:11:17: Es ist eine Binsenweisheit, dass die Prostitution auch dort ausgeübt wird und immer schon ausgeübpt wurde wo sie verboten ist unter massiv schlechten und gefährlichen Bedingungen für die Frauen.

00:11:30: Auch die Freierbestrafung ist am Ende des Tages nichts anderes als ein Berufsverbot.

00:11:35: Denn wie soll ein zweiseitiges Geschäft funktionieren oder erfolgreich sein wenn die eine Seite kriminalisiert wird?

00:11:43: Einseitige Testimonials Die Stellungnahmen der Berufsleute in Bonn und Zürich zum nordischen Modell sind unmissverständlich.

00:11:52: Aber sind solche Erfahrungsberichte einseitig und schön ferberisch?

00:11:56: Oder die beiden Ausstellungen zu unkritisch?

00:11:59: Blenden sie Ausbeutung, Menschenhandel, ein patriarchales Machtsystem aus?

00:12:05: In der Schweiz stört sich ein gutes Dutzend Organisationen nur schon am Ausstellungstitel wie Der Tagesanzeiger zu berichten weiß.

00:12:13: Sexarbeit so die Kritik, sei eine inhaltliche Stellungnahme und setze voraus dass Prostitution als Arbeit verstanden werde vergleichbar mit anderen Arbeitsverhältnissen.

00:12:25: Zu den Unterzeichnerinnen des Schreibens gehören vor allem evangelikale Organisationen plus drei von insgesamt siebzehn Frauenzentren der Schweiz.

00:12:34: Es war die US-amerikanische Sexarbeiterin Künstlerin und Aktivistin Carol Lee Die Ende der neunzehntsiebziger Jahre den Begriff sexwork prägte.

00:12:44: Li habe maßgeblich dazu beigetragen, die Debatte von moralischer Panik auf Arbeitsfragen und Menschenrechte zu verlagern und den Fokus auf Selbstwirksamkeit und Arbeitsbedingungen zu lenken heißt es im Bonner Ausstellungskatalog.

00:12:59: Und?

00:13:00: Sexarbeit sei eine Form von Arbeit – die unterschiedlichste Menschen ausüben um ein Einkommen zu haben.

00:13:07: Je nach Art-und-Grad der Privilegiertheit hätten sie mehr oder weniger Entscheidungsfreiheit darüber welcher Arbeit Sie nachgehen.

00:13:15: Liegen all die Frauen, Männer und Transpersonen, die sich an den Zürcher-und Bonner Ausstellungen über ihren Job äußern – falsch?

00:13:22: Weil sie die Legalität ihrer Tätigkeit und den Wunsch nach Entkriminalisierung betonen, sich nicht oder nicht ausschließlich als Opfer sehen?

00:13:30: Sondern sich aus unterschiedlichen Gründen für die Sexarbeit entschieden haben.

00:13:34: Wegen des Verdienstes der Flexibilität oder weil jede alternative schlechtere Bedingungen zur Folge hätte?

00:13:42: Abseits von Negativschlagzeilen!

00:13:45: Beide Ausstellungen legen ihren Fokus auf die legale Sexarbeit, ohne Ausbeutung und kriminelle Nebenerscheinungen zu verschweigen oder gar zu verharmlosen.

00:13:55: In Bonn wie in Zürich geht es in erster Linie darum, Sexarbeiterinnen kennenzulernen, die Diversität des Gewerbes zu erleben, abseits von Negativschlagzeilen.

00:14:05: Sex-Workers, die diskret und selbstbestimmt arbeiten schaffen es kaum in den Medien.

00:14:11: Bordell ausgehoben ist eine Meldung wert, Sexworkers verlieren Arbeitsplätze.

00:14:15: nirgends zu lesen.

00:14:17: Und überhaupt nicht jede Landwirtschaftsschau thematisiert die Ausbeutung ihrer Erntehelfer – die schlechten Arbeitsbedingungen, die miesen Löhne, die kriminellen Nebenerscheinungen wie Menschenhandel!

00:14:29: Ein solches Ausblenden wird kaum je hinterfragt, nicht so bei der Sexarbeit wo offensichtlich andere Maßstäbe gelten.

00:14:36: Bundeskunsthalle Intendantin Eva Kraus schreibt im Ausstellungskatalog, die Stigmatisierung des Metiers ist ein gesellschaftliches Problem.

00:14:45: Seine Kriminalisierung keine Lösung.

00:14:48: Landesmuseumdirektorin Denise Tunella sagt, Die Ausstellung zeige die legale Arbeit in all ihren Facetten.

00:14:54: Es gehe darum, jenen eine Stimme zu geben, die Teil der Schweiz sind.

00:15:00: In Zürich finden die Ausstellungsbesucherinnen an interaktiven Medienstationen eine Vielzahl an Informationen rund um die Sexarbeit, kurz knapp und übersichtlich zusammengestellt.

00:15:12: Hier werden Kriminalität und Ausbeutung durchaus angesprochen – zusätzlich zu den Aussagen der Zeitzeuginnen.

00:15:20: Vorspiegelung falscher Tatsachen.

00:15:23: Die Kolumbianerin Luna erzählt, wie sie von einer Freundin unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Spanien gelockt wurde und dort in einem Club landete.

00:15:32: Eingesperrt ohne Pass mit einem Schuldenberg den sie abzuarbeiten hatte.

00:15:36: Wie ist ihr Gelang sich aus dieser Situation zu befreien?

00:15:40: Und dass ihre Peiniger später gefasst und verurteilt wurden.

00:15:44: An den Medienstationen wird die Gesetzeslage in der Schweiz ebenso erläutert wie der Unterschied zwischen selbstbestimmter Sexarbeit und Ausbeutung Letztere in Form von Zuhälterei oder Menschenhandel, oder beidem zusammen was strafbar ist.

00:15:59: Sämtliche Sex-Workers die in Bonn und Zürich zu hören sind wären sich dagegen pauschal als Opfer in einen Topf geworfen zu werden.

00:16:08: Das stimmt einfach nicht sagt Judith im Landesmuseum.

00:16:11: Wir sind alle Einzelfälle.

00:16:13: Es sei das Stigma dass bei den Frauen in erster Linie zu Problemen führe.

00:16:18: Die einundsechzig-jährige begann aus Geldnot nach dem Konkurs ihres Ehemanns mit der Sexarbeit und bildete sich später zur Sexualbegleiterin aus.

00:16:28: Damit sind Frauen und Männer gemeint, die ihre Dienstleistung für behinderte oder betagte Menschen anbieten – was mit deutlich weniger Stigma verbunden ist als die Arbeit jener Berufskolleginnen, Im Genfer Prostituzionsgesetz ist explizit festgehalten, dass Sexualbegleiterinnen oder Assistentinnen nicht unter diesen Erlass fallen.

00:16:52: Roger, alt mit der Sexualität und an der Sexualität, erzählt wie er seit fünfzehn Jahren arbeite.

00:17:00: Anfänglich habe er sich Nicht-Sexworker genannt bis er BerufskollegInnen kennengelernt habe und im Gespräch mit ihnen merkte, dass sie das Gleiche machen wie ich.

00:17:09: Unsere Arbeit müsste auf die Therapeutenbasis gestellt werden.

00:17:13: Nicht-Regierungsorganisationen schätzen, dass hierzulande jährlich rund zwanzigtausend Sexarbeiterinnen tätig sind – die meisten davon neunzig Prozent, Zissfrauen und ohne Schweizer Pass.

00:17:25: Achtzig Prozent!

00:17:27: Wer fünfzig Minuten lang stillsitzen und zuhören mag und danach noch die Energie hat sich an den Medienstationen zusätzliche Informationen zu holen ist im Zürcher Landesmuseum am richtigen Ort.

00:17:44: Wer sich dem Thema lieber über Bilder, Filme, Kunst historische Riministenzen und Objekte annähert nimmt die Zugfahrt nach Bonn in Kauf.

00:17:53: Spaziert eine Dreiviertelstunde lang den Reihenufer entlang zum Museumsmeile und steigt in der Bundeskunsthalle die Treppe hoch in den ersten Stock Gut.

00:18:03: es gibt auch Stadtbahnen und einen Lift.

00:18:05: Ein roter Faden der Bonner Ausstellung Und ein diskretes vielsagendes Highlight sind die Objects of Desire.

00:18:13: Intendantin Eva Kraus schreibt, es handele sich um die Initiative und die anhaltende Recherche eines gleichnamigen Kollektivs, die in ein Sexwork-Archiv mündete.

00:18:25: Die Sammlung ist online zugänglich und wächst stetig.

00:18:30: Anhand solcher Objects of Desire erzählen Sexworkers aus der ganzen Welt von ihrem Leben, ihrem Arbeitsalltag, ihren Begegnungen.

00:18:39: Mal sind es Sneakers, von denen ein Sexarbeiter nicht genug bekommt und zu denen er frei mütig einräumt wie er für die neusten angesagtesten Modelle immer wieder mit Freude einen Haufen Geld ausgibt.

00:18:52: Mal ist es ein rotes Armbändchen, von dem eine Berufskollegin hofft dass ihr Glück bringen wird oder der Pelzmantel einer Großmutter, der einer Transperson hilft im kalten Norden nicht zu frieren.

00:19:08: Die Gegenstände erleichtern es den Sex-Workers, von sich zu berichten.

00:19:13: Für manche von ihnen eine ungewohnte Situation das sich andere Menschen für sie interessieren abseits der Dienstleistung die Sie anbieten.

00:19:22: Das Ihnen jemand zuhört – sie ernst nimmt!

00:19:26: Ihnen auf Augenhöhe begegnet und ganz wichtig mit Respekt.