Mixtape Freundschaft 2/5: Ich habe nie gelernt, Freunde zu finden
Shownotes
Es sind Beziehungen, die unser Leben prägen. Im Guten wie im Schlechten. Fünf Republik-Beiträge über die Freundschaft in der Vorgelesen-Sommerserie.
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Dieser Beitrag wurde mit einer eigens für die Republik entwickelten synthetischen Stimme vertont. Mehr dazu hier.
Transkript anzeigen
00:00:05: Sie hören einen automatisch vorgelesenen Beitrag von Anna Miller.
00:00:10: Freundschaften gelten als Schlüssel zum Glück, doch Beziehungen verschieben sich, brechen weg und plötzlich stehen wir da mit der Frage – wie finde ich neue Menschen die wirklich zu mir passen?
00:00:23: Ich habe nie gelernt Freunde zu finden!
00:00:27: Ich habe jedes Mal alles neu in Kisten gepackt und wieder ausgepackt.
00:00:39: Und lange Zeit war es schön, sich jedes mal neu zu erfinden – das Leben zu spüren!
00:00:45: Auf dem Boden einer neuen Wohnung zu sitzen mit nichts außer mir selbst und einem Schlüssel in der Hand als würde ich den Stift ansetzen auf einem weißen Blatt.
00:00:54: die Welt Sie war in solchen Momenten immer ein Stück unberührt Neu-und voller Verheißung.
00:01:01: doch diese Bewegung ,die Lebendigkeit brachte brachte auch Entwurzelung und Trennung.
00:01:08: Jeder Neuanfang war ein Glücksgriff, und gleichzeitig veränderte er wieder alles – als wären die Würfel neu gefallen!
00:01:16: Und mit jedem Umzug, mit jedem Abschluss, mit jeder physischen Verschiebung veränderten sich auch meine Beziehungen.
00:01:24: Plötzlich wohnst du nicht mehr neben deiner engsten Freundin, plötzlich ist das Studium zu Ende und dein Freund zieht weg.
00:01:31: Plätzlich bist du in einem anderen Stadtteil Zuhause und auch wenn alles noch immer erreichbar wäre.
00:01:37: Es bräuchte bloß diese halbe Stunde Bus, bloß dieser eine Stunde Zug.
00:01:41: Stellst du irgendwann fest?
00:01:43: Meine eigene Veränderung verändert auch meine
00:01:45: Freundschaften.".
00:01:48: Das Tabu-Einsamkeit.
00:01:52: Die Ratgeber schreiben alle wie wichtig Freundschaft sind – dass sie uns glücklich machen!
00:01:57: Dass Einsamkeit tötet!
00:01:59: Dass wir geliebt werden müssen, aufgehoben, eingebettet, verstanden und gehört sein sollten um ein erfülltes Leben zu leben.
00:02:07: Einsamkeit ist kein Randphänomen.
00:02:09: In der Schweiz betrifft sie über ein Drittel der Bevölkerung.
00:02:12: Die WHO warnt inzwischen, Sie sei ein globales Gesundheitsrisiko mit Folgen die von Depression bis zu verkürzter Lebenszeit reichen.
00:02:21: Doch niemand spricht darüber wie schwer es sein kann neue Freundschaften zu knüpfen Wie sehr Brüche und Veränderungen in unserem Leben Freundschaft beeinflussen?
00:02:36: diesen Sex and the City-Traum einer Gruppe, die ist wie Familie.
00:02:41: Niemand spricht öffentlich über die Trauer, die in dir hochsteigt wenn deine beste Freundin ihr erstes Kind bekommt und ihr euch sagt dass sich nichts ändern wird und sich dann doch alles ändert.
00:02:53: Ich wusste schon immer das Freundschaften wichtig sind Doch niemand hat mir gesagt wie man sie findet Wie man als Erwachsenen neue Freundschaft knüpft?
00:03:02: Wie viel Anstrengung, Geduld und Zeit es braucht an einem völlig neuen Ort Beziehungen entstehen zu lassen und wie sehr das den Selbstwert angreifen kann.
00:03:13: Weil wir uns irgendwann fragen, was wenn ich niemanden finde?
00:03:18: Was Wenn es an mir liegt dass die Person nicht mehr zurück ruft nach dem ersten Abend an der Bar Obwohl Ich dachte Wir seien auf Der gleichen Wellenlänge?
00:03:27: Woran Erkenne Ich wann jemand wirklich Zu Mir Passt Und Wann er bleibt.
00:03:32: und Wie halte Ich Diesen Unsagbaren Zwischenzustand Aus dass allein sein mit mir selbst, wenn das was richtig und echt ist noch nicht besteht.
00:03:41: Weil nun mal alles Zeit braucht!
00:03:44: Und das, was schon da ist vielleicht doch auf Dauer nicht reicht?
00:03:48: So sehr wir alle über Freundschaften und ihre Bedeutung für unsere psychische Gesundheit sprechen so sehr es ein gesellschaftliches Tabu auszusprechen Ich fühle mich einsam ich brauche neue Freunde und ich weiß nicht wo und wie ich sie finde.
00:04:04: weil wir eben nicht mehr automatisch die ganze Woche lang neben Mitstudierenden sitzen oder in der Schulpause miteinander Aufgaben lösen müssen, weil wir nicht mehr alle über Jahre am gleichen Ort leben und wohnen und nicht mehr zwanzig Jahre den gleichen Arbeitgeber haben und den gleichen Büro-Nachbarn im Zentrum des sozialen Lebens.
00:04:27: Wir alle erleben Brüche nach Beziehungen beim Umzug, nach Kindern, beim Jobwechsel.
00:04:34: Unser Leben ist so modular und beweglich wie nie!
00:04:37: Wir bleiben nicht mehr, wo wir geboren sind.
00:04:39: Wir reisen, wohnen und arbeiten
00:04:42: remote.".
00:04:43: Das Internet verheißt uns komplett unabhängig von unserem geografischen Standortbeziehungen aufrecht erhalten zu können – dass wir diese physische Verwurzelung gar nicht mehr brauchen!
00:04:54: Dass es reicht wenn man sich per WhatsApp hört.
00:04:58: Doch das stimmt nicht.
00:05:00: Wir brauchen Menschen in unserer unmittelbaren Nähe.
00:05:03: Kaum eine Freundschaft überlebt große Verschiebungen auf Dauer wenn wir sie nicht intensiv pflegen.
00:05:09: Und auch, wenn wir alles richtig machen – auch wenn wir verbunden bleiben – so verändern sich Freundschaften trotzdem, weil wir in neue Lebensphasen eintauchen, weil unsere Werte und Interessen sich ändern, weil sich manchmal lautlos aber unumkehrbar etwas verschiebt.
00:05:26: Dass dabei romantische Beziehungen über so viele Jahrzehnte das vermeintlich einzige Modell echter Intimität waren hilft nicht!
00:05:34: Viele Freundschaftensherbrechen daran dass immer weniger Zeit bleibt für sie, während viele Menschen nach wie vor fast ausschließlich auf Partnerschaft und Kinder fokussieren.
00:05:44: In den letzten Jahren wurde das Hinterfragen dieses Fokus durchaus zum Trend.
00:05:48: Freundschaften gelten heute oft als Gegenentwurf zur romantischen Partnerschaft – als freierer, stabilere, wieder entdeckte Form von Bindung.
00:05:58: In der feministischen Debatte erscheinen Sie fast wie die große Lösung für alles was in heteronormativen Beziehungserwartungen brüchig wird.
00:06:06: Und doch hilft auch dieses idealisierte Bild nicht, die besseren, klareren, tieferen Freundschaften zu haben.
00:06:13: Weil sie eben nicht einfacher und selbstverständlicher sind als romantische Beziehungen, sondern oft genauso viel Liebe-, Hinwendung- und eben Zeit brauchen!
00:06:24: Theoretisch rücken Freundschafte vermehrt ins Zentrum unseres sozialen Lebens – praktisch bleiben Sie von denselben Kräften bedroht wie Beziehionen, Zeitmangel, Umzüge, Lebensphasen... Kehrarbeit, Erschöpfung.
00:06:39: Dass wir Beziehungen nicht mehr rein romantisch denken ist ein Fortschritt aber es macht Freundschaften nicht automatisch zugänglicher.
00:06:48: im Gegenteil die höhere symbolische Bedeutung erhöht manchmal sogar den Druck.
00:06:55: Wir sollen intime erfüllte beständige Freundschaft haben während unser Leben modularer individueller und beweglicher ist denn je.
00:07:05: am Ende stehen wir dann allein da zwischen altem und noch nicht neuem, zwischen eingeschlafenen Freundschaften und einer Sehnsucht nach Verbundenheit die irgendwie unerfüllt bleibt – und meinen Wir seien allein mit diesem Wunsch.
00:07:20: Und irgendwie auch noch an allem selbst Schuld.
00:07:23: Doch kein Mensch auf der Welt, der sich verschiebt Der Lebenswandel-und eigene Entwicklung aktiv und sensibel spürt fühlt sich nicht manchmal einsam.
00:07:34: Einsamkeit ist nicht einfach ein Dauerzustand für Einzelne die am Rand der Gesellschaft stehen.
00:07:41: Einsam sind wir alle irgendwann, weil wir eben nicht ein Leben lang dergleiche Mensch bleiben und Freundschaften genauso wichtig aber auch fragil sind wie die Liebe.
00:07:53: doch ganz so willkürlich ist es dann zum Glück doch nicht.
00:07:57: Wir sind zwar alle irgendwann einsam Doch wir müssen es nicht bleiben Auch weil es ganz konkrete Faktoren gibt Die Freundschaft überhaupt entstehen lassen.
00:08:08: Sind wir einsam?
00:08:09: Liegt es nicht einfach daran, dass wir nicht liebenswert sind?
00:08:13: oder ist nicht verdient hätten dazu zu gehören?
00:08:17: Freundschaften entstehen nicht zufällig.
00:08:19: In Wahrheit gibt es konkrete Faktoren die Freundschaft wahrscheinlicher machen Nähe, Wiederholung und die gleiche Lebensphase.
00:08:28: Wie nähe wirklich entsteht.
00:08:32: Die Person, die neben uns im Klassenzimmer saß Der Kollege der auf der gleichen Etage arbeitete Die Nachbarin im gleichen Haus.
00:08:42: All diese Momente sind keine magische Zufallsbegegnung, sondern etwas das die Sozialpsychologie als sogenannten Propinquity-Effekt – Näheeffekt bezeichnet.
00:08:52: Räumliche Nähe erhöht die Wahrscheinlichkeit dass wir Beziehungen eingehen nicht weil wir uns mehr Mühe geben, sondern weil der Alltag uns wiederholt aneinander vorbeiführt.
00:09:03: In die gleiche Kerbe schlägt die Social-Foci Theorie des Soziologen Scott Feld.
00:09:08: Sie beschreibt sondern an bestimmten sozialen Brennpunkten des Alltags, den sogenannten Fauci.
00:09:17: Solche Fauci sind Orte oder Aktivitäten die Menschen regelmäßig zusammenführen – etwa Schule-, Arbeitsplatz-, Nachbarschaft-, Sportverein- oder Chorprobe.
00:09:27: Sie wirken wie unsichtbare Strukturgeber.
00:09:30: Indem sie wiederholte Begegnungen ermöglichen, senken sie die Schwelle Vertrautheit aufzubauen.
00:09:35: Freundschaft, so Felsargument wächst nicht im luftleeren Raum, wo sich verschiedene Leben ohnehin überschneiden.
00:09:44: Wiederholung ist der zweite Baustein, Freundschaften reifen mit geteilten regelmäßigen Begegnungen.
00:09:51: Erinnern sie sich an die Schul- und Studienzeit Diese täglichen Stunden WG Küchen oder Chorproben.
00:09:58: Vertrautheit wuchs nicht durch einen einzelnen großen Moment sondern durch die vielen kleinen Wiederholungen.
00:10:06: Die Psychologie spricht hier vom Meere Exposure Effekt.
00:10:10: Allein die wiederholte Begegnung mit einer Person erhöht unsere Sympathie für sie, selbst dann wenn der Austausch zunächst flüchtig bleibt.
00:10:19: Der Kommunikationsforscher Jeffrey Hall konnte zu dem zeigen es braucht im Schnitt fünfzig gemeinsame Stunden um aus einer Bekanntschaft eine Freundschaft werden zu lassen.
00:10:29: rund neunzig Stunden bis jemand zu einem guten Freund wird und mehr als zweihundert Stunden um in die Kategorie der engsten Vertrauten zurück.
00:10:37: Im erwachsenen Leben sind solche Strukturen rar.
00:10:40: Deshalb sind Orte mit Verlässlichkeit und Rhythmus, Co-Working Spaces, Vereinsabende, Cooproben oder politische Gruppen keine Nebensache.
00:10:49: Sie sind die Fundamente auf denen Freundschaft wachsen kann.
00:10:54: Lebensphasen wirken tiefer.
00:10:56: Wer gerade ein Kind bekommen hat lebt in einem völlig anderen Rhythmuss als jemand nach einer Trennung der in einer neuen Stadt neu anfängt.
00:11:05: Studien zur Homophilie zeigen dass wir am ehesten Freundschaften mit Menschen eingehen, die uns in Alter, Interessen oder Lebenssituation ähnlich sind.
00:11:15: Nicht aus Oberflächlichkeit sondern weil geteilte Rhythmen verstehen erleichtern.
00:11:20: Darum entstehen neue Verbindungen oft genau dort wo Lebensphasen sich überschneiden zwischen jungen Eltern auf dem Spielplatz unter Berufseinsteigerinnen im ersten Job zwischen Menschen in Umbruchszeiten.
00:11:34: Umgekehrt bedeutet Veränderung fast zwangsläufig eine Verschiebung im sozialen Gefüge.
00:11:40: Ohne, dass jemand Schuld hat lösen neue Takte alte Freundschaften ab und manchmal eröffnen sie überraschend Neue – wenn es einfach passt oder eben nicht!
00:11:52: Und dann ist da noch die Chemie jenes unsichtbare Band das sich kaum messen oder erklären lässt.
00:11:59: Vielleicht fällt es uns gerade deshalb so schwer zu akzeptieren, dass manche Bekanntschaften einfach nicht tiefer werden Egal wie freundlich, verlässlich und interessiert wir uns zeigen.
00:12:09: Die Forschung spricht hier von Interpersonal Chemistry oder schlicht von sozialer Passung, winzige Signale in Stimme, Gestik- oder Humor die Resonanz erzeugen – oder eben nicht!
00:12:21: Manche Begegnungen bleiben trotz aller Mühe flach andere fühlen sich an wie ein Stromstoß.
00:12:27: Innern Minuten ist da diese Leichtigkeit als wäre Vertrautheit schon da bevor sie überhaupt gewachsen.
00:12:34: Solche Begegnungen sind kein Beweis für den Wert eines Menschen, sondern schlicht Ausdruck dessen das Energie und Takt zusammenpassen.
00:12:43: Freundschaft braucht Verlässlichkeit – aber ohne Chemie wird sie selten mehr als Routine!
00:12:49: Wenn Sie sich bei einer Person nicht sicher fühlen, Sie selbst oder der andere in Ihrem Empfinden zu laut, zu leise, zu schnell, zu langsam ist, dann hat das Mehr mit Energieniveaus als mit Charakterfehlern zu tun….
00:13:04: Erlauben Sie sich die Richtung zu ändern, ohne sich erklären zu müssen.
00:13:09: Es passt einfach nicht – ist ein vollständiger Satz!
00:13:12: Freundschaft heißt nicht, gefallen zu müssen oder sich unendlich aufzureiben.
00:13:17: Es darf gegenseitig, gewollt, leicht und zugewandt sein.
00:13:22: Was nicht heißt das es immer ohne Reibung bleibt?
00:13:25: Doch sie dürfen loslassen was sich nicht gegenseitung anfühlt.
00:13:30: Freundschaft im erwachsenen Alter isst keine Prüfung mehr.
00:13:33: Muss ich genügen, damit du bleibst?
00:13:36: Sondern eine Entscheidung.
00:13:37: Wähle ich dich!
00:13:39: Wähle ich diese Sicherheit, diese Nähe, diesen Platz in meinem
00:13:42: Alltag?!
00:13:44: Sozialforschung zeigt, dass wir heute so frei wie nie sind unsere sozialen Netze aktiv zu gestalten.
00:13:50: Diese Freiheit kann einschüchtern – aber sie entlastet auch.
00:13:54: Denn es geht nicht länger darum überall hineinzupassen.
00:13:58: Es geht darum Verbindungen zu pflegen die wirklich nähren.
00:14:02: Wenn die Haltung lautet, ich bewege mich nicht mehr um akzeptiert zu werden sondern um zu wählen was mich stärkt dann beginnt echte Nähe.
00:14:11: Darin liegt weniger Druck und mehr Freiheit.
00:14:15: Wer wären wir wenn wir wüssten dass wir nähe gestalten können?
00:14:18: Und das es diese echte warme Verbundenheit gibt und dass wir sie suchen und finden können?
00:14:24: Wir alle sind irgendwann einsam aber niemand muss es für immer bleiben.