Mixtape Freundschaft 5/5: Du gehörst nicht dazu

Shownotes

Es sind Beziehungen, die unser Leben prägen. Im Guten wie im Schlechten. Fünf Republik-Beiträge über die Freundschaft in der Vorgelesen-Sommerserie.

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Transkript anzeigen

00:00:05: Sie hören einen automatisch vorgelesenen Beitrag von Marie-José Collie.

00:00:10: Warum Menschen fürchten, ausgeschlossen zu werden?

00:00:14: Wie uns dieses Gefühl in die Arme von Autoritären treibt.

00:00:18: und ein Gegenmittel!

00:00:22: Du gehörst nicht dazu.

00:00:25: Der Pausenplatz meiner Primarschule war ein Mosaik aus Asphalt, Terrassen und Betontreppen.

00:00:31: Dort spielten die Buben einander Bälle zu und die Mädchen einander Wörter.

00:00:36: Grüblein für Grüplein redete beim Gitterzaun oder an der Wand, oder neben dem Gebüsch.

00:00:41: Das Grüblein meiner Klasse war klein – sechs Mädchen!

00:00:46: Aber an den meisten Tagen war es noch kleiner.

00:00:48: Ein Mädchen wurde jeweils ausgeschlossen.

00:00:51: Das bestimmte jene welche die Mädchen der Klasse anführte.

00:00:55: Wenn du ausgeschlossen warst, standst du abseits.

00:00:58: Saß das die anderen tuschelten, vernahmst böse Worte oder vermutetest sie allein.

00:01:06: Wer als nächstes ausgeschlossen würde, wusste man nicht.

00:01:09: Es konnte jede treffen – jederzeit, sechs Jahre lang!

00:01:14: Ich erinnere mich an die Garderobe wo wir uns nach dem Turnunterricht umzogen.

00:01:18: Sie lag fast vollständig unter der Erde.

00:01:20: Tageslicht fiel nur durch schmale Fenster auf uns herab.

00:01:24: Ein Mädchen duschte gerade im Nebenraum.

00:01:26: Ihre Unterhose lag auf der Gardrobenbank.

00:01:29: Die Anführerin stiftete ihre engste Freundin an in diese Unterhase zu schauen.

00:01:34: Hämisch zeigten sie sie herum.

00:01:37: Innen war sie nicht sauber, die Anführerin ließ das Spiel wochenlang wiederholen bis sie etwas anderes wollte.

00:01:45: Anderes Mädchen andere Grausamkeit.

00:01:49: Ich konnte mir lange nicht erklären warum genau Sie zur Anführerin wurde Studierte ich alte Klassenfotos stach sie nicht heraus und schulisch war sie weder brillant noch musste sie sich bemühen.

00:02:02: was sie sicher nicht auszeichnete ist ein Zug, der für die Evolution unserer Spezies als entscheidend gilt.

00:02:08: Freundlichkeit!

00:02:10: Heute verstehe ich besser wie Macht zustande kommt und wie jene die Macht haben sie behalten.

00:02:17: Ausgeschlossen zu sein war nicht schön.

00:02:20: Wenn du allein auf dem Pausenplatz standst wenn du in der Garderobe die anderen Kichern hörtest, wenn du an der Wandtafel einen Schimpfwort neben deinem Namen lasest wusstest du?

00:02:30: Du gehörst nicht dazu.

00:02:31: alle Anderen sehen zu Und keiner sagt etwas, um dich zu verteidigen.

00:02:36: Jede hat Angst als Nächste dranzukommen!

00:02:39: Diese Demütigung tritt ein gewaltiges Gefühl los.

00:02:43: Scham.

00:02:44: Wer sich schämt will eines unbedingt vermeiden – noch mehr Zuschauer.

00:02:49: Wer sich Schämt wird also still.

00:02:52: Scharm macht gefügig.

00:02:55: Angst macht gefügig.

00:02:58: So reiten sich die Mädchen meiner Klasse hinter der Anführerin ein.

00:03:02: Was in meiner Primarschule geschah war so destruktiv wie banal.

00:03:07: Es geschah und geschieht auf Schulhöfen der ganzen Welt!

00:03:11: Die Verknotung zwischen Macht-und Ohnmacht hat System, ein System das man auch bei Erwachsenen wiederfindet unter Akademikern und bei der Polizei in Unternehmen und in der Politik.

00:03:24: Ein Politiker, der schon als Kind ein Bulli war ist der neue alte amerikanische Präsident.

00:03:31: Erstens die größte Angst.

00:03:35: Er zog seine Mitschülerinnen an den Haaren und bewahrf sie mit Steinen- und Schimpfwörtern.

00:03:40: Dann lernte er, so nach unten zu treten, dass es nach oben aussah, als setzte er die Regeln der Schule durch.

00:03:49: Er lernte später, das er gar nicht freundlich zu sein brauchte um sich Loyalitäten zu erarbeiten.

00:03:54: Durch Einschüchterung waren sie schneller und müheloser zu bekommen.

00:03:59: Sein Mentor – der New Yorker Anwalt Roy Cohn – gehörte zu den Besten in diesem Metier.

00:04:04: Seine Kunden kauften sich bei ihm eine Drohkulisse, sagte Kohn einmal in einem Fernsehinterview.

00:04:10: Weil seine Gegner wüssten, dass sie allerlei furchtbare Konsequenzen zu erwarten hätten wenn Sie sich nicht fügten.

00:04:17: Sein Leben lang mobbte er Menschen und versuchte er Fakten zum Mobben, schrieb die BBC über ihn.

00:04:23: Mit ihm hat Donald Trump geübt nach der Macht zu greifen und sie festzuhalten.

00:04:28: Er hat die Sache so perfektioniert das der Widerstand in der Partei rasch schwand als er endlich durch den Türrahmen des Weißen Hauses schritt.

00:04:37: Sie sahen ihn nicht mehr als unappetitlichen Außenseiter, sondern als Anführer, dessen Licht auf sie abstrahlen würde.

00:04:45: Lange hatte ich mich gefragt wie zur Hölle das nur möglich war – dass sich fast alle Vertreterinnen der Grand Old Party innert weniger Monate hinter einen wie ihnen stellten.

00:04:58: und dann stieß mich ein Satz des republikanischen Abgeordneten Adam Kinzinger zurück auf den Pausenplatz meiner Kindheit.

00:05:06: Mehr als den tot fürchten Menschen nicht dazu zu gehören.

00:05:10: Kinzinger wusste, was es bedeutet dazuzugehören.

00:05:14: Er spielte mit den Kindern der Nachbarschaft verstecken bis der Sommerabend zur Nacht wurde.

00:05:19: Er gehörte zur lokalen Kirchengemeinschaft.

00:05:22: Er war sogar dabei, als die konservativen Christen erstmals nennenswert politische Macht erlangten.

00:05:28: Mit seinem Vater saß Kinziger in den vordersten Rängen, sich für eine gemeinsame Sache einzusetzen.

00:05:39: Wenige Jahre später würde die politische Organisation zu den Einflussreichsten der USA gehören.

00:05:46: Für politische Kampagnen begeisterte sich Kinzinger, wie andere Kinder.

00:05:50: für einen All-Action Fernsehshow schreibt er in seinen Memoaren.

00:05:55: Als Fünfjähriger hatte er aus dem Autofenster ein Gartenchild im Neon Pink, sagt er.

00:06:09: Als Jim Edgar in Illinois Gouverneur wurde, verkleidete sich der zwölfjährige Adam an Halloween als Jim Edgar.

00:06:17: Wenige Jahre später stand sein eigener Name auf Wahlplakaten.

00:06:21: Als Student gewann er die Wahl für den Bezirksrat.

00:06:24: Im Jahr Zwei Tausend Elf zog er schließlich in die nationale Politik ein – als Abgeordneter im Repräsentantenhaus.

00:06:32: Er kam im Fernsehen gut an und wurde zu einer der gewichtigsten republikanischen Stimmen Ab.

00:06:38: da sprachen ihn Leute vor der Tankstelle an und fragten, was er von einer Sache hielt, die sie am Vorabend bei Fox News gehört hatten.

00:06:47: Adam Kinzinger ist zweifellos einer, der beim Grüblein stehen und mitreden durfte – bis er und seine Kollegen im Kongress über ein Amtsenthebungsverfahren gegen den damals ehemaligen Präsidenten abstimmten, wenige Tage nachdem Donald Trumps Anhänger am sechsten Januar-Zweitausendundzwanzig das Kapitol attackiert

00:07:07: hatte.".

00:07:08: Kinzinger und neun weitere Sacken, ja zum Impeachment-Verfahren.

00:07:13: Hundertsiebenundneinzig Republikaner im Repräsentantenhaus sackten nein vier enthielten sich.

00:07:19: Damit wiederholten mehr als fünfundneunzig Prozent von ihnen still die große Lüge, die Trump seit der Präsidentenwahl vom Herbst zwei Tausendzwanzig herumschrie.

00:07:30: Die Wahlresultate seien Richt Joe Bidens Siegstolen – die Kapitolstürmer Very Special Und er?

00:07:38: der rechtmäßige Präsident.

00:07:41: Kinzinger gehörte nicht mehr dazu.

00:07:45: Nicht zu seiner Partei, nicht zu einem beträchtlichen Teil seiner Familie – nicht zu vielen seiner vermeintlichen Freunde!

00:07:53: Er habe nicht annähernd so viele davon wie er gedacht hatte, würde er später sagen.

00:07:59: Nach dem sechsten Januar hatte es zwar kurz ausgesehen als würde eintreffen was Kinziger erwartet hatte nämlich das, was Menschen unternehmen wenn sie schwer verkatert aufwachen begleitet nur mit einem T-Shirt und sich fragen, was haben wir letzte Nacht nur getan?

00:08:16: Sie kümmern sich um ihre Kopfschmerzen, trinken Wasser und kommen zur Besinnung.

00:08:21: Tatsächlich sagten die damaligen republikanischen Fraktionsvorsteher Kevin McCarthy fürs Repräsentantenhaus und Mitch McConnell für den Senat öffentlich Donald Trump sei zumindest teilweise für den Sturm aufs Kapitol verantwortlich.

00:08:36: Aber dann geschah, was vermutlich als Wendepunkt in die Geschichtsbücher eingehen wird McCarthy nahm seine Worte zurück und flog nach Mar-Alargo, um sich Trumps Unterstützung für die Zwischenwahlen zu sichern.

00:08:48: Damit war Kinzingers Hoffnung gestorben.

00:08:51: Du kannst einen Carter natürlich auch loswerden indem du wieder mit dem Trinken loslegst.

00:08:57: Die republikanische Kritik an Trump erstickte.

00:09:00: Viele Abgeordnete dankten Kinzinger zwar für sein Engagement aber diskret weil sie das selber nicht könnten Weil Sie die nächste Wahl und damit ihre Karriere verlören wenn sie sich äußerten, weil sie dann von einem Stück Identität Abschied nehmen müssten.

00:09:15: Von Kolleginnen und Freunden und Familienmitgliedern.

00:09:19: Sie hatten Angst um das Leben wie sie es kannten manche auch Angst ums Leben schlechthin.

00:09:25: vermutlich schämten sie sich dafür all das zu wählen statt den Mut.

00:09:30: also blieben sie still oder vertraten nach außen die Big Life an der gestohlenen Wahl.

00:09:37: Und so reiten sie sich ein.

00:09:40: Mitglieder der republikanischen Partei wandten sich selbstverständlich auch aufgrund anderer Ängste und Hoffnungen Donald Trump zu.

00:09:47: Finanzieller zum Beispiel, aber die Furcht davor ausgestoßen zu werden aus ihrer Gruppe hat sie an ihn gekettet!

00:09:55: Denn wer ausschärte riskierte seine Rechte seinen Status sein Vermögen seine Macht und seine Freunde.

00:10:02: das macht Angst Und diese Angst zerfrisst das Innerste unserer Seelen.

00:10:07: Sie führt zudem was Psychologen mentale Korruption nennen.

00:10:12: Es ist die erste Zutat, die eine demokratische Kultur in einer Autoritäre umformt.

00:10:19: Zweitens Wie man die Angst schürt?

00:10:23: Manche Grüblein haben lose Zulassungskriterien – jeder kann mitmachen!

00:10:27: Andere fordern von ihren Mitgliedern spezifisches Verhalten.

00:10:31: Autoritäre Anführer etwa wollen loyale Mitglieder.

00:10:36: Um deren Loyalität zu testen.

00:10:38: folgen sie gerne diesem Muster.

00:10:40: Sie lassen die Mitglieder öffentlich vorführen, dass ihnen die eigene Integrität weniger wert ist als jene des Anführers.

00:10:49: Im Januar zwei Tausend siebzehn sah eine große Menschenmenge dabei zu wie Donald Trump aufs Amt eingeschworen wurde.

00:10:56: Der Präsident behauptete nie zuvor seien so viele Leute zu einer Amts einführung auf die Nationalpromenade geströmt.

00:11:03: Kurz darauf publizierten Medienbilder die zeigten falsch.

00:11:07: Gerade erst der vorangehende Präsident hatte eine viel größere Menge mobilisiert.

00:11:12: Aber Trump brachte seinen Pressesprecher dazu, die falsche Behauptung zu bekräftigen und dieser brachte wiederum den zuständigen Nationalparkdienst dazu das zu tun.

00:11:21: Dann wiederholten treue Republikaner die offensichtliche Lüge – nicht weil sie alle zu dumm waren, die Bilder zu interpretieren sondern um ihre Loyalität gegenüber Trump zu bekunden.

00:11:34: bringt ein Anführer andere dazu für ihn zu lügen und dabei ihre Integrität öffentlich zu opfern, so kann er deren Loyalität ins Schaufenster stellen.

00:11:43: Je absurder die Lüge, desto größer die demonstrierte Macht!

00:11:48: Die Lügenden können sich anfangs um die Sache herumwinden in unterschiedlichen Kreisen, unterschiedliche Versionen einer Geschichte erzählen – dort zustimmen und hier durchblicken lassen, dass sie die Falschbehauptungen dort nur wiederholen weil sie eben müssen für die Partei, Aber wer seine Worte und seine Wahrheiten immer wieder anders verbiegen muss, lebt in ständiger kognitiver Dissonanz.

00:12:14: Langfristig ist das schwer auszuhalten – dann bleiben zwei Möglichkeiten!

00:12:19: Die Schwierigere?

00:12:21: Die Angst konfrontieren und die Konsequenzen hinnehmen, vermutlich Ausgrenzung erfahren und sein Leben auf den Kopf stellen dafür integer bleiben.

00:12:30: Die Leichtere sich selbst anlügen.

00:12:34: Man kann sich alles Mögliche einreden, wenn man sein eigenes Verhalten begründen muss", sagte Kinzinger zum Atlantik.

00:12:43: So korrumpiert man seinen eigenen Geist.

00:12:46: So weicht man sein Rückgrat Wirbel für Wirbel auf und so knüpft man das Band zu Grüblein-und Anführerinnen noch stärker.

00:12:56: Einer nach dem anderen macht einen Mitglieder von denen ich wusste dass sie Trump für einen boshaften Clown halten klar dass Sie zu hundert Prozent hinter ihm stehen schreibt Kinziger.

00:13:07: Der Machthaber kann die Angst vor Ausgrenzung immer wieder einmal anfachen, auch bei jenen, die gar nicht seinem Grüblein angehören wollen.

00:13:15: Präsident Trump tat das zum Beispiel als er beim erneuten Einzug ins Weiße Haus DOSCH gründete – dass Department of Government Efficiency um Verwaltung und dabei insbesondere Stellen abzubauen.

00:13:28: Elon Musk der «DOSCH» de facto leitete und sein Team taten das schnell, radikal und beliebig.

00:13:35: Bald war klar dass es fast jeden treffen konnte.

00:13:38: Verwaltungsangestellte mussten um ihren Job fürchten und damit um ihre Karriere, und ihre Existenz.

00:13:45: Es ging dabei aber um noch mehr – um die Raison Dettre, den Daseinszweck dieser Beamten, die das Ethos des politisch-neutralen öffentlichen Dienstes als Teil ihrer Wertehaltung vielleicht gar als Teil Ihrer Identität begreifen.

00:14:01: Wir wollen die Bürokraten traumatisieren, sagte Russell Woutt der Architekt von Project Twenty-Twenty-Five, der den Umbau der US-amerikanischen Regierung unter Trump geplant hatte.

00:14:12: Wenn sie am Morgen aufwachen wollen wir das Sie nicht zur Arbeit gehen möchten weil man sie mehr und mehr als Schurken betrachtet.

00:14:20: Was diese Menschen verstehen sollten?

00:14:23: Jederzeit können wir Dich aus Deiner Gruppe werfen!

00:14:27: Sie ist nichts wert – und Ihre Werte sowieso nicht.

00:14:31: Die Angst wird dazu führen dass in den Behörden mehr Die Präsidentenwahl zwanzigtausendzwanzig wurde gestohlen.

00:14:41: Und ja, die wahren Patrioten am sechsten Januar waren jene, die das Kapitol und die Politikerinnen darin angriffen.

00:14:48: Sie wird dazu führen dass Statistika unbequeme Daten fälschen, dass Leute bestimmte Wörter vermeiden und so bestimmte Identitäten leugnen.

00:14:56: Dass Menschen dabei zuschauen wie andere Menschen wegen ihrer Identität deportiert werden.

00:15:02: Auch wenn du nicht dem Grüpplein des Anführers zugehörst Wirst du so zu einer Komplizin?

00:15:08: Du wirst dich dafür schämen.

00:15:10: Und deine Stimme wird leiser werden!

00:15:14: Drittens, woher wir die Angst haben?

00:15:17: Menschen waren die längste Zeit Nomaden – das hat die Evolution unserer Spezies maßgeblich geprägt.

00:15:24: Jägerinnen und Sammler waren darauf angewiesen, zu ihrer Gruppe zu gehören.

00:15:29: Davon ausgeschlossen zu werden war lebensgefährlich.

00:15:32: Es verringerte auch drastisch die Chancen jemandem zu finden um Kinder zu zeugen und diese am Leben erhalten zu können, wer ausgegrenzt wurde dessen Gene würden mit ihm zusammensterben.

00:15:45: Wer also Angst vor Ausgrenzung hatte war evolutionär im Vorteil.

00:15:49: anders gesagt dazu gehören ist ein überlebenswichtiges Bedürfnis unserer Spezies.

00:15:57: heute sichert sie nicht mehr unser Überleben aber die angst vor dem sozialen Ausschluss treibt Menschen nach wie vor so an als täte sie das.

00:16:05: Physiologisch betrachtet reagieren wir darauf wohl ähnlich wie zu Zeiten, als noch Neandertaler herum liefen, wie die klinische Psychologin Erin Tone sagt.

00:16:15: Egal ob Ausschluss bedeutet das wir allein auf einer gefrorenen Ebene zurückbleiben oder dass wir nicht mit dürfen mit der Gruppe Die Kaffee bei Starbucks holt.

00:16:26: Als unsere Vorfahren schrittweise sesshaft wurden blieb die Zugehörigkeit zentral.

00:16:32: Aber nun lebte die Gruppe weniger eng zusammen.

00:16:35: Man erkannte nicht mehr zwingend jedes Mitglied am Gesicht.

00:16:39: Ebenfalls zu dieser Zeit vergrößerten sich die sprachlichen Unterschiede zwischen Gruppen, Dialekte drifteten auseinander.

00:16:47: Damit wurde deutlicher hörbar wer nicht zur Gruppe gehörte.

00:16:51: so erklären manche Linguistinnen diese Gleichzeitigkeit.

00:16:56: Wir Menschen sind unheimlich gut darin zu erkennen wer so redet wie wir selbst und wer nicht viel besser als aus heutiger Perspektive vernünftig scheint.

00:17:07: Aber Außenseiter erkennen zu können, war damals bedeutsam.

00:17:11: Innerhalb der eigenen Gruppe konnten Menschen solidarisches Verhalten erwarten.

00:17:16: Wer dagegen nicht zur Gruppe gehörte, war auch nicht ihrer sozialen Kontrolle unterworfen.

00:17:21: In gegenseitigen Beziehungen mit einem Fremden war das Risiko höher, dass er einen Gefallen nicht erwidern oder eine Schuld nicht begleichen würde.

00:17:31: Gruppe konnte schönes Bedeuten nach innen – Solidarität etwa Aber nach außen konnte sie bedrohlich sein und diskriminieren wie eine viel zitierte Bibelstelle über den Krieg zwischen den Stämmen Ephraim und Gilead illustriert.

00:17:46: Gileat besetzte die Nach-Ephraim führende Übergänge über den Jordan, Und wenn Ephraemitische Flüchtlinge kamen und sagten Ich möchte hinüber fragten ihn die Männer aus Gileath.

00:17:57: Bist du ein Ephraemiter?

00:18:00: Wenn er nein sagte forderten Sie ihn auf, sagt doch einmal Shibolei.

00:18:04: Sagt er dann Sibolet weil er es nicht richtig aussprechen konnte, ergriffen sie ihn und machten ihm dort an den Furten des Jordern nieder.

00:18:14: Anthropologisch betrachtet war es also günstig mit der Gruppe mitzulaufen – und so ist es auch nicht überraschend dass Bullis auf deutlich mehr dabeisteher zählen dürfen als Sie Menschen befürchten müssen die eine schikanierte oder ausgestoßene Person verteidigen.

00:18:30: Blieb den meisten von uns nichts anderes übrig als dabei zu stehen und zu nicken?

00:18:35: Seit die politische Philosophin Hannah Arendt in den Neunzehnsechzigerjahren, den Prozess gegen Adolf Eichmann beobachtet hatte und jenen der den Völkermord an den europäischen Juden geplant hatte als banalen Bürokraten beschrieben hatte betrachteten auch viele Psychologen solche Menschen durch die Brille der Banalität des Bösen.

00:18:56: Leute wie Eichman waren so betrachtet keine seltenen Sadisten.

00:19:01: Nein!

00:19:02: Die meisten Menschen würden ganz ähnlich handeln und autoritären Anführern blind gehorchen.

00:19:08: Man braucht kein Monster zu sein, um monströse Gräueltaten zu verüben.

00:19:14: Ein berühmtes Experiment des amerikanischen Psychologen Stanley Milgram schien das zu bestätigen.

00:19:20: Er lud Probanden in sein Labor ein und setzte sie als Lehrer an ein Gerät mit dem Sie einem Schüler elektrische Schläge verabreichen sollten sobald dieser einen Fehler machte.

00:19:31: Milgram sagte den Probandinnen Sie würden den Effekt von Strafen auf den Lernerfolg testen.

00:19:37: Der Schüler war jedoch in Wahrheit ein Schauspieler.

00:19:41: Milgram selbst war als Versuchsleiter dabei und wies die Probanden an, die Intensität des Elektroschocks nach jedem Fehler, den der Schüler beging zu erhöhen.

00:19:51: Sie konnten die Intenzität ihrer Schläge auf einer Skala ablesen.

00:19:55: Danger, severe Schock stand bei threehundert fünfundsiebzig Volt.

00:20:01: Die Mehrheit ging bis zum obersten Ende der Skala.

00:20:04: Fünfundsechzig Prozent der Probanden fügten dem Schüler, der sich immer wieder über Schmerzen beschwerte, vermeintliche elektrische Schläge von vierhundertfünfzig Volt zu – nur weil jemand mit Autorität gesagt hatte, tu das!

00:20:18: Zumindest Chinesso.

00:20:21: Schon Milgram selbst notierte damals, dass es nicht so einfach war.

00:20:26: Was er beobachtet hatte, war nicht blinder gehorsam.

00:20:30: Die Probande standen nicht einfach gedankenlos dabei und drückten auf Anweisung den Knopf.

00:20:35: Sie liefen mit, besonders dann wenn sie sich mit dem Versuchsleiter identifizieren konnten und mit ihm auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiteten – hier Wissenschaften!

00:20:47: Das zeigte sich besonders deutlich als zeitgenössische Forschende das Experiment replizierten und dabei manche Probanden dazu brachten, sich mit einem Wissenschaftler zu identifzieren indem sie sie etwa nach Dingen fragten die sie mit Wissenschaftlerinnen gemeinsam haben und andere Probanden dazu bewegten, sich von ihm abzugrenzen.

00:21:07: Indem sie sie nach Dingen fragten, die sie von Wissenschaftlern unterscheiden.

00:21:13: Unter ersteren verabreichten massiv mehr die intensivsten Schocks a.v.h.a.

00:21:17: vierhundertfünfzig Volt – nämlich gut achtundvierzig Prozent gegen über sieben Prozent bei denjenigen, die ihre Identität von Wissenschaftlern abgrenzen sollten!

00:21:27: Und wer sich mit dem Opfer identifizieren konnte war eher dazu bereit, sich dem Versuchsleiter zu widersetzen.

00:21:34: Der Psychologe Alex Haslam von der Universität Queensland replizierte mit Kollegen dieses und andere Experimente aus der Nachkriegszeit, und untersucht wie Menschen miteinander Identität aufbauen.

00:21:46: Er beschreibt die harte Arbeit, die Energie und den Enthusiasmus – den totalitäre Systeme benötigen!

00:21:53: Man stolpert da nicht schlafwandelnd hinein wie ein Zombie.

00:21:57: Auch Hitlers Gefolksleute gehorchten nicht einfach mechanisch wie Marionetten.

00:22:01: Historiker betonen das Engagement und die harte Arbeit der Nazis für die gemeinsame Sache mit dem Führer.

00:22:08: Sie taten weit mehr, als von ihnen verlangt wurde – und sie wussten was sie taten!

00:22:13: Mitläuferinnen kommt eine ganz andere Verantwortung zu, als dabeisteh'n.

00:22:18: Haslam nennt sie Engaged Followers, aktive Anhänger.

00:22:22: Er betrachtet Ereignisse wie den Kapitollsturm als Koproduktion zwischen Ihnen und dem Anführer.

00:22:32: Anführerinnen und Anhängern kommen Handlungsmacht und Verantwortung zu.

00:22:36: Trump als Anführerin legte mit der Erzählung der gestohlenen Wahl ein moralisches Fundament, mit dem er seine Anhänger veranlasste sich für sein Ziel einzusetzen – sicherzustellen dass das Wahlresultat vom Kongress nicht offiziell anerkannt würde.

00:22:53: Wie sie dabei vorgehen sollten blieb aber ihnen überlassen.

00:22:57: Dass Trump sie nicht explizit dazu aufgefordert hat das Kongressgebäude anzugreifen Entbinde ihn nicht von der Verantwortung dafür, schreiben Haslam und seine Kolleginnen.

00:23:07: Verbrechen die Gefolgsleute im Namen der Gruppe verüben sind unweigerlich auch Verbreche ihrer Führung.

00:23:15: Bevor Mitläufer dazu bereit sind Schaden anzurichten muss der Anführer sie davon überzeugen dass das richtig ist.

00:23:22: er muss das Ziel als notwendig darstellen und als tugendhaft.

00:23:26: dann begreifen Sie ihre Handlungen eben nicht als extrem toxisch oder destruktiv.

00:23:33: Milgrams Probanden waren nicht verstört oder beschämt, nachdem er sie darüber aufgeklärt hatte, dass sie bereit gewesen waren im Namen der Wissenschaft zu töten.

00:23:43: Sie waren froh, denn Milgram hatte ihnen gesagt, sie hätten einen wesentlichen Beitrag zur Forschung geleistet.

00:23:51: Einer, der bei der Belagerung des Kapitols dabei war, beschreibt sie als die eindrucksvollste inspirierendste und unglaublichste Sache, die er in seinem Leben gesehen

00:24:01: habe.".

00:24:02: Er war Trumps Worten gefolgt, der zur Menge gesagt hatte – Wahrheit und Gerechtigkeit seien auf ihrer Seite.

00:24:09: Und in unseren Herzen ist eine tiefe und beständige Liebe für Amerika!

00:24:16: Wie ein Schulhof-Bully lebt auch dieser Anführer davon das er Bewunderer hat.

00:24:21: Ein Grüpplein um ihn herum dass seine soziale Identität teilt sein Ego streichelt seinen Status schützt und seine Interessen.

00:24:31: Everybody wants to be my friend.

00:24:33: Postete Donald Trump nach einem Dinner mit einem Tech-Milliardär.

00:24:38: Was wir unter Trump sehen ist, was in den absolut schlimmsten Schulen passiert sagte Jana Juwonen Entwicklungspsychologin an der University of California zum New Yorker jenen wo die Dinge total außer Kontrolle sind.

00:24:54: auf Anfrage schreibt Haslam in einer E-Mail er gehe stark davon aus dass sich auch Kinder gegenüber Anführerinnen als engaged Followers verhalten, wenn sie sich mit ihnen identifizieren können.

00:25:08: Viertens – Rückgrat kostet.

00:25:11: Damals in der Primarschule löste sich manchmal eines von uns Mädchen von den Mitläuferinnen und stellte sich zu jener die gerade allein sein musste.

00:25:20: Aber Mitgefühl mehr noch inklusivität Das war Verrat an der Anführerin.

00:25:26: Wer sich von der Gruppe löste und dem Opfer beistand wurde heftiger und länger schikaniert als das Opfer selbst.

00:25:34: So wurde Unbeliebtheit zur übertragbaren Krankheit.

00:25:39: Bevor sich Kinsinger gegen Trump stellte, riet ihm sein Team davon ab Ein Jahr zum Amtsenthebungsverfahren wäre Selbstmord, sagten sie.

00:25:48: Danach ging Morddrohung um Morddrohung auf seinem Anrufbeantworter ein.

00:25:53: Gegen ihn?

00:25:54: Gegen sein Kind.

00:25:56: Sein Team sortierte Was musste weiter zu Polizei.

00:25:59: Was war Hass der Wehtat, aber vermutlich nicht in physische Gewalt münden würde?

00:26:05: Sein Votum fürs Impeachment war Verrat an Donald Trump und an der ganzen Gruppe von Menschen die sich mit ihm und Mitmager identifizierten.

00:26:14: Dafür verstießen ihn auch Familienmitglieder ganz offiziell.

00:26:19: Rückgrat kostet – zumindest so lange man damit allein ist!

00:26:25: Fünftens Sich zusammen tun.

00:26:29: Ich erinnere mich an einen schulfreien Mittwoch-Nachmittag den ich mit einer Freundin der Anführerin verbrachte.

00:26:36: Ihre Mutter hatte meine gefragt, ob sie bei uns spielen dürfe – warum weiß ich nicht mehr?

00:26:42: Gut möglich dass sie zu dieser Zeit die Ausgestoßene war!

00:26:45: Wir sprachen darüber das es eigentlich nicht okay war was ihre Freundin tat Mädchen rei um auszugrenzen und dass wir das gerne so einbringen wollten vielleicht sogar einmal die Anführerinnen ausgrenzen damit sie spürte wie sich das anfühlte.

00:27:01: Morgen dann in der Schule.

00:27:04: Passiert ist nichts!

00:27:06: Am nächsten Tag war die Freundin der Anführerin wieder, genau das.

00:27:11: Es zeigte sich das typische Muster, dass die Journalistin Rachel Simmons in ihrem Buch über die verborgenen Aggressionskultur unter Mädchen beschreibt – nett im Privaten, gemein in der Öffentlichkeit.

00:27:24: Auch die Republikaner hätten über Trumps Unzulänglichkeiten nur im privaten gesprochen schreibt Kinzinger in seinem Buch über die erste Amtszeit des Präsidenten und zwar erst, nachdem sie sichergestellt hatten das ihr gegenüber ihrer Haltung teilte.

00:27:40: Da war sie wieder – Die Angst!

00:27:43: Sich zusammentun kann viel bewirken aber dafür muss man die Verbindung irgendwann nach außen tragen so dass der Bulli sieht.

00:27:51: da ist mehr als einer.

00:27:54: Stanley Milgrams Probandinnen verabreichten dem Schüler weniger von den vermeintlich gefährlichen elektrischen Schlägen wenn eine weitere Person sie dabei unterstützte, sich dem Versuchsleiter zu widersetzen.

00:28:08: Ein anderes berühmtes Experiment das Probanden als Gefangene und als Gefängniswärter in einem Keller der Universität Stanford zusammenleben ließ zeigte Leisteten gefangene allein Widerstand bewirkten Sie wenig aber gemeinsam konnten sie die Werter bedrängen.

00:28:27: Gemeinschaft stärkt den Rücken.

00:28:30: Experimente und Geschichte lehren uns nicht nur das anständige Menschen andere unterdrücken, sondern dass sie sich oft auch wehren.

00:28:39: Gruppen können manchmal tyranei hervorbringen aber sie sind immer zentral für Widerstand schreiben Psychologen um Alex Haslam.

00:28:47: Gemeinschaft die außerhalb der Gruppe des Tyrannen entsteht kann ihm gefährlich werden Das weiß auch er selbst Sechstens Gemeinshaft brechen.

00:29:00: Meine Mutter stammt aus einem kleinen Bergtal.

00:29:03: Als sie die Primarschule abgeschlossen hatte, gab es zwei Optionen.

00:29:07: Die Realschule im Dorf oder das Daheimverlassen.

00:29:10: Die nächste Sekundarshule lag mehr als eine Busstunde entfernt.

00:29:14: Es war ein katholisches Mädchen-Internat geleitet von Nonnen.

00:29:18: Dort gab es wenig zu essen.

00:29:20: dafür umso mehr Regeln.

00:29:23: Beim Essen durfte man nicht mit den Ellenbogen den Tisch berühren Beim Stehen durfte Man sich nicht irgendwo anlehnen.

00:29:32: Beim Briefe schreiben durfte Mann das Kuvertzug kleben.

00:29:36: Nach dem Abendgebet durfte man nicht sprechen, außerhalb vom Sonntagnachmittag durfte Mann nie wirklich nie seine Muttersprache sprechen.

00:29:47: Deutschsprachige mussten französisch sprechen, Französisch sprachige deutsch – das galt auch wenn man gerade erst aufgewacht war oder krank…oder krank vor Heimweh!

00:30:00: Über dieser letzten Regel lag wie ein dichtes Spinnennetz ein Überwachungssystem.

00:30:06: Es funktionierte so.

00:30:07: Im Internat waren Karten im Umlauf.

00:30:10: Wer wegen eines Regelverstoßes eine bekam, musste ihren Namen drauf notieren und pro Tag einen Strich.

00:30:16: Drei Striche gaben einen Notenabzug.

00:30:19: Die Karte musste also weg – schnell!

00:30:23: Man konnte die Karte einem anderen Mädchen geben und zwar dann wenn man es dabei erwischte.

00:30:28: wie ist seine Muttersprache Sprach?

00:30:30: La carte rief dann eine und streckte sie hin denn jede konnte jederzeit die Rolle einer Spionin einnehmen.

00:30:38: Dann hatte es dich.

00:30:40: Sicher warst du nie!

00:30:42: Es war für die Machthaberinnen das perfekte System.

00:30:46: Die Nonnen hatten keine Arbeit damit, und jegliche Auflenung war im Keim erstickt.

00:30:51: Ohne solide Vertrauensbasis – und in einer Fremdsprache – war es für die Schülerinnen schwierig, Freundschaften oder gar einen Gemeinschaftsgefühl aufzubauen.

00:31:02: Totalitäre Systeme nehmen ihren Untergebenen so nicht nur den Mut, aufzubegehren.

00:31:07: Sie berauben sie auch der einen Sache von der man weiß dass sie Menschen glücklich macht.

00:31:12: Bedeutungsvolle Verbindungen zu anderen Menschen.

00:31:16: Von solchen Systemen lernen Regierungen die nach mehr Autorität streben.

00:31:21: Nachdem das amerikanische Innenministerium in den Nationalparks viele Ranger entlassen hatte forderte es Besucherinnen auf die verbleibenden Parkmitarbeiter zu melden Falls sie sich negativ über Amerikaner äußerten oder nicht hervorhöben, wie großartig die Landschaft ist.

00:31:40: Und nachdem die Trump-Regierung angekündigt hatte alle Diversitätsprogramme der Verwaltung einzustampfen instruierten verschiedene Behörden ihre Mitarbeitenden Kollegen zu melden falls Sie sie heimlich beizubehalten versuchten.

00:31:54: Spitzelsysteme zerstören zu erst den Zusammenhalt und dann lassen sie ihn gar nicht mehr entstehen.

00:32:00: Einer, der ein Leben lang erforscht hat wie sich unterdrückte Gemeinschaften gegen Diktatoren zu wehrsetzen können war der amerikanische Politikwissenschaftler Jean Scharp.

00:32:10: Auf Anfrage eines burmesischen Demokraten schrieb er in den frühen Neunzehn neunziger Jahren eine Anleitung zum gewaltfreien Widerstand.

00:32:18: Bald kursierten Kopien des Büchleins heimlich in Burma dann übersetzten es Menschen in Indonesien, dann in Serbien und dann anderswo.

00:32:28: Schab betont, wie wichtig vom Staat unabhängige Institutionen sind.

00:32:33: Familien oder Sportklubs, religiöse Organisationen, Gewerkschaften, Dörfer- oder Gartenclubs – auch wirtschaftliche Institutiones, literarische Gesellschaften und politische Parteien.

00:32:45: Alles sein kleine Machtzentren von denen aus Menschen sich gemeinsam der diktatorischen Kontrolle widersetzen können.

00:32:51: Ist der Diktator einmal weg?

00:32:53: So schab!

00:32:54: werden sie elementar sein für die Struktur einer freien Gesellschaft.

00:32:59: Auch das haben autoritäre Machthaber verstanden, schon kurz nach Trumps Amtsantritt schlossen manche amerikanische Behörden etwa Interessengruppen für Mitarbeitende der Verwaltung, die eine Minderheit angehören.

00:33:12: Manche Organisatoren stellten ihre Gruppe gar selbst ein aus Angst Ihre Mitglieder Listen könnten dazu verwendet werden einzelnen Mitgliedern zu Schaden.

00:33:23: Mit jeder unabhängigen Institution stirbt auch ein Gefäß, aus dem sich Menschen gemeinsam gegen Unterdrückung organisieren könnten.

00:33:31: Und das wieder aufzubauen wird viel mehr Energie kosten als seine Schließung.

00:33:36: Diktaturen arbeiteten gern darauf hin eine Gesellschaft zu atomisieren, schreibt Sharpe.

00:33:42: Deshalb kappen die iranischen Machthaber regelmäßig das Internet und bauten die Chinesischen um ihres herum eine Mauer.

00:33:49: Ebenfalls deshalb baute Elon Musk Twitter zu xum.

00:33:53: Räume, in denen unliebsame Stimmen zu lautschallen oder sich verbinden könnten müssen weg.

00:33:59: Es ist der Wunschtraum von Autokraten – eine Masse isolierter Individuen die sich einander kaum anvertrauen, geschweige denn zusammenarbeiten können um sich zu befreien.

00:34:10: Siebtens Wiederstand Die Mopperin auf dem Pausenplatz und der Bulli im Weißen Haus.

00:34:18: Beide nutzen die Angst vor dem sozialen Ausschluss um sich zubereichern An Status oder Macht oder Geld.

00:34:25: Und gerade weil Gruppen und deren Ziele zur Identität des Einzelnen beitragen, ist der Einzelne manchmal blind dafür was die Gruppe zerstört.

00:34:34: Um sie brechen zu können müssen wir Menschen destruktive Strukturen erst einmal erkennen – und dann wissen es ginge auch anders!

00:34:44: Gerade letzteres Betonen in neuerer Zeit Sozialpsychologen, die sich so intensiv mit Gehorsam beschäftigten dass sie einen erwiesenen Punkt beinahe übersahen.

00:34:55: Resistance is always possible, schreiben Alex Haslam und sein Kollege.

00:35:00: Auch in den repressivsten Situationen – sogar im Gefängnis oder in den Vernichtungslagern der Nazis!

00:35:07: Widerstand passiert vielleicht nicht immer oder ist nicht immer erfolgreich… aber er ist immer möglich.

00:35:15: Diese Erkenntnis ist ein spätes Echo auf jene des Politikwissenschaftlers Jean Charpe, der Mahnte.

00:35:21: Manchmal dauere der Widerstand viele, viele Jahre Kosteleben lasse viele Menschen verwundet zurück.

00:35:27: Aber irgendwann werde die Diktatur zerbröseln, wenn der Widerstand breit gewollt und entsprechend organisiert sei.

00:35:35: Meiner Mutter ist beim Erzählen plötzlich eingefallen, dass es im Internat eine Gruppe von Schülerinnen gab, die ihre Karten jeweils zwei Tage behielten – und dann untereinander weitergaben.

00:35:45: So kam es nie zum Notenabzug!

00:35:48: Das war ein solidarisches System das die Gruppe schützte.

00:35:51: Und gleichzeitig waren es viele kleine Handlungen die den Machthaberinnen, die Kooperation ihrer Untergebenen entzogen.

00:36:00: Autoritäre Regimes brauchen aber die Mitwirkung der Menschen, die sie beherrschen – sonst fallen Sie in sich zusammen!

00:36:07: Das ist eine der Hauptlektionen von Gene Sharps Anleitung zum Widerstand.

00:36:12: Solch kleine Handlungen sind also viel weil sie den Handelnden und jenen, die zusehen zeigen wir können etwas bewirken.

00:36:21: Beim Widerstand geht es nicht nur darum sich zu wehren sondern auch den Menschen Hoffnung zu geben.

00:36:28: Schrieb mir Psychologe Haslam in einer E-Mail.

00:36:31: Hoffnung bedeutet, die Menschen schöpfen Mut und bleiben dran!

00:36:37: Auch so stärken sie ihr Rückgrat.

00:36:39: Dann können Sie die Energie –die Sie dem Unterdrücker entzogen haben– in den koordinierten kollektiven Widerstand stecken.

00:36:49: Was Regionen, in denen dieser eine Diktatur zerstört oder geschwächt hat, einte etwa Serbien unter Milošević Ostdeutschland Die Philippinen, Polen, Südafrika, Norwegen unter den Nazis war die massive Anwendung politischen Ungehorsams durch die Bevölkerung und ihre Institutionen, schrieb Schab.

00:37:10: Dafür braucht es viele Menschen, die für eine gemeinsame Sache zusammenstehen.

00:37:15: Es ist eigentlich logisch Aus diesem Stoff sind Demokratien gemacht Also braucht es ihn umso mehr Um sie zurückzuholen oder Sie überhaupt entstehen zu lassen.

00:37:26: So ist auch gemäß den zeitgenössischen Politikwissenschaftlern Stephen Lewitzki und Daniel Zieblat das einzige, was Donald Trump von einer dritten Kandidatur abhalten wird.

00:37:35: Massive Mobilisierung!

00:37:38: Denn so schrieben sie später mit einem Co-Autoren – die Regierung kann nicht alle auf einmal angreifen.

00:37:44: Teilen Sie sich die Kosten des Ungehorsams werden sie für einzelne leichter zu ertragen.

00:37:51: Die No-Kings-Proteste mobilisierten im Oktober gut sieben Millionen Amerikanerinnen Und gegen das Gebaren der ICE-Truppen versammelten sich Bürger im Januar zu mehr als tausend Demonstrationen.

00:38:04: Das macht Mut, und das ist essentiell!

00:38:08: Damit Resistance entstehen kann, müssen Menschen die Angst loswerden vor der Regierung und ihrer möglichen gewaltsamen Repression.

00:38:16: Der Widerstand führe wiederum dazu, dass die Angst noch kleiner werde, schreibt Sharp – ein Schlüsselelement um die Macht zu brechen, die Tyrannen über ihre Mitmenschen

00:38:25: haben.".

00:38:27: Aber es wird vermutlich nicht reichen.

00:38:30: Ein häufiger Fehler bei vergangenen Kampagnen politischen Ungehorsams sei, so scharb – dass sie sich auf eine oder zwei Methoden beschränkten, etwa Streiks- und Massendemonstrationen.

00:38:42: Es brauche mehr Bandbreite.

00:38:43: der Politikwissenschaftler hängte seinem Büchlein eine Liste mit hundert achtundneunzig Arten an, politischen ungehorsam zu üben.

00:38:52: Aber wo beginnen?

00:38:54: Der Historiker Timothy Snyder, der untersucht wie man Faschismus stoppen kann Erachtet es als etwas vom Wichtigsten.

00:39:01: Der individuelle Entscheid zu handeln, zusammen mit anderen.

00:39:06: Gemeinsam handeln schafft Zugehörigkeit und das bringt uns zurück zur Frage weshalb manche Gruppen Emanzipation hervorbringen und andere Unterdrückung?

00:39:17: Wenn sich Mitläufer immer auf der guten Seite wähnen weil ihnen das Ziel der eigenen Gruppe als wichtig und richtig vermittelt wurde wie entscheidet sich ob Menschen gemeinsam freundlich handeln oder grausam.

00:39:31: Normen seien hierbei zentral, schreibt mir Alex Haslam.

00:39:35: Jene die in der Gruppe selbst gelten aber auch jene der übergeordneten Gemeinschaften die diese Gruppe einschließen.

00:39:42: Deshalb sei es so beunruhigend dass sich solche Normen in westlichen Gesellschaften in den vergangenen Jahren verschoben.

00:39:49: Wenn ein Anführer seinen Leuten den Eindruck gibt Es sei okay rassistisch sexistisch und grausamm zu sein sollte uns nicht überraschen das sie es dann sind und dass die Dinge, die sie koproduzieren toxisch sind.

00:40:02: Nur wie folgt eine Gruppe freundlichen Normen?

00:40:08: Darauf scheint die sozial- psychologische Literatur, die diese Gruppenprozesse auf politischer Ebene betrachtet noch keine befriedigende Antwort zu haben.

00:40:18: Vielleicht sollten wir die Zulassungskriterien solcher Gruppen betrachten.

00:40:22: Darf jeder dabei sein?

00:40:23: oder nur wer zu einer bestimmten Ethnie gehört – nur wer reich ist oder bestimmte Lügen wiederholt!

00:40:30: darf jede mitmachen?

00:40:32: oder nur wer als stark gilt, wer loyal ist.

00:40:36: Wer eine bestimmte Meinung vertritt.

00:40:38: Gut möglich dass die freundlich handelnden Gruppen diejenigen sind, die gewillt sind all ihre Mitmenschen erst einmal mit Wohlwollen zu betrachten.

00:40:47: Für gesellschaftliches und politisches Handeln von Individuen ist auch die Expertise jener Psychologinnen hilfreich Die Mobbing an Schulen erforschen also aggressives Verhalten das anderen schadet das wiederholt stattfindet und bei dem Macht ungleich verteilt ist.

00:41:05: Um eine Anführerin zu stürzen, muss das ganze System von Macht-und Ohnmacht und das Mikroskop – es geht um sie aber auch um Lehrerinnen die das Verhalten stillschweigend tolerieren, um Mitläufer, die die Anführer anfeuern und um nette Dabeisteherinnen, die Angst haben etwas zu sagen.

00:41:24: Um deren Familien die bestimmte Werte vorleben!

00:41:28: Die Schulpsychologin Phyllis Fagel beschreibt gegenüber dem New Yorker eine Übung.

00:41:33: In kleinen Gruppen sitzen Schüler zusammen und sortieren einen Stapelkarten, auf dem Werte stehen Verantwortung etwa Sicherheit oder Großzügigkeit.

00:41:44: Indem sie ihre eigenen Werte reflektierten könnte sich ihr Verhalten künftig davon leiten lassen anstatt Gefühlen zu folgen die Mobbing begünstigen Angst- oder Ressentiment zum Beispiel.

00:41:56: Um die Struktur um den Bulli zu brechen muss man sie zunächst erkennen Und um Entscheide an bestimmten Werten zu orientieren, muss man sich deren erst einmal bewusst werden.

00:42:08: Erst Jahrzehnte später habe ich verstanden dass die Anführerin meiner Klasse enorme Macht im Rücken hatte.

00:42:15: Ihre Eltern waren Lehrerinnen und Lehrer an unserer Schule.

00:42:18: während der zwei letzten Schuljahre unterrichteten sie unsere Klasse.

00:42:22: Wir Kinder waren mit der Verknotung von Macht-und Ohnmacht also auf uns selbst gestellt.

00:42:28: Dem Bulli in der Schule war kaum zu entkommen, weil der Schule nicht zuentkommen war.

00:42:33: Beim ausgestoßenen Republikaner Adam Kinzinger ist das anders.

00:42:37: Er hat Optionen und sieht sich dadurch umso mehr mit einer schwierigen Frage konfrontiert.

00:42:43: Nach welchen Werten willst du leben?

00:42:46: Er ist zum Allgemeinplatz geworden – und dennoch glaube ich dass der Gedanke ans Sterbebett gerade hierfür taugt!

00:42:53: Welche Ereignisse werde ich im Rückspiegel gerne

00:42:56: betrachten?!

00:42:57: Wofür werde ich mich schämen?

00:43:00: Werden sich die Prioritäten, die ich heute setze dann richtig anfühlen.

00:43:04: Was will ich hinterlassen?

00:43:06: Human gewesen zu sein – das wäre ein schönes Vermächtnis!